Attacke auf den Audi S3: VW bringt den Golf R mit 300 PS

Seit mittlerweile gut zehn Jahren tragen die stärksten Versionen des VW Golf den Buchstaben R am Heck. Was einst mit 241 PS aus sechs Zylindern begann, endete vorläufig bei 270 Vierzylinder-PS im Sechser-Golf. Für Nummer Sieben legt VW jetzt eine ordentliche Schippe drauf: 300 PS heben den neuen Golf R auf das Niveau des Audi S3.

Richtig Schmackes
Die Leistungsspritze ist vor dem Hintergrund der inzwischen bis zu 230 PS im aktuellen Golf GTI zu sehen. Doch ob GTI, R oder S3: Alle drei Modelle setzen auf den gleichen Motor, einen Vierzylinder-Turbobenziner der so genannten EA-888-Familie mit 1.984 Kubikzentimeter Hubraum. Gegenüber dem GTI-Aggregat wurden beim Golf R diverse Bauteile verändert oder neu konstruiert, darunter der Zylinderkopf, die Kolben und der Turbolader. Das hat Folgen: Bis zu 380 Newtonmeter Drehmoment stehen zwischen 1.800 und 5.500 Umdrehungen bereit. Wie gehabt wird die Spitze bei 250 km/h abgeregelt. Ist das serienmäßige manuelle Sechsgang-Getriebe mit Schaltwegverkürzung an Bord, sprintet der Golf R in 5,1 Sekunden auf Tempo 100. Das liegt auf dem Niveau des Audi S3 und eine Sekunde unter dem Golf GTI Performance. Wird das optionale Doppelkupplungsgetriebe DSG gewählt, streift die Nadel schon nach 4,9 Sekunden die 100er-Marke. Apropos Tachonadel: Die Zeiger der Instrumente werden schon beim Öffnen der Fahrertür hellblau beleuchtet, die Tachoskala reicht bis 320.

In die richtige Richtung
Einen Normverbrauch gibt es auch, er liegt je nach Getriebe zwischen 7,1 und 6,9 Liter auf 100 Kilometer. Für den ambitionierten R-Treiber dürfte der serienmäßige Allradantrieb wichtiger sein als geringe Verbrauchswerte. Bei geringer Last oder im Schub wird primär die Vorderachse angetrieben. Sobald Not am Mann ist, tritt die so genannte Haldexkupplung in Aktion und schaltet die hinteren Räder stufenlos zu. Je nach Bedarf können nahezu 100 Prozent des Antriebsmoments an die Hinterachse geleitet werden. Parallel zu der als Längssperre fungierenden Haldexkupplung übernehmen elektronische Differenzialsperren im ESP die Funktion von Quersperren. Sie kommen im Golf R an beiden Achsen zum Einsatz. Je nach Bedarf kann der R-Fahrer ein später ansprechendes ESP aktivieren oder das Anti-Schleuderprogramm sogar ganz abschalten, was sonst in keinem anderen Golf möglich ist.

Profil nach Wahl
Gegenüber dem Basis-Golf wurde das R-Modell um 20 Millimeter tiefer gelegt, wie im GTI kommt auch im R eine Progressivlenkung zum Einsatz. Sie ermöglicht kleinere Lenkbewegungen und weniger Umdrehungen des lederbezogenen Dreispeichen-Sportvolants. Optional kann die adaptive Fahrwerksregelung DCC bestellt werden, dann ist auch eine so genannte ,Fahrprofilauswahl" serienmäßig dabei. Sie bietet fünf verschiedene Programme, darunter den Race-Modus. In diesem Fall wird die Dämpfung erhöht und der Motor spricht direkter an.

Spitzenleistung, Spitzenpreis
Apropos serienmäßig: Stets an Bord sind rundum innenbelüftete Scheibenbremsen mit schwarzen R-Sätteln, verchromte Doppelendrohre, 18-Zoll-Alus mit 225er-Bereifung sowie Bi-Xenon-Scheinwerfer und eine Einparkhilfe hinten. Je nach Lust und Geldbeutel können verschiedene Assistenzsysteme, Lederbestuhlung oder 19-Zöller geordert werden. Lieferbar ist der VW Golf R als Drei- oder Fünftürer, in den Kofferraum passen zwischen 343 und 1.233 Liter Gepäck. Ab dem vierten Quartal 2013 ist der Super-Golf lieferbar, die Preise beginnen bei 38.325 Euro. Damit liegt der R 875 Euro unter dem Audi S3, aber immerhin 8.500 Euro über dem GTI Performance.

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