Sportwagenmarken verlassen die Straßen

Als Porsche sein SUV auf den Markt brachte, war das Stöhnen groß: Die Sportwagenmarke wildere auf fremdem Gebiet, hieß es, Porsche verwässere seine Identität. Doch der Cayenne wurde ein Erfolg, und dem Markenimage hat er auch nicht geschadet. Andere Sportwagenmarken gehen nun ebenfalls ins Gelände: Aston Martin arbeitet angeblich an einem SUV, Lamborghini hat im Jahr 2012 den Urus als ,sehr konkrete Idee für die Zukunft" angekündigt, und Bentley stellte auf dem Genfer Autosalon im März 2012 die SUV-Studie EXP 9 F vor. Letztere soll Wirklichkeit werden: In Anwesenheit des britischen Premiers David Cameron sowie von VW-Chef Martin Winterkorn wurde die Entwicklung eines Luxus-SUV angekündigt.

Plattformstrategie nun auch im Luxussegment?
Das neue Fahrzeug wird am Stammsitz von Bentley Motors im englischen Crewe produziert und im Jahr 2016 auf den Markt kommen. Das noch namenlose Modell wird die vierte Modellreihe der Marke darstellen – neben Continental GT/GTC, Flying Spur und Mulsanne. Angesichts der Parallelen zu Porsche Cayenne und Lamborghini Urus wird spannend sein, wie viel Bentley in dem Auto stecken wird. Der aktuelle Cayenne ist seit 2010 auf dem Markt, könnte also 2018 einen Nachfolger bekommen. Der wird dann eventuell auf die gleiche Basis gestellt wie der Lamborghini Urus und das Bentley-SUV.

W12, V8 und Plug-in-Hybrid?
In Bezug auf Motoren dürfte die Reise langfristig in Richtung Vereinheitlichung gehen. In der Studie wurde noch eine 610 PS starke Version des Twinturbo-W12 eingesetzt. Der Motor verbraucht zwar massig Sprit, könnte aber für Kunden aus den arabischen Ländern, aus Russland oder China genau richtig sein. Deutlich sparsamer ist der noch recht neue 4,0-Liter-Biturbo mit 507 PS und Zylinderabschaltung aus dem Continental GT. Das im Mulsanne eingesetzte 6,7-Liter-Biturbo-Monster mit ,nur" 512 PS, ist mit über 1.000 Newtonmeter Drehmoment zwar stark, aber auch durstig. Unter dem Gesichtspunkt der Vereinheitlichung wäre der V8 aus dem Cayenne eine Option, ein 4,8-Liter-Motor mit 400 bis 550 PS, teils mit Biturbo-Aufladung. V6-Motoren dürfte es zumindest im ersten Schritt kaum geben, genauso wenig wie einen Diesel – sonst würden Bentley-Puristen wohl aufschreien. Auf jeden Fall will Bentley mehrere Antriebe anbieten, darunter auch ein Plug-in-Hybridsystem. Dies stellte Bentley-Pressesprecher Tom Housley auf unsere Nachfrage hin klar. Die Technik wird wohl aus dem Konzern kommen.

Mit permanentem Allradantrieb aus dem Cayenne?
Einen weiteren Ansatzpunkt für die Vereinheitlichung bietet das Allradsystem. Im derzeitigen Cayenne ist es bereits versionsabhängig: Cayenne Diesel und Cayenne S Hybrid haben einen permanenten Allradantrieb mit selbstsperrendem Torsen-Mittendifferenzial – das ist eine echte Geländelösung. Dagegen besitzen die übrigen Modelle einen aktiven Allradantrieb mit elektronisch geregelter Lamellenkupplung, ein System, das sich mit geringerer Offroad-Fähigkeit aber großer Spreizung der Drehmomentverteilung eher für die Straße eignet. Dieses flexible Porsche Traction Management (PTM) könnte leicht an die unterschiedlichen Marken angepasst werden. Zu vermuten ist, dass sowohl Lambo als auch Bentley eher zur Lamellenkupplung tendieren werden.

Leistungsstark, exklusiv und erfolgreich
Wie stark die Vereinheitlichung beim neuen Bentley-SUV auch sein mag, Martin Winterkorn will ihn eigenständig haben: ,Auf der ganzen Welt warten Freunde der Marke gespannt auf das erste SUV von Bentley. Gemeinsam werden wir dieses neue Modell zu einem echten Bentley machen – leistungsstark, exklusiv und erfolgreich." Gut muss er auch werden, denn die Konkurrenten sind zahlreich. Zu Range Rover und Cayenne sollen weitere kommen. So wird über einen Audi Q8 spekuliert, und sogar über ein SUV von Rolls-Royce.

Bentley-SUV kommt