Ab 1. November 2012 gilt das EU-Reifenlabel

Von Oktober bis Ostern – so besagt es die Faustregel – sollten Autofahrer ihre Pkw mit Winterreifen ausrüsten. Wer neue Gummis benötigt, dem soll die Kaufentscheidung künftig durch das neue EU-Reifenlabel erleichtert werden. ,Das Label bietet dem Verbraucher eine wichtige erste Orientierungshilfe, da er nachvollziehbare und unabhängige Informationen darüber erhält, wie sparsam, sicher und leise ein Reifen ist", sagt Rainer Landwehr, Geschäftsführer von Goodyear Dunlop.

Drei Eigenschaften sind relevant
Die Kennzeichnungspflicht gilt ab 1. November 2012 für alle in der Europäischen Union angebotenen Pkw-, Leichttransporter- und Lkw-Reifen. Als Vorbild dient das von Kühlschränken oder Waschmaschinen bekannte Effizienzlabel. Im Gegensatz zu Haushaltsgeräten berücksichtigt die Reifenkennzeichnung außer der Effizienz – in diesem Fall der Verbrauch – auch Sicherheitsaspekte und die Geräuschentwicklung. Das EU-Reifenlabel soll über drei zentrale Produkteigenschaften informieren: den Rollwiderstand, die Nasshaftung sowie das Außengeräusch beim Abrollen. Das Zapfsäulensymbol kennzeichnet den Rollwiderstand des Reifens. Je niedriger er ausfällt, desto geringer ist der Kraftstoffverbrauch. Möglich sind die Einstufungen A bis G, wobei laut Goodyear Dunlop die Anforderungen für die Bestnote A sehr hoch angesetzt sind. Damit will die EU vermeiden, dass – wie bei Kühlschränken üblich – die Klassifizierungen bis A+++ ausgereizt werden müssen, um für den Verbraucher Unterschiede deutlich zu machen. Auf die Lebensleistung eines Reifensatzes bezogen, soll zwischen A und G ein Einsparpotenzial von bis zu 200 Liter Kraftstoff oder umgerechnet etwa 300 Euro liegen.

Bis zu 18 Meter kürzerer Bremsweg
Das Regenwolkensymbol auf dem Reifenlabel kennzeichnet die Haftung auf nasser Fahrbahn, die ebenfalls mit A bis G bewertet wird. Reifen mit guter Nasshaftung können den Bremsweg deutlich verkürzen und so Unfälle vermeiden helfen. Zwischen einem Reifensatz der Klasse A und der Klasse G kann bei einem Pkw der Golf-Klasse, der auf nasser Fahrbahn mit 80 km/h unterwegs ist, der Bremsweg um bis zu 18 Meter kürzer ausfallen. Schließlich findet sich auf dem neuen EU-Reifenlabel ein symbolisierter Lautsprecher. Er steht für die Geräuschentwicklung, die ein Reifen erzeugt, wenn er auf der Fahrbahnoberfläche abrollt. Diese Geräuschemission wird in Dezibel angegeben und zusätzlich durch ein, zwei oder drei Schallwellen dargestellt. Ein Reifen, der mit drei schwarzen Wellen gekennzeichnet ist, produziert ein vierfach höheres Geräuschniveau als einer mit nur einer schwarzen Welle im Symbol.

Hersteller klassifizieren selbst
Für den Test und die Einstufung jedes Reifentyps und jeder Reifengröße sind die Hersteller selbst verantwortlich. Europaweit gäbe es ohnehin nur drei unabhängige Testorganisationen, die dies bewerkstelligen könnten. Ob die Klassifizierungen auch der Wahrheit entsprechen, sollen in Deutschland künftig die Bundesländer überwachen. Allerdings wird es in der Regel wohl nur seltene Stichproben geben, weil gar nicht ausreichende Ressourcen zur Verfügung stehen. Die Reifenindustrie begrüßt die Einführung des EU-Labels, betont aber, dass es über die Leistungsfähigkleit eines Reifens längst nicht alles sagt. ,Das Reifenlabel deckt nur drei Kriterien ab. Bevor wir einen Reifen neu auf den Markt bringen, analysieren wir jedoch über 50 Leistungskriterien", betont Bernd Löwenhaupt, Entwicklungsdirektor bei Dunlop. Nicht erfasst werden beispielsweise Fahrstabilität, Trockenbremsen, Aquaplaning, Handling oder Komfort.

Keine speziellen Winter-Kriterien
Wer jetzt einen guten Winterreifen sucht, für den ist die EU-Kennzeichnung auch nur eine eingeschränkte Hilfe. ,Schnee-Eigenschaften spielen für das Label keine Rolle. Verbraucher sollten sich deshalb darüber hinaus informieren", rät Klaus Baltruschat vom TÜV Süd. Empfehlenswert sind etwa unabhängige Reifentests. Nach zwei Jahren will die EU-Kommission die Labelverordnung überprüfen. Gegebenenfalls kann sie dann auch weitere Kriterien, beispielsweise für Winterreifen, aufnehmen.

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