Volkswagen zeigt die siebte Generation des Golf

,Zu den unverwechselbaren Merkmalen des neuen Golf gehören die breiten C-Säulen, die lange Dachline, die typische Fenstergrafik sowie die charakteristische Front- und Heckpartie mit ihren Querelementen. Diese Details machen auch den neuen Golf eigenständiger, wertvoller und langlebiger als das Gros der anderen Kompakten. Man könnte auch sagen: Das Design des Golf ruht in sich selbst," mit diesen Worten beschrieb Klaus Bischoff, Chefdesigner der Marke Volkswagen, den Golf VII anläßlich der Weltpremiere vor internationalen Journalisten in Berlin. Wir waren für Sie dabei.

Staatsgeheimnis Golf
Ein großes Geheimnis hatte Volkswagen aus der Präsentation des neuen Golf gemacht. Ähnlich wie der Computerhersteller Apple und anders als andere Automobilhersteller hatte der Wolfsburger Autobauer vor der heutigen Präsentation der siebten Generation des Golf kein Bild herausgegeben. 14 Tage zuvor gab es für einen kleineren Journalistenkreis zwar eine Präsentation des Innenraums in Wolfsburg mit einer Werksführung, bei der die neuen Leichtbau-Produktionsmethoden für den neuen Kompaktwagen gezeigt wurden (wir berichteten, siehe Link unten). Wie der Golf von außen aussieht, wurde aber sorgfältigst geheim gehalten.

Grundpreis von 16.975 Euro
Erstmals wurde für den neuen Golf auch ein Preis genannt: Das Basismodell kostet in Deutschland mit einem Grundpreis von 16.975 Euro nicht mehr als das Einstiegsmodell des Vorgängers, so Volkswagen.

Mehr Platz im Innenraum
Dass der neue Golf länger, breiter und leichter wird, war allerdings bereits ebenso bekannt wie die Tatsache, dass auch der Radstand wächst und die Vorderachse um 43 Millimeter nach vorne wandert. So war klar, dass der Neue im Innenraum mehr Platz bieten würde, was sich bei einer ersten Sitzprobe auch bestätigte (selbst 1,93-Meter-Männer kommen bei zurückgeschobenem Vordersitz kaum mit den Füßen an die Pedale). Bezüglich des Außendesigns gilt der Satz von Walter da Silva, dem Chefdesigner der Volkswagengruppe: "Der Golf bleibt immer der Golf". Die traditionelle Formensprache aufzugreifen sei wichtiger gewesen, als ein völlig neues Design zu schaffen.

Kotflügel niedriger als Motorhaube
VW-Designer Klaus Bischoff erklärt die Einzelheiten: die Fenstergrafik ist flacher und an der Unterkante der Fenster schießt eine Linie nach vorne in den Kotflügel hinein. Die Hauptlinie, die so genannte Charakterlinie, läuft einmal ganz um das Auto herum. Die Linienführung der C-Säule wurde zwar beibehalten, aber geschärft. Die Radhäuser sind stärker konturiert als bisher. Scheinwerfer und Grill sind miteinander verwoben. Durch die nach vorne gewanderten Vorderräder ist der vordere Überhang kürzer, die Motorhaube erscheint optisch länger. Der Dreitürer sei eine Reminiszenz an den Golf I mit einer fast coupéhaften Anmutung. Und während beim sechsten Golf die Kotflügel höher waren als die Motorhaube, ist es nun umgekehrt. Das Kofferraumvolumen wuchs um 30 Liter. Die Ladekante konnte auf 66,5 Zentimeter gesenkt werden, das sei der beste Wert im gesamten Segment.

Bis zu 100 Kilogramm leichter
Dr. Ulrich Hackenberg, Vorstand Entwicklung der Marke Volkswagen, erläuterte, dass die Arbeit am Golf VII im Jahr 2008 begann. Die Wertigkeit sollte gesteigert werden, Gewicht und Fahrwiderstände sollten reduziert werden, Sicherheit und Komfort sollten erhöht werden. Hackenberg stolz: "Jedes dieser Ziele haben wir erreicht. Der Golf wird die Konkurrenz auf Distanz halten." Insbesondere sei es VW gelungen, den neuen Golf bis zu 100 Kilogramm leichter zu machen als den Vorgänger und ihn damit auf das Gewichtsniveau des Golf IV von 1997 zu bringen. Und das ohne Verwendung teurer Materialien wie Aluminium oder Magnesium.

Das Beste von Volkswagen
Volkswagen-Chef Dr. Martin Winterkorn erklärte: "Der Golf muss das Beste von Volkswagen verkörpern – Substanz bis ins kleinste Detail. Volkswagen erfüllt dieses Ziel mit einem klassenlosen Auto, von dem bisher immerhin mehr als 29 Millionen Einheiten verkauft wurden." Der Neue solle ein klares, unübersehbares Zeichen für umweltfreundliche Mobilität setzen. Deshalb habe man um jedes Gramm Gewicht gekämpft. Dazu sollen künftig weitere Antriebs-Varianten vom Erdgas-Auto bis zum Plug-in-Hybriden kommen.

3,2 Liter auf 100 Kilometer
Zusammen mit neuen Motoren, Start-Stopp-Systemen sowie einer Senkung des Roll- und Luftwiderstands würde der Verbrauch im Durchschnitt über alle Modelle um 14 Prozent sinken. Der neue 1.4 TSI mit Zylinderabschaltung werde es sogar auf eine Kraftstoffersparnis von bis zu 23 Prozent bringen. Die BlueMotion-Version des Golf werde mit einem Durchschnittsverbrauch von 3,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer glänzen.

Hohe Materialqualität, moderne Assistenten
Der neue Golf bietet im Innenraum vorne und hinten mehr Platz. Die Gestaltung und Ausführung des Armaturenbretts kommt an die Qualität von Premium-Autos heran, so unser Eindruck. Auch die neuen Sicherheitssysteme entstammen der Premium-Klasse: zum Beispiel das proaktive Insassen-Schutzsystem (PreCrash) oder die automatische Distanzkontrolle ACC mit Front Assist und City-Notbremsfunktion. Dazu kommen eine neue Progressiv-Lenkung und eine Multikollisionsbremse.

Immer mit Start-Stopp-System
Bei den Motoren wurde keiner der Antriebe Eins-zu-eins weitergereicht, so Winterkorn. Im Grunde seien zwei neue Motoren-Generationen entwickelt worden. Alle sind mit einem Start-Stopp-System und einem Rekuperationsmodus versehen.

Fünf Fahrprogramme
Erstmals wird für den Golf eine Fahrprofilauswahl angeboten. Vier beziehungsweise in Verbindung mit der adaptiven Fahrwerksregelung DCC fünf Fahrprogramme stehen zur Verfügung: Eco, Sport, Normal, Individual und zusätzlich bei DCC Comfort. Darüber hinaus gibt es bei Fahrzeugen mit Doppelkupplungsgetriebe im Eco-Modus eine Segelfunktion.

Neue Radio-Navigationssysteme
Volkswagen stattet den Golf mit einer neuen Generation von Radio- und Radio-Navigationssystemen aus. Alle Systeme besitzen serienmäßig einen Touchscreen. Die neue Gerätegeneration gibt es in sechs Ausbaustufen und mit drei Displaygrößen von 5, 5,8 und 8 Zoll. Erstmals setzt VW eine Näherungssensorik ein, bei der sich das System vom Anzeige- in einen Bedienmodus ändert, sobald sich ein Finger dem Touchscreen nähert. Beim Top-System "Discover Pro" gibt es unter anderem eine 3D-Kartennavigation und einen 64-Gigabyte-Flashspeicher. Das System kann zusätzlich als WLAN-Hotspot fungieren.

Benziner mit 105 und 140 PS
Als Benziner kommen aufgeladene und direkteinspritzende TSI-Motoren zum Einsatz. Zum Debüt leisten sie 85 beziehungsweise 140 PS. Die Basismotorisierung verbraucht 4,9 Liter Sprit auf 100 Kilometer. Erstmals wird es den Golf zudem mit einer Zylinderabschaltung geben, womit der 140-PS-TSI ausgerüstet ist. Sein Durchschnittsverbrauch beträgt 4,8 Liter auf 100 Kilometer entsprechend 112 g/km CO2. Weitere Motoren kommen dazu, unter anderem eine zirka 220 PS starke Variante für das kommende GTI-Modell.

Sparsame Diesel-Direkteinpritzer
Bei den Dieselmotoren ist ebenfalls alles neu: Die auch hier aufgeladenen Diesel-Direkteinpritzer leisten zunächst 105 und 150 PS. Das Grundmodell verbraucht 3,8 Liter auf 100 km (99 g/km CO2). Der 150-PS-TDI verbraucht 4,1 Liter auf 100 km.

Austattungsbereinigt günstiger
Der neue Golf 1.2 Trendline mit 85 PS kostet 16.975 Euro. Damit liegt der Preis exakt auf dem Niveau des nun abgelösten Einstiegsmodells mit 80 PS, so VW. Dabei sei die Serienausstattung nun erweitert, jetzt sind die Multikollisionsbremse, der Touchscreen, und die Klimaanlage immer Serie. Eines fehlt allerdings: Ein Radio ist im Basispreis nicht inbegriffen.

Unser Eindruck: Gut
Uns gefällt der neue VW Golf. Die Schärfung der Seitenlinie steht ihm ausgezeichnet. Durch den kürzeren vorderen Überhang wirkt der Wagen bulliger. Die Dachlinie verläuft in einem elegant abfallenden Schwung, Front und Heckpartie sind nun markanter gezeichnet. Obwohl der Golf neu ist, wird man ihn im Rückspiegel sofort als Golf erkennen. Besitzer des Vorgänger-Modells können sich freuen, ihr Modell wirkt durch die siebte Golf-Generation nicht gleich vollkommen veraltet. Auswahl und Verarbeitung im Innenraum setzen in dieser Klasse Maßstäbe. Die weiße Hintergrundbeleuchtung der Knöpfe und Schalter und die fein ausgeführten Chrom-Details schaffen einen Premium-Eindruck. Vorne wie hinten haben die Passagiere viel Platz. Sollte sich herausstellen, dass die neuen Motoren tatsächlich so sparsam sind, wie von VW angegeben, dürften für den Kompaktwagen, dessen Name eine ganze Klasse definiert hat, auch in der Zukunft gute Verkaufszahlen zu erwarten sein. VW-Chef Winterkorn ist auf dem besten Wege, seinem Ziel näher zu kommen, mit VW im Jahr 2018 weltweit verkaufsstärkster Automobilhersteller zu werden.

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