TÜV gibt Tipps zum Kauf von jungen Gebrauchtwagen

Wer sich keinen Neuwagen leisten will, für den ist ein junger Gebrauchter eine Alternative. Dieser ist fast neuwertig und daher noch mit einem Neuwagen zu vergleichen. Das Angebot an Fahrzeugen aus zweiter Hand ist groß. Allein von Anfang bis November 2011 haben laut Technischem Überwachungsverein (TÜV) knapp 6,3 Millionen Gebrauchtwagen den Besitzer gewechselt. Das ist eine Steigerung um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beliebt sind bei Interessenten besonders Jahres- oder Vorführwagen sowie Rückläufer von Autovermietern und Firmenflotten. Welches Angebot ist für den Privatkäufer aber am besten? Worauf soll man achten und welche Extras sollten verbaut sein, damit auch der Wiederverkauf erfolgreich klappt? Der TÜV Süd gibt dazu einige Tipps.

Junge Gebrauchte interessant
Wer aufgrund des großen Gebrauchtangebots auf sinkende Preise hofft, den muss der TÜV enttäuschen. ,Die Preise sind stabil, weil die meisten Händler einen vernünftigen Gebrauchtwagenbestand haben und deshalb nicht auf Rabattschlachten angewiesen sind, um Bewegung auf den Hof zu bringen. Gerade bei den jungen Gebrauchten bieten sie jedoch teilweise interessante Angebote", erklärt TÜV-Süd-Gebrauchtwagenexperte Andreas Halupczok. Um die beste Offerte zu ermitteln, sieht er verschiedene Vorgehensweisen. So rät Halupczok denen, die auf eine bestimmte Marke fixiert sind und für die ein Autokauf Vertrauenssache ist, einen Händler vor Ort aufzusuchen. Wem die Marke egal sei und wer bereit ist, mehrere hundert Kilometer fürs neue Auto zu fahren, für den sei das Internet die erste Wahl.

Bei Ex-Mietwagen Verschleißteile prüfen
Der Markt bietet verschiedene Möglichkeiten, an einen jungen Gebrauchten zu kommen. Es gibt Jahres- oder Vorführwagen oder Leasing-Rückläufer von Autovermieter. Letztere können bis zu 40 Prozent günstiger als Neuwagen sein, so der TÜV. Sie hätten dann allerdings mit 20.000 Kilometer schon eine zwischen zehn- und fünfzehntausend Kilometer höhere Laufleistung als Vorführwagen. Beispielsweise seien Jahres- und Vorführmodelle eines Mercedes E 250 CDI T-Modell von 2011, welchen es neu je nach Ausstattung für rund 60.000 Euro gibt, mit einer Laufleistung von 10.000 Kilometer für zirka 50.000 Euro zu bekommen. Ein Pendant vom Autoverleiher mit 30.000 Kilometern käme dagegen auf rund 40.000 Euro. Laut TÜV drücken vor allem die Vorbehalte gegen Mietautos den Preis. Diese Vorbehalte wegen einer vermeintlich höheren Beanspruchung teilt der TÜV nicht. Man solle jedoch vor einem Kauf die Verschleißteile unter die Lupe nehmen. Andreas Halupczok gibt Interessenten noch den Hinweis mit auf den Weg, dass Leih- oder Mietfahrzeuge als solche im Kaufvertrag benannt sein müssen, was zu Abschlägen beim Wiederverkaufswert führen kann.

Welche Ausstattung?
Wer sich im Bereich der oberen Mittelklasse umsieht, bemerkt, dass die meisten Fahrzeuge immer bestimmte Ausstattungsmerkmale beinhalten. Im Hinblick auf einen guten Wiederverkaufswert empfiehlt der TÜV Süd besonders denen auf eine bestimmte Ausstattung zu achten, die ihr Auto spätestens alle drei Jahre wechseln. Bei typischen Dienstwagenmodellen wie BMW 5er, Mercedes E-Klasse und Audi A6 sollten dann beispielsweise Dinge wie Schiebedach, Navigation, Ledersitze, Einparkhilfe, Start-Stopp-Automatik, Sitzheizung und Xenon-Licht an Bord sein. Wer sein Fahrzeug dagegen zehn Jahre behalten wolle und auf verschiedene Annehmlichkeiten verzichten könne, der sei mit schlechter ausgestatteten aber dafür günstigeren Gebrauchten gut beraten.

Welche Karosserieform?
Ein weiterer Aspekt ist die Karosserieform. Kombis stehen laut TÜV höher im Kurs als Limousinen. Kleinwagen mit fünf Türen verkauften sich besser als Dreitürer. Gerade bei den Kleinen solle man auf Merkmale wie Reifengröße, Auspuff und Elektronik achten. Vor Autos, an denen herumgebastelt wurde, warnt der Technische Überwachungsverein. Bei Sportwagen könne indes Markentuning den Wiederverkaufswert steigern. Wer per Internet nach einem Gebrauchten suche, solle einfach mit den verschiedenen Ausstattungen experimentieren, um einen Überblick über das typenspezifische ,Muss" zu bekommen.

Im Internet kritisch sein
Bei der Autosuche per Internet rät der TÜV, vorsichtig zu sein. Das Bild eines perfekten Autos ist schnell online gestellt, die Realität kann aber ganz anders aussehen. Wenn das vermeintlich beste Angebot hunderte Kilometer weit weg ist, gelte es, sich vorab über die Fahrzeughistorie zu informieren. ,Auf jeden Fall auch den Fahrzeugbrief und das Service-Heft faxen lassen, mit Blick auf die Laufleistung auch Reparaturrechnungen und Hauptuntersuchungsberichte. So kann man die Angaben gleich überprüfen", betont TÜV-Experte Halupczok. Auch die Frage nach den Vorschäden sollte geklärt werden. Sind keine angegeben, solle man unbedingt die Formulierungen ,unfallfrei" oder ,ohne Vorbeschädigungen durch Unfall oder sonstige Beschädigungen" schriftlich im Vertrag festhalten. Der Hinweis ,ohne erkennbare Unfallschäden" reiche nicht aus. Liegt ein Vorschaden vor, solle man sich unbedingt die Reparaturbelege aushändigen lassen. Diese seien spätestens beim Wiederverkauf ein gefragtes Dokument. Wenn der Anbieter bereits bei den ersten Kontakten ausweiche oder keine Papiere zur Verfügung stellen will, solle man lieber die Finger davon lassen.

Was tun, wenn der Händer nicht handeln will?
Auto probegefahren, begutachtet, alles ist ok: Was geht jetzt noch beim Preis? Will der Händler hier nicht verhandeln, dann solle man nach einer Verlängerung der Händlergarantie, einem Gutschein für den nächsten Service oder – im Falle einer Finanzierung – nach günstigeren Konditionen fragen. Bei diesen Punkten könne der Händler laut TÜV leichter entgegenkommen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich auch bei einer technischen Überwachungseinrichtung wie Dekra, GTÜ oder TÜV fachkundig unterstützen lassen. Beispielsweise bietet der TÜV den ,Auto Privat Check" an. Sträubt sich der Verkäufer: besser auf zum nächsten Angebot.

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