Diskussionen um Spritpreise und Bioethanol

Ungebremster Höhenflug: Die Spritpreise markieren derzeit Höchststände. Diesel hat mit 1,540 Euro je Liter ein Allzeithoch erreicht, so der Automobilclub ADAC. Super E10 kostet derzeit im bundesweiten Schnitt 1,692 Euro pro Liter. Im Vergleich zur Vorwoche wurden die Spritsorten damit etwa drei bis vier Cent teurer. Laut ADAC ist der Anstieg weder durch teures Rohöl noch die Euroschwäche begründbar. Ganz unschuldig sind die Ölpreise aber wohl nicht, denn für Nordseeöl der Sorte Brent werden derzeit 91,53 Euro verlangt, was fast dem Höchststand vom Jahr 2008 entspricht. Die Spritpreis-Keule trifft dabei alle Deutschen etwa gleich stark, denn die regionalen Preisunterschiede sind gering. Zwischen der billigsten und der teuersten Stadt in Deutschland liegen nur etwa zwei Cent Abstand, so der ADAC.

Dudenhöffer: Sprit bleibt weiter teuer
Und die Preisspirale beim Benzin wird sich weiter drehen, glaubt Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. ,Der langfristige Trend ist klar: Treibstoff, Benzin und Diesel, wird teurer", sagte Dudenhöffer in einem Interview mit dem Fernsehsender Phoenix. Abhilfe sieht er darin, mehr auf Elektrofahrzeuge, Hybride oder Erdgasfahrzeuge zu setzen. "Aber das wird bei uns heute links liegen gelassen", bemängelte Dudenhöffer. Sein Favorit ist Erdgas. Mit diesem Kraftstoff fährt man in der Tat günstig. Beim derzeitigen Durchschnittspreis von 1,046 Euro pro Kilo kosten 100 Kilometer Fahrstrecke mit einem VW Touran 1.4 TSI EcoFuel mit 150 PS weniger als fünf Euro. Dagegen sind es bei einem Diesel-Touran mit 140 PS rund 7,40 Euro.

E10: Wieder in der Diskussion
Auch zu dem anderen Spritpreisthema, das derzeit in den Schlagzeilen ist, äußerte sich Dudenhöffer: Er sprach sich dafür aus, den Kraftstoff E10 beizubehalten. ,E10 ist wichtig. Mit E10 hat man es geschafft, die Vorschriften von der EU für CO2 zu erreichen." E10, also Superkraftstoff mit einer Beimengung von bis zu zehn Prozent Ethanol aus pflanzlichen Quellen, wurde in Deutschland im Jahr 2011 eingeführt. Im Biokraftstoffquotengesetz wurde die Mineralölwirtschaft verpflichtet, einen jährlich wachsenden Mindestanteil an Biokraftstoffen zu verkaufen.

Zusammenhang zwischen E10 und Hunger?
Die neue E10-Diskussion hatte am Montag Bundesentwicklungshilfe-Minister Dirk Niebel (FDP) ausgelöst. Er forderte, den Verkauf des Biosprits einzustellen. Bezug nehmend auf Hungerkatastrophen und die derzeit hohen Agrargüterpreise meinte Niebel: ,In der augenblicklichen Situation müssen wir alles tun, um die Märkte zu beruhigen und die Preisentwicklung wieder auf einen akzeptablen Pfad zurückzubringen. Für uns heißt das: Wir müssen die von Schwarz-Rot beschlossene Beimischungspflicht und damit E10 neu überdenken. Bis das geschehen ist, müssen wir E10 sofort aussetzen." Niebel erhielt ungewohnte Unterstützung von den Grünen. ,Wir waren immer gegen E10", behauptete Renate Künast nach einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Montag.

Wer ist schuld am Hunger?
Auf scharfe Kritik stießen die Äußerungen Niebels bei Bauernvertretern. Nur sechs Prozent der weltweiten Getreideernte würde für die Spritproduktion genutzt, so der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz, Norbert Schindler. Für Hungerkatastrophen seien nicht die Getreidepreise, sondern in der Regel Bürgerkriege, Korruption und Spekulanten verantwortlich.

Spritpreise und E10