Neue Raser-Fallen werden in Niedersachsen erprobt

Niedersachsen will Raser mit der so genannten ,Abschnittskontrolle" (Section Control) bremsen. In Österreich, Italien und den Niederlanden wird dieses Verfahren bereits seit Jahren eingesetzt. Die Grundzüge der Messung sind recht simpel: Gestoppt wird die Zeit, in der ein Auto eine festgelegte Strecke fährt. Dafür gibt es am Anfang und am Ende der Strecke einen Messpunkt. Ein Computer berechnet dann aus Weg und Zeit die Geschwindigkeit. Ihre Befürworter sehen in dieser Methode verschiedene Vorteile. So wird die Geschwindigkeit über einen längeren Zeitraum überwacht, schließlich nützt es nichts, wenn ein Raser vor einem mobilen Blitzer kurz bremst und dann wieder Gas gibt. Zudem sollen Unfälle vermieden werden, weil Schnellfahrer spontan vor mobilen Radarfallen panisch in die Eisen steigen. Da zudem Schilder auf die Messstrecke hinweisen, soll der Verkehrsfluss beruhigt werden.

Ab 2015 für 18 Monate
In Niedersachsen soll das Verfahren im Jahr 2015 als Pilotprojekt starten und zunächst 18 Monate laufen. Wo die Abschnittsblitzer zum Einsatz kommen, wurde noch nicht festgelegt. Denkbar sind Bundesstraßen oder Landstraßen mit einem etwa drei Kilometer langen Teilstück, das nicht von Ausfahrten oder Parkplätzen unterbrochen wird. Nach Angaben der Landesregierung sind alle Kriterien erfüllt, die der Deutsche Verkehrsgerichtstag bereits im Jahr 2009 für ein solches Modellprojekt formuliert hatte. So soll wirklich nur auf unfallträchtigen Strecken kontrolliert werden. Die erfassten Daten dürfen nicht mit anderen Registern verknüpft, und müssen sofort nach der Messung automatisch gelöscht werden, wenn das Auto nicht zu schnell war. Und: Wie erwähnt, muss ein Schild auf den Messabschnitt hinweisen.

Foto und Zeitstempel
Die Messung selbst sieht so aus: Jedes Auto wird beim Einfahren in den Messbereich von hinten fotografiert. Dieses Bild wird elektronisch verpixelt und gemeinsam mit einem ,Zeitstempel" an einen Zentralcomputer geschickt. Am Ende der Messstrecke gibt's dann wieder einen Zeitstempel und der Computer errechnet die Durchschnittsgeschwindigkeit. Ist sie zu hoch, blitzt eine Frontkamera das Auto wie gehabt von vorn und die Post bringt dem Halter den Strafbescheid.

Datenschutz soll geprüft werden
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) begrüßt den Modellversuch ausdrücklich, da Berichte aus den Nachbarländern zeigen, dass die Abschnittskontrolle die Verkehrssicherheit nachweislich erhöht. Kritiker hingegen sehen einen Eingriff in das Grundrecht auf ,informationelle Selbstbestimmung", das heißt, dass personenbezogene Daten erfasst und ungefragt weitergeben werden könnten. Laut Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius soll die Anlage vom Landesbeauftragen für Datenschutz hinsichtlich ihrer Datensicherheit ,grundlegend" geprüft werden, bevor sie im Straßenverkehr zum Einsatz kommt.

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