Das Ein-Liter-Auto wird in Serie gehen

VW macht ernst mit dem Ein-Liter-Auto: Der XL1, der mit 0,9 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer auskommen soll, stand bereits Anfang 2011 auf der Qatar Motor Show. Neue Erlkönigbilder zeigen nun, dass der Supersparer kurz vor der Serienreife steht.

Schnittig durch den Wind
Konzeptionell verbirgt sich hinter dem XL1 die dritte Evolutionsstufe der Ein-Liter-Auto-Strategie von Volkswagen. Der heutige VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch hatte Anfang des 21. Jahrhunderts das Ziel formuliert, ein vollwertiges, alltagstaugliches Auto mit einem Verbrauch von einem Liter zur Serienreife zu bringen. Hintergrund: Damit könnten die Wolfsburger ihren Flottenverbrauch deutlich senken und die zukünftig verschärften EU-Grenzwerte für den CO2-Ausstoß leichter erreichen. Für den XL1 scheut VW keinen Aufwand, darunter eine extrem aerodynamische Leichtbaukarosserie mit Monocoque und Anbauteilen aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK). Der Cw-Wert beträgt nur 0,186. Optisch orientiert sich die Serienversion des XL1 stark an dem in Katar gezeigten Fahrzeug. So gibt es kein Heckfenster, ein Kamerasystem – wie es jüngst Audi zeigte – ersetzt den Innenspiegel. Kameras übernehmen auch die Funktion der Außenspiegel. Durch ihren Verzicht soll der XL1 dem Wind kaum Angriffsfläche bieten, weshalb bei der Serienausführung die Hinterräder abgedeckt werden. Apropos Räder: Sie werden ungewohnt schmal sein, um den Rollwiderstand zu minimieren. Insgesamt wird der zweisitzige XL1 die klassischen Sehgewohnheiten auf die Probe stellen.

Diesel und Elektro
Der Antrieb besteht aus einem Zweizylinder-TDI mit 48 PS, einem Elektromotor mit 20 Kilowatt (27 PS), einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und einer Lithium-Ionen-Batterie. So soll der XL1 mit 0,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer auskommen und nur 24 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren. Da als Plug-in-Hybrid konzipiert, kann der XL1 zudem über eine Distanz von bis zu 35 Kilometer rein elektrisch und damit emissionsfrei gefahren werden. Mit einer Tankfüllung von zehn Liter und einem 90 Minuten lang geladenen Lithium-Ionen-Akku soll das Fahrzeug eine Reichweite von 550 Kilometer erreichen, wovon wie bereits erwähnt 35 Kilometer elektrisch zurückgelegt werden. Damit wären aber die ab Werk angegebenen 0,9 Liter nicht haltbar, wie das Online-Lexikon Wikipedia errechnet hat. Vielmehr entspräche dies einem Verbrauch von 1,82 Liter bei vollem und 1,94 Liter bei entladenem Akku. Aufgeladen wird die Batterie an herkömmlichen Stromanschlüssen. Via Bremsenergierückgewinnung lädt sich der Akku zudem beim Bremsen auf – der Elektromotor fungiert in diesem Fall als Generator.

Ein Fall für zwei
Im XL1 können zwei Passagiere nun wie gewohnt nebeneinander Platz nehmen. Ob Flügeltüren erleichtern das Ein- und Aussteigen. Erstmals gibt es auch einen Blick in das Cockpit, welches sich funktional-reduziert gibt. Bei der Herstellung der kohlefaserverstärkten Kunststoffteile soll es VW gelungen sein, die Fertigungskosten nochmals deutlich zu reduzieren – für eine mögliche Kleinserie des XL1 ein unschätzbarer Pluspunkt. Hintergrund: Gemeinsam mit Zulieferern wurde ein neues System zur CFK-Herstellung im so genannten aRTM-Verfahren (advanced Resin Transfer Moulding / Harz-Injektionsverfahren) entwickelt und patentiert. Auf der IAA im Herbst 2013 wird der Serien-XL1 gezeigt, zum Händler kommt er Anfang 2014. Ein Schnäppchen ist er dann wie die konzeptionell ähnlichen i-Modelle von BMW nicht. Zu rechnen ist mit zirka 50.000 Euro.

Erwischt: VW XL1