BMW Group zeigt Vorboten des Mini-Zweitürers, der im März 2014 kommt

Hier findet sich also der BMW-Vorstand ein, um Entscheidungen über neue Modelle zu fällen. Drei Drehscheiben sind in den Boden der Halle eingelassen – zwischen drei Entwürfen kann man sich entscheiden. Ich bin im Präsentationsraum des Design-Centers der BMW Group im Münchener Norden. Nebenan liegt ein lichtdurchfluteter Innenhof, dort werden die künftigen BMWs und Minis aufgestellt, damit man sie im Tageslicht beurteilen kann. Platz für das eine oder andere Konkurrenzmodell ist auch noch. Heute stehen dort aber nur Autos, die schon bestens bekannt sind: die aktuelle Mini-Palette vom Zweitürer, dem ,Hatch" (Kurzform für Hatchback, auf deutsch Schrägheck), über das Cabrio, den Clubman, den Roadster, das Coupé bis zum äußerst erfolgreichen Countryman und seinen Coupéableger Paceman. Ach ja, ein klassischer Mini aus dem Jahr 1959 steht auch noch etwas verloren herum.

Kein echtes Auto, ,nur" eine 3D-Holografie
Doch heute wird hier kein ,richtiges" Auto präsentiert, nicht mal ein Tonmodell im Maßstab 1 zu 1. Nein, Adrian van Hooydonk, Leiter des Designs der BMW Group, erklärt das Mini-Design von den Anfängen im Jahr 1959 bis heute. Wie Sir Alec Issigonis den Ur-Mini entwickelte. Wie ihn John Cooper für die Renn- und Rallyestrecke modifizierte. Wie der puristische Kleinwagen durch berühmte Besitzer wie die Beatles, Twiggy oder Peter Sellers in wenigen Jahren richtig chic wurde. Und vor allem: van Hooydonk lässt uns Journalisten ausnahmsweise einmal in das Mini-Design-Center, das ansonsten wie ein Hochsicherheitstrakt abgeriegelt ist. Das macht er natürlich nicht ohne besonderen Grund: Die nächste Modellgeneration des Mini wirft ihren Schatten voraus. Mit der Studie ,Mini Vision" wird kurz darauf der kommende Mini-Zweitürer in Form einer lebensgroßen 3D-Holografie präsentiert.

Infos scheibchenweise
Wie immer bei wichtigen Modellen, zündet die BMW-Presseabteilung die Produkt-Ankündigung in mehreren Stufen: Doch schon im März 2014 kommt die dritte Mini-Generation unter Federführung von BMW auf den Markt. Die Weltpremiere wird im November 2013 auf der Autoshow in Los Angeles stattfinden (die USA sind mittlerweile der größte Einzelmarkt für den Mini, danach kommt England und dann erst Deutschland). Und jetzt, Ende Juli 2013, gibt es die Studie als 3D-Objekt und davon erstellte Bilder.

Mini Design im Kino erklärt
Anders Warming erklärt das neue Styling des Mini. Seit Dezember 2010 leitet er die Mini-Designabteilung. In einem abgedunkelten Raum, einem kleinen Kino, geht es endlich los: Wuumm, der Vorhang fällt, Wroom, der virtuelle Mini steht vor mir. Die Holografie, nur wenige Meter entfernt, wirkt lebensecht.

Mit dem Grill zurück zu den Wurzeln
Ein bisschen größer als der bisherige Mini wirkt der Neue, imposanter steht er allemal da. Schön: Der große hexagonale Grill führt zu den Wurzeln des klassischen Mini zurück, Stoßfänger und Zusatzleuchten wurden bei der Studie in den Grill integriert. Die Voll-LED-Scheinwerfer sind, na ja, nicht ganz rund, zumindest elyptisch geblieben. Der äußere Ring des Scheinwerfers dient als markantes Tagfahrlicht. Die Motorhaube hat mittig vom Fenster weg verlaufend einen Buckel, der besonders von innen schön anzuschauen sei.

Die magische Dreiteilung
Anders Warming drückt auf einen Taster und der Mini dreht sich wie von Zauberhand in seine Seitenansicht. Es bleibt bei der deutlichen Trennung von Dach, dunklen Glasflächen und Fahrzeugkörper. Die oben am Fahrzeugkörper rund umlaufende Chromleiste, der auffällige Seitenblinker und das ,Black Band", der untere Fahrzeugabschluss, sind stilbildende Elemente auch bei der nächsten Mini-Generation.

Organoblech am Radkasten
Die Radkästen und der untere Abschluss sind aus einem neuen Leichtbaumaterial, Warming nennt es ,Organoblech". Es ist aus verschiedenen Faserstoffen gepresst und sei extrem formbar, aber auch stabil. Die Musterung ist vergleichbar mit der von Textilien. Gewöhnungsbedürftig: Bisher gefielen die Minis mit schnörkellos glatten Seitenblechen. Jetzt ist im unteren Bereich der Türen eine Einbuchtung zu finden. Das gefällt mir am Neuen nicht so gut.

Doppelauspuff in der Mitte
Ein Druck auf den Taster dreht den Mini in die Heckansicht. Hier zeigen sich ausgeprägte Schultern, ein mittiger Doppelauspuff und vielleicht etwas zu große vertikale Rückleuchten mit einem kreisförmigen Innenleben.

Frei schwebende Mittelkonsole
Warming zoomt den Innenraum des Mini hervor. Durch ein transparentes, offenes Cockpit, geschwungene Türen und eine scheinbar frei über dem Boden schwebende Mittelkonsole sowie Lounge-Sitze in Pfeilform soll sich ein großzügiges Raumgefühl einstellen.

Bänder in der Tür
In den Türinnenseiten wurden elastische Textilbänder angebracht. Deren Anordnung erinnert an die Nationalflagge Großbritanniens, den Union Jack. Sie dienen als flexible Halterung für Zeitschriften oder Flaschen. Ein nicht gezeigtes Klicksystem soll das beliebige An- und Abstecken von Fassungen für Smartphones, Ablageboxen, Cupholder oder gar einen kleinen Tresor am Armaturenbrett ermöglichen.

Hilfe, wo ist der Tacho geblieben?
Eine kleine Revolution: Die Geschwindigkeitsanzeige wandert von der zentralen Anzeige in der Mitte, die es schon im Ur-Mini von 1959 gab, hinter das Lenkrad. Das große runde Anzeigefeld bleibt künftig der ,sozialen Kommunikation" vorbehalten, also den Funktionen für Musik, Navigation und natürlich Internet. Das Display hinter dem Lenkrad zeigt die Geschwindigkeit, die Drehzahl und den Tankinhalt an. Das ist eindeutig ein Fortschritt, denn den Blick für das Ablesen der Geschwindigkeit in die Mitte schweifen zu lassen, ist ja auch nicht gerade der Weisheit letzter Schluss.

BMWs iDrive lässt grüßen
Noch eine kleine Revolution: Vor dem Schalthebel ist ein Dreh-/Drückschalter zur Steuerung der Entertainment-Funktionen installiert – das iDrive von BMW lässt freundlich grüßen. Bei der Frage, ob das große Display in der Mitte ein TFT-Bildschirm ist, weicht Adrian von Hooydonk später aus, so richtig will er nicht mit der Sprache raus. Normalerweise sind solche Displays ja auch nicht rund sondern eckig, wie das überhaupt funktionieren könne, frage ich weiter. ,Wir haben eine Lösung gefunden," lächelt der oberste BMW-Designer.

Farbiges Erlebnis: Der Fahrschalter
Weiter mit der Holo-Präsentation von Andreas Warming: Nachdem er virtuell den roten Start-/Stopp-Schalter betätigt, scheint das Auto zu fahren. Jetzt geht es an den Fahrerlebnisschalter. War der Innenraum samt Instrumenten bisher in ein dezentes, kühles Blau getaucht, geht das im Sportmodus in ein energiegeladenes Rotorange über. Je nach Auswahl zeigt das zentrale Informationsdisplay eine klassische Analog-Ansicht oder eine wirkungsvolle 3D-Optik, bei der die Elemente eine neuartige Tiefe erhalten.

Neue Modellvarianten und Dreizylinder-Motoren
Allzu viele Details lässt Mini über die Technik der neuen Modellgeneration noch nicht raus. Nur soviel: eine Variante ,mit leichtem Zugang zum Heck", also ein Viertürer, gilt als sicher. Der jetzige Clubman wird von einer Kombiversion des Viertürers abgelöst. Das Cabrio wird im Laufe des Jahres 2015 ersetzt. Interessant: Beim Mini-SUV Countryman ist es angedacht, dass es seinen Nachfolger auch in einer Version mit BMW-Niere gibt. Wie es bei den Nischenprodukten Roadster und Coupé aussieht, lässt sich noch nicht sagen. Bei den Antrieben der nächsten Mini-Generation heißt es wie so oft: Downsizing. Nur die starken Cooper-S-Varianten werden den Vierzylinder behalten, alle anderen Modelle bekommen undurstige Dreizylinder-Maschinen unter die Haube.

Bildergalerie: So wird der nächste Mini