Mercedes S 500 Plug-in Hybrid

An den VW Lupo 3L TDI erinnert sich wohl jeder, der um die Jahrtausendwende etwas mit Autos am Hut hatte. Mit einem Verbrauch von 3,0 Liter Diesel auf 100 Kilometer gehörte er zu den ersten Großserien-Dreiliterautos. Knapp 15 Jahre später kündigt Mercedes nun die erste Oberklasse-Limousine mit diesem Verbrauch an, den S 500 Plug-in Hybrid. Wie der Name anzeigt, handelt es sich allerdings um ein Modell mit Ottomotor und Hybridsystem, bei dem sich die Batterie an der Steckdose aufladen lässt.

333 PS starker Turbobenziner plus E-Motor
Das neue Modell ist das dritte und leistungsstärkste Hybridauto der Baureihe. Es kombiniert einen 80 Kilowatt oder 109 PS starken Elektro-Synchronmotor mit dem neuen 3,0-Liter-V6-Turbobenziner aus dem E 400, der 333 PS leistet. Das Maximaldrehmoment des Verbrennungsmotors beträgt 480 Newtonmeter, während die E-Maschine 340 Newtonmeter bringt. Eine Systemleistung oder ein Systemdrehmoment gibt Mercedes nicht an. Etwa 30 Kilometer sollen in elektrischer Fahrt möglich sein. Die Akkus sind im Kofferraum untergebracht. Dadurch verringert sich der Stauraum gleich um 100 auf 430 Liter – ein deutliches Minus. Bei den anderen S-Klasse-Hybriden bleiben dagegen 510 Liter Gepäckvolumen erhalten. Der Elektromotor ist im Plug-in-Modell wie bei den anderen Stern-Hybriden in den Triebstrang integriert, er befindet sich zwischen Verbrenner und Getriebe.

Sportlicher Sprintwert
Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h erreicht. Sportlich liest sich der Sprintwert: Beim Beschleunigen auf Tempo 100 vergehen nur 5,5 Sekunden. Zum Vergleich: Der S 500 mit konventionellem Antrieb braucht 4,8 Sekunden. Während der Normverbrauch für den normalen S 500 jedoch 8,6 Liter beträgt, sind es beim S 500 Hybrid wie erwähnt nur 3,0 Liter auf 100 Kilometer. Der Wert ist allerdings bei Plug-in-Modellen mit noch größerer Skepsis zu betrachten als bei konventionell angetriebenen Autos. Schließlich verbraucht ein Plug-in-Modell gar keinen Sprit, wenn man ausschließlich elektrisch fährt.

Neue Hybridmodi
Anders als bei den bekannten Mercedes-Hybriden können beim neuen Modell vier Betriebsarten per Tastendruck gewählt werden. Im Hybrid-Modus regelt das Fahrzeug das Zusammenspiel der beiden Antriebe. Der E-Modus dient dem rein elektrischen Fahren, während in der Betriebsart E-Save die Batterieladung erhalten wird, um später rein elektrisch fahren zu können. Im Charge-Modus schließlich wird die Batterie im Fahrbetrieb gezielt wieder aufgeladen. Wie die anderen S-Klasse-Hybridmodelle verfügt das neue Modell zudem über ein vorausschauendes Energiemanagement. Das heißt: Beim Auf- und Entladen der Batterie berücksichtigt das System nicht nur den aktuellen Fahrzustand und die Stellung von Gas- und Bremspedal, sondern stellt sich auch auf Steigungen, Gefälle, Kurven und Tempolimits der nächsten acht Kilometer ein. Dazu verwendet die Elektronik die Navigationsdaten. So wird beispielsweise vor einer Gefällestrecke die Batterieenergie für den Antrieb genutzt, da sie bergab leicht wieder aufgeladen werden kann.

,Haptisches Fahrpedal"
Wie bei Hybridautos allgemein üblich, wird auch beim neuen Mercedes in Schub- und Bremsphasen Energie zurückgewonnen. Beim S 500 Plug-in Hybrid erfolgt die Rekuperation ausschließlich an der Hinterachse. Hier debütiert ein rekuperatives Bremssystem der zweiten Generation, bei dem die Überlagerung des herkömmlichen Bremsens und der elektrischen Bremsleistung nicht mehr spürbar sein soll. In allen Schubphasen wird der Verbrennungsmotor abgeschaltet. Wenn gebremst wird, wird das Schleppmoment des Motors zur Rekuperation eingesetzt. Ohne Bremspedalbetätigung wird dagegen ein Segeln ermöglicht. Dazu wird der Verbrenner komplett vom Antriebsstrang abgekoppelt. Ebenfalls neu: Ein ,haptisches Fahrpedal" sorgt für mehr Kontrolle des Fahrers. Ein Druckpunkt am Gaspedal macht dem Fahrer klar, wann der Verbrennungsmotor zugeschaltet wird und hilft so bei der Dosierung der Antriebsleistung.

Starke Parallelen zum Plug-in-Porsche
Der neue Mercedes ist neben dem Porsche Panamera S E-Hybrid die einzige Plug-in-Oberklasselimousine auf dem Markt. Dabei gibt es bemerkenswerte Übereinstimmungen. Der Porsche besitzt genau wie der Mercedes einen 333 PS starken 3,0-Liter-V6. Hinzu kommt hier eine E-Maschine mit 95 PS oder 70 Kilowatt. Der Standardspurt dauert genau wie beim Sternträger 5,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird jedoch mit 270 km/h angegeben. Der Verbrauch ist um einen Zehntelliter höher als bei Mercedes und beträgt 3,1 Liter je 100 Kilometer. Beim Audi A8 hybrid, Lexus LS 600h und BMW ActiveHybrid 7 handelt es sich dagegen um konventionelle Hybridfahrzeuge.

Dritter S-Klasse-Hybrid
Mercedes erweitert mit dem neuen Modell das Hybridangebot in der S-Klasse auf drei Fahrzeuge. Der S 400 Hybrid ist ein Benzinhybrid, der S 300 BlueTec Hybrid ein Dieselhybrid. Bei beiden werden die Akkus nur beim Bremsen und im Schubbetrieb geladen, während der S 500 Plug-in Hybrid auch via Steckdose geladen werden kann. Im S 400 Hybrid arbeiten ein 306-PS-V6 und ein 20 kW (27 PS) starker Elektromotor zusammen. Die gleiche E-Maschine tut auch im S 300 BlueTEC Hybrid Dienst, der angekündigt, aber noch nicht auf dem Markt ist. Hinzu kommt hier ein 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 204 PS. Der S 500 Plug-in Hybrid hat Publikumspremiere auf der IAA (12. bis 22. September 2013) in Frankfurt. Die Markteinführung erfolgt im Jahr 2014, die Preise sind noch nicht bekannt.

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