Neue Buchstabenkombinationen auf Kfz-Kennzeichen

M steht für München, B für Berlin und L für Leipzig: Bei den Ortskennbuchstaben auf bundesdeutschen Kennzeichen gab es bisher eine recht strenge Ordnung. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) möchte das nun ändern. Er will alte, ausgelaufene Buchstabenkombinationen wiederbeleben, um die Identifikation der Bürger mit ihrer Region zu stärken.

Auslaufende Buchstabenkombinationen
Bisher war die Regel klar: Ein Verwaltungsbezirk – eine Buchstabenkombination. Aufgrund von Gebietsreformen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten allerdings oft der Zuschnitt und der Name der Verwaltungsbezirke geändert, und damit auch die Kennung auf den Nummernschildern. Das betrifft beispielsweise AIB für Bad Aibling in Oberbayern, das durch das Kennzeichen RO für Rosenheim ersetzt wurde, oder AZE für Anhalt-Zerbst in Sachsen-Anhalt, was gegen ABI (Anhalt-Bitterfeld) ausgetauscht wurde. Der alte Buchstabencode darf in solchen Fällen zwar am Auto bleiben, wird aber keinem neuen Fahrzeug mehr zugeteilt.

Bundesrat soll im September entscheiden
Nun soll sich das ändern: Ramsauer wurde nach eigenen Angaben von der Konferenz der Länder-Verkehrsminister gebeten, die Wiedereinführung auslaufender Kennungen zu ermöglichen. Ramsauer legte dem Bundesrat eine entsprechende Verordnung vor, der sich nach der Sommerpause damit befassen wird. Ob und welche alten Buchstabenkombinationen zugeteilt werden, sollen nach der Verordnung die Länder bestimmen. Danach müssten die wiederbelebten Kennzeichen aber vom Bundesverkehrsminister genehmigt werden.

Klamauk-Politik oder Lokalpatriotismus?
Der Vorstoß fand ein geteiltes Echo. Der Kreis Unna im Ruhrgebiet etwa hat sich für eine Einführung von Altkennzeichen ausgesprochen, so ein Bericht der Westfälischen Rundschau vom Montag. Die Einwohner von Lünen im Kreis Unna könnten so ihr altes Kennzeichen LÜN zurückerhalten. Kritiker merken an, dass die Arbeit der Polizei etwa bei der Identifikation von Unfallflüchtigen erschwert werden könnte. Die Deutsche Polizeigewerkschaft hat die geplante Kennzeichenvergabe-Richtlinie gar als ,Klamauk-Politik" bezeichnet. In einem Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt: ,Wer Lokalpatriotismus zu seinem Kuhdorf zeigen will, soll das über einen Aufkleber am Kofferraum tun." Wendt erwartet auch einen höheren bürokratischen Aufwand der Behörden, so der undatierte Bericht auf der Onlineseite der Zeitung. Nicht ganz so ernst scheint Niedersachsens Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) die Sache zu nehmen: ,Das Autokennzeichen-Raten wird immer schwerer. Wir kommen damit in das nächste Level."

Kennzeichen-Diskussion