Genfer Autosalon 2012: VW-Konzernabend

,Passion and Commitment" – Leidenschaft und Engagement: Das ist das Motto, unter dem Volkswagen mit seinen Marken Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda im Vorfeld des Genfer Autosalons (8. bis 18. März 2012) einen bunten Blumenstrauß an Neuheiten präsentiert hat. Die Leidenschaft soll schönen Autos gewidmet sein, das Engagement den Mitarbeitern und der Umwelt, verkündet VW-Boss Martin Winterkorn. Schöne Autos gibt es in der mal wieder aus allen Nähten platzenden Halle ,Espace Sécheron" in der Tat zu bewundern. Das Engagement für die Umwelt mit sparsamen, emissionsarmen Fahrzeugen wird vor rund 1.300 geladenenen Journalisten allerdings durch zahlreiche PS-protzende Spritschlucker dann noch etwas karikiert.

Neuer A3 und der stärkste Roadster der Welt
Den Anfang im Neuheiten-Reigen macht sicherlich nicht nur aus alphabetischen Gründen der Audi A3. Der Kompaktwagen geht in die dritte Generation und soll auch künftig das volumenstärkste Modell der Ingolstädter bleiben. Der neue A3 ist – heutzutage fast schon überraschend – kaum größer geworden, dafür leichter und – weniger überraschend – sparsamer. Für 2014 kündigt Audi Chef Rupert Stadler erstmals einen A3 Plug-in-Hybrid an. Dann ist auf der Bühne erst einmal Schluss mit dem Umweltgedanken: Bugatti-Chef Wolfgang Dürheimer fährt den stärksten Roadster der Welt vor. Der Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse hat einen 16-Zylinder-Motor mit unglaublichen 1.200 PS unter der Haube. In 2,5 Sekunden beschleunigt das Geschoss von null auf 100, maximal sind 415 km/h möglich. Was der offene Bugatti so verbrauchen soll, wird nicht erwähnt. Das gilt auch für den Amarok Canyon. Doch der VW-Pick-up setzt nicht wie US-Trucks auf V8-Power, sondern auf Vierzylinder-TDI-Aggregate. Die trendige Outdoor-Studie Amarok Canyon ist für die Extrem-Sportart ,Kajak-Freestyle" ausgelegt. Dank 180 PS soll sie laut Wolfgang Schreiber, Vorstandssprecher bei VW Nutzfahrzeuge, ,jede Steigung erblassen lassen."

Puristischer Auftritt für den Boxster
Auch Porsche hat mittlerweile seinen Platz auf dem VW-Konzernabend. Der neue Boxster fährt ganz in Silber auf die Bühne. Das wirkt puristisch und passt gleichzeitig gut zum hellen Haupthaar von Porsche-Chef Matthias Müller, der dem Roadster entsteigt. 35 Kilo habe er abgespeckt, erzählt Müller, und meint natürlich den Boxster. Trotz zehn PS mehr konnten so die Verbrauchswerte um bis zu 15 Prozent reduziert werden. Dann wird die Halle in grünes Licht getaucht und der Skoda Citigo hat seinen Auftritt. Dessen Neuigkeitswert hält sich Grenzen, handelt es sich doch um einen umgelabelten VW Up. Ist der Citigo ein typisches Frauenauto? Man könnte es meinen. Denn Skoda-Chef Winfried Vahland begrüßte in seiner Rede nur die anwesenden Damen. Auch bei solch durchorganisierten Veranstaltungen läuft eben nicht alles glatt.

Flügeltürer-Studie von Giugiaro
Einen Überraschungsauftritt legt dann der Giugiaro Brivido hin. 2010 war VW bei der traditionsreichen Designschmiede ,Italdesign Giugiaro" eingestiegen. Die elegante Flügeltürer-Studie zeigt, dass man dort sein Handwerk – oder ist es schon Kunst – immer noch bestens versteht. Ebenfalls schick anzusehen ist das VW Cross Coupé. Das sportliche SUV feierte schon auf der Tokyo Motor Show Ende 2011 Premiere. In Genf debütiert jetzt die Diesel-Plug-in-Hybridvariante, die trotz 306 PS Systemleistung lediglich 1,8 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer verbrauchen soll. Hier ist es also wieder – das Engagement für die Umwelt, das durch die sehr dynamische Einfahrt von Lamborghini-Boss Stephan Winkelmann allerdings schnell wieder von der Bühne gefegt wird. Winkelmann entsteigt dem Aventador J. Der verzichtet auf eine Windschutzscheibe und ein Dach, hat dafür jede Menge Karbon und eine V12-Maschine mit 700 PS an Bord. Wer sich für den unkonventionellen Lambo interessiert, ist schon zu spät dran. Der Aventador J wurde nur ein einziges Mal gebaut und ist bereits für stolze 2,1 Millionen Euro verkauft.

Seat Toledo und das erste Bentley-SUV
,A beautiful car for a beautiful price", das soll der wiederbelebte Seat Toledo werden. Noch ist die kompakte Stufenheck-Limousine nur eine Studie. 2013 soll der neue Toledo dann in Serie gehen – ganz sicher mit sparsamen Motoren. Das kann man vom EXP 9 F nicht gerade behaupten. Die Studie des ersten Bentley-SUVs setzt auf einen Sechsliter-W12 mit über 600 PS. Für Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer wäre der EXP 9 F die Krone im SUV-Segment und ,das richtige Auto für Ausflüge in den Wüstensand." Oder doch eher das richtige Gefährt für die Garage wohlhabender Scheichs? So bleibt das Umwelt-Thema auch zum Schluss wieder etwas außen vor, zugunsten der schönen Autos. Wobei sich sicherlich darüber steiten lässt, ob ausgerechnet das Bentley-SUV das Thema Schönheit trefflich verkörpert.

VW: Konzern-Highlights