Audi und Mercedes versagen im US-Crashtest

Aufregung um die jüngsten Ergebnisse bei US-Crashtests: Das Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) hat elf Mittelklasse-Limousinen einem neuartigen Crashtest unterzogen. Mit dem Volvo S60 und dem hierzulande nicht erhältlichen Acura TL bekamen lediglich zwei Fahrzeuge die Bestnote. Vier Modelle, darunter der Audi A4 und die Mercedes C-Klasse, fielen glatt durch. Die beiden anderen Testkandidaten deutscher Hersteller, der BMW 3er und der VW CC, erhielten nur die Bewertung ,ausreichend".

Deutlich geringere Überlappung
Bei der erstmals durchgeführten Testmethode prallen die Fahrzeuge vorne – in etwa auf der Höhe des linken Scheinwerfers – mit einer sehr geringen Überlappung von nur 25 Prozent und einer Geschwindigkeit von 64 km/h gegen eine starre Barriere. Dadurch soll die Kollision der vorderen Ecke mit einem anderen Auto, einem Baum oder einem Mast simuliert werden. Dabei wird ein deutlich geringerer Teil der Aufprallenergie von der Sicherheitszelle und dem Antriebsstrang aufgefangen, die Karosserieverformungen fallen entsprechend stärker aus. Bei den bisher üblichen Testverfahren, wie sie etwa auch die europäische Prüforganisation EuroNCAP durchführt, prallt das Fahrzeug mit einer deutlich stärkeren Überlappung von 40 Prozent auf ein deformierbares Hindernis.

Testsieger Volvo S60
Am besten schnitt in dem neuen IIHS-Crashtest der Volvo S60 ab. Die Fahrgastzelle wurde hier nur unwesentlich stärker beeinträchtigt als bei der bisherigen Testmethode. Die Schweden führen laut IIHS vergleichbare Crashtests bereits seit den 1980er-Jahren durch. Beim Lexus IS, der wie A4 und C-Klasse die schlechteste der vier möglichen Noten bekam, drang das Hindernis etwa zehnmal so stark ins Fahrzeug wie beim S60. Viele der getesteten Autos wiesen eine stark deformierte Fahrgastzelle auf und die Barriere drang weit ins Fahrzeuginnere vor, was jeweils zu schlechten Gesamtbewertungen beitrug. Beim VW CC wurde die Fahrertür komplett aus den Angeln gerissen. Beim Audi A4 ging die Tür auf, blieb aber immerhin am Fahrzeug. In der Mercedes C-Klasse wurde der rechte Fuß des Dummys eingeklemmt und beim Lincoln MKZ wurde die Lenksäule so weit zur Seite geschoben, dass der Kopf des Dummies nicht mehr auf den Frontairbag traf.

,Geringere Überlappung wurde bisher ausgeblendet"
Adrian Lund, Präsident der amerikanischen Prüforganisation IIHS, begründet die neue Crashtestvariante damit, dass das Problem eines Zusammenstoßes mit geringerer Überlappung bisher ausgeblendet worden sei. ,Doch es gibt in den USA jährlich über 10.000 Verkehrstote durch Unfälle mit einem Frontalzusammenprall. Kollisionen mit geringer Überlappung machen einen Großteil davon aus", so Lund.

Mercedes hält Test für nicht realitätsnah
Mercedes ist die vorliegende Testkonfiguration aus dem realen Unfallgeschehen zwar bekannt. Kollisionen dieser Art ereigneten sich jedoch selten, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Zudem halten die Stuttgarter die neue Testmethode für nicht realitätsnah: ,Im dem Fall, dass zwei Fahrzeuge frontal mit dieser geringen Überdeckung zusammentreffen, zeigt sich ein völlig anderer Verformungsablauf. Zu Deformationen, wie sie der IIHS aufzeigt, kommt es nur bei einer Kollision mit einer unnachgiebigen Struktur", lässt Mercedes verlautbaren.

Audi will Testergebnisse künftig berücksichtigen
Konkurrent Audi hingegen sieht in dem neuen Crashtest durchaus ein realistisches Unfallszenario. In Europa allerdings führen Kollisionen mit schmaler Überdeckung laut Firmensprecher Christian Bangemann lediglich in rund vier Prozent der Fälle zu schwereren Verletzungen. In den USA seien es hingegen neun Prozent, weshalb das Thema dort eine größere Rolle spiele. Für die Entwicklung künftiger Modelle will das Ingolstädter Unternehmen die jüngsten Testergebnisse berücksichtigen und entsprechende Verbesserungen vornehmen. Denn dass mögliche Sicherheitsmängel vor allem auf dem wichtigen US-Markt massive Auswirkungen auf den Absatz haben können, hat die Marke mit den vier Ringen in der Vergangenheit bereits leidvoll erfahren. In den 1980er-Jahren gab es mehrere Todesfälle mit den Automatikversionen des Audi 5000 (entsprach den Modellen 100/200). Zwar stellte sich heraus, dass es sich um Bedienungs- und keine Konstruktionsfehler handelte, doch von dem Imageschaden hat sich Audi in Nordamerika erst nach vielen Jahren langsam erholt.

Gallery: Versager beim Crash