Vor 60 Jahren ging der erste schwedische Kult-Kombi an den Start

Weltweit sind die Kombis von Volvo bekannt und beliebt. Verschmitzt macht man sich über ein paar Klischees der skandinavischen Mobile lustig. Vor allem Lehrer und andere rollkragenpullovertragende Akademiker, so lästert der Volksmund, würden die ,Schwedenpanzer" wegen ihrer guten Sicherheitsaspekte lieben. Und wie aus vielen TV-Serien und US-Filmen bekannt, mögen die amerikanischen Hausfrauen die geräumigen Volvos aus dem gleichen Grund ebenso gern.

Duett: Zwei Fahrzeuge in einem
Die Kombi-Geschichte bei Volvo begann vor 60 Jahren mit einem Duett, dem PV544 Duett nämlich. Der Name stand für ,zwei Fahrzeuge in einem". Er sah von vorn aus wie der ,Buckel-Volvo" PV444 und teilte sich mit diesem auch die Antriebstechnik. Anders als bei der Limousine war die Karosserie des Duett aber nicht selbsttragend, sondern stand auf einem robusten Rahmen, der hohe Nutzlasten vertrug. Blattfedern an der Hinterachse und das voluminöse Kastenheck erinnern an Kleintransporter.

Fahrgestelle waren übrig
Es war ein Überschuss an Fahrgestellen, der zur Entwicklung des Duett führte. Seit 1949 lieferte Volvo diese Chassis an unabhängige Karosseriebauer in Schweden und Amerika als Basis für Cabriolets, Lieferwagen, Transporter und Pick-ups vom Typ Volvo PV445. Im Frühjahr 1952 hatten sich 1.500 dieser Fahrgestelle inklusive Antriebstechnik angesammelt. Assar Gabrielsson, einer der beiden Gründer von Volvo, wollte die Lagerbestände loswerden. ,Wir müssen einfach unseren eigenen Transporter bauen", legte er fest und gab seinem Entwicklungsteam dafür ein Jahr Zeit. Am 4. Juli 1953 feierte der Duett mit der Übergabe des ersten Fahrzeugs an Gabrielsson Premiere, im Herbst 1953 lief die Serienproduktion an.

Bis zu sieben Sitzplätze
Lieferbar war der große Volvo in drei Varianten: Als Kastenwagen ohne Seitenfenster hinten, als Lieferwagen mit einfacher Rückbank und Seitenscheiben sowie als siebensitziger Kombi mit zwei umklappbaren Rücksitzreihen und voll verglastem Fond. Eine gute Geräuschdämmung erzielte Volvo durch die Holzverkleidung des Gepäckraums, zusätzliche Holzleisten sollten das Verkratzen des Laderaumbodens verhindern. Zu Beginn diente ein 44 PS starker Vierzylinder-Ottomotor als Antrieb, später kamen Motoren mit 51 und 68 PS zum Einsatz.

Lange Wartezeiten
Die Nachfrage nach dem praktischen Auto stieg so unerwartet schnell, dass der Hersteller mit der Produktion nicht hinterher kam und die Wartezeiten lang wurden. Zeitweise sollen junge Gebrauchte sogar teurer gewesen sein als Neuwagen. Selbst in Nordamerika begeisterten sich Familien für den Kombi, und das trotz seiner für damalige US-Verhältnisse fast lächerlichen 4,40 Meter Länge. Vor allem seine Langlebigkeit und die wegweisende Sicherheitstechnik der Volvo Limousine PV444 verhalfen dem Duett zu seinem guten Ruf.

Transporter der Telefongesellschaft
Im Jahr 1960 bekam der Duett die ungeteilte Windschutzscheibe des Volvo PV544 und wurde in Volvo P210 umbenannt. Weder die Vorstellung des Volvo Amazon Kombi im Jahr 1962 noch die Präsentation des Kombis Volvo 145 im Jahr 1967 führten zur Einstellung des Duett, im Gegenteil: Als orange lackierter Transporter für ein schwedisches Telekommunikationsunternehmen lebte er ebenso weiter wie als populäres Campingfahrzeug. In den Ruhestand geschickt wurde der Volvo Duett nach 101.942 Exemplaren am 19. Februar 1969.

Duett mit eigener Briefmarke
Bei Volvo ging die Geschichte erfolgreich weiter. Heute bezeichnet der Hersteller die Kombi-Ausführungen mit einem ,V" für ,Versatility" (Vielseitigkeit) im Namen, so wie bei den aktuellen Ausführungen V70 und V60. Das jüngste ,V"-Modell ist der V40, der im Jahr 2012 die Limousine S40 und den V50 ablöste. Streng genommen ist der V40 aber kein Kombi, sondern eine fünftürige Schräghecklimousine. Ob ihm genauso viel Ruhm beschieden wird wie dem Duett, dem im Jahr 1997 eine eigene Briefmarke von der schwedischen Post gewidmet wurde?

Bildergalerie: 60 Jahre Volvo Duett