Zwölfter Le-Mans-Sieg in 15 Jahren

Kurz vor drei Uhr nachmittags knarzt der Lautsprecher, dann folgt die Anweisung, auf die alle gewartet haben: ,Gentlemen, start your engine". Ein ohrenbetäubendes Dröhnen zerreißt die Luft, dann fliegen die 56 Teilnehmer über die Start-Ziel-Gerade des Circuit des 24 Heures – das 90. 24-Stunden-Rennen von Le Mans hat begonnen.

Freud und Leid
Le Mans, das ist seit Jahren Audi-Terrain und so hat der Ingolstädter Hersteller auch in diesem Jahr wieder geladen, um die drei R18-Rennmaschinen in Aktion und hoffentlich einen weiteren Audi-Triumph zu erleben. Die Hoffnung wird erfüllt, doch die Freude ist getrübt: Wenige Runden nach Rennstart donnert der Fahrer Allan Simonsen nach einem kleinen Fahrfehler mit seinem Aston Martin in die Leitpanke. Was gar nicht so spektakulär aussah, kostete den Dänen das Leben. Simonsen war 34, hinterlässt eine Frau und eine kleine Tochter.

Platz eins, drei und fünf
Einen Tag später sichern sich Loic Duval, Tom Kristensen und Allan McNish im Audi R18 e-tron quattro mit der Startnummer 2 den Sieg. Der aus der zweiten Reihe gestartete R18 mit Marc Gené, Lucas die Grasi und Oliver Jarvis hinter dem Steuer hält die Position und holt Platz drei. Pech für den aussichtsreich von der Pole Position ins Rennen gegangenen dritten Audi im Bunde: Nach einer unverschuldeten Kollision musste die Lichtmaschine ausgetauscht werden. Das kostete das Fahrerteam Marcel Fässler, Benoît Tréluyer und André Lotterer die Siegchancen. Nach zwölf Runden in der Box kam die Startnummer 1 auf Position 24 zurück ins Rennen und landet am Ende auf dem fünften Rang.


Zwölf Siege in 15 Jahren
Der Sieg beim neunzigsten 24-Stunden-Rennen ist der zwölfte für Audi innerhalb von 15 Jahren. Beim Debüt der Marke mit den Ringen im Jahr 1999 gewann der bayerische Konkurrent BMW, damals mit Joachim Winkelhoeck am Steuer, 2003 stand die Konzernschwester Bentley ganz oben auf dem Siegerpodest. Der EXP Speed 8GT jedoch angetrieben von einem bei Audi Sport entwickelten V8-Biturbo-Motor und unterstützt vom Audi-Partner Joest Racing. Zudem saß am Steuer des siegreichen Bentley kein geringerer als der diesjährige Gewinner Tom Kristensen. 2009 schließlich unterbrach unter anderem Alexander Wurz die Siegesserie der Ingolstädter und raste im Peugeot 908 HDi FAP ganz oben aufs Podest.

Vorsprung ausgebaut
Die Bilanz von Tom Kristensen ist beeindruckend. Bei 17 Starts stand er 13 Mal auf dem Podium, viermal kam sein Auto nicht ins Ziel. Somit war der Däne im Falle einer Zielankunft nie schlechter als Dritter. 2005 überholte Kristensen mit seinem siebten Sieg den sechsmaligen Gewinner Jacky Ickx aus Belgien in der ewigen Bestenliste, mit seinem neunten Sieg beim diesjährigen Rennen baute er seinen Vorsprung weiter aus. Aus dem Kreis der aktiven Le-Mans-Piloten ist sein nächster Verfolger Teamkollege Allan McNish mit drei Siegen. Kleines Rechenexempel gefällig? Statistisch gesehen kann der Rekord frühstens 2020 überboten werden – dazu müsste McNish allerdings bis zu seinem 50. Lebensjahr aktiv bleiben, ab sofort in jedem Jahr gewinnen und dürfte nicht mehr im gleichen Team wie Kristensen fahren ...

Das Rennen in Zahlen
56 Fahrzeuge starteten in diesem Jahr beim Langstrecken-Klassiker, 41 der Fahrer waren zum ersten Mal mit von der Partie. Zwölf Mal übernahm das Safety Car das Kommando und war dabei insgesamt fünf Stunden und 27 Minuten auf der Strecke. Zum Vergleich: 2012 waren es gerade einmal 2:22 Safety-Car-Stunden. Diese Unterbrechungen zusammen mit dem unsteten Wetter waren die entscheidenden Faktoren dafür, dass die Sieger in diesem Jahr nur 348 Runden weit kamen (2012 waren es 378). Dies entspricht einer Distanz von 4743 Kilometer und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 197,5 km/h.


Audi-Strategie
,Eine Strategie ist nur solange eine Strategie, solange man nicht darüber redet", sagt Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich in einem kleinen Räumchen direkt über den Audi-Boxen und fängt dann doch an zu erzählen. Da Diesel der effizientere Kraftstoff ist, schreibt das Reglement vor, dass Dieseltanks maximal 58 Liter fassen dürfen, Benzintanks dagegen bis zu 76 Liter. Auf das gesamte Rennen gesehen, bedeutet dies, dass Audi drei bis vier Boxenstopps mehr absolvieren muss als der stärkste Konkurrent, Toyota. Um diesen Nachteil auszugleichen, müssen die Ingolstädter Rennmaschinen mindestens eine halbe Sekunde schneller fahren als die Rivalen aus Fernost – pro Runde. Am Ende kam der Sieger-R18 34 Mal in die Box und konnte dabei theoretisch 1.972 Liter Diesel tanken. Der zweitplatzierte Toyota brauchte wie erwartet nur 30 Boxenstopps, hatte aber theoretische 2.280 Liter Ottokraftstoff zur Verfügung.

2014
Die Taktik ist aufgegangen, zu den bisher 27 Audi-Podestplätzen kamen zwei weitere hinzu. Spannend wird es im nächsten Jahr. Da kehrt zum einen Porsche nach Le Mans zurück und will den Dominator Audi herausfordern, zum anderen gilt es, drastische Reglement-Änderungen umzusetzen. Statt leistungsbegrenzender Eingriffe werden über einen energiebasierten Ansatz nun effiziente Rennwagen gefördert. Eine Herausforderung vor allem für die Ingenieure.

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