Das ist der neue Mercedes-AMG GT

Affalterbach is calling! Vorhang auf und runter mit den Laken! Sagen Sie ein sportliches ,Hallöle" zum neuen Mercedes-AMG GT! Der zweite, komplett von AMG entwickelte Sportwagen zielt relativ eindeutig auf Zuffenhausens Paradehengst Porsche 911 (Jaguar und sein F-Type Coupé dürfen sich auch schon mal was Wärmeres zum Anziehen suchen) und möchte mit seinem Frontmittelmotor-Konzept, viel Aluminium-Leichtbau, extrem ausgefuchster Technik und vor allem einem komplett neuen 4,0-Liter-Biturbo-V8 die Herzen der Enthusiasten erobern.

Form und Raum
Eine nicht enden wollende Motorhaube samt dicker Powerdomes, ein weit nach hinten gezogenes Greenhouse (wie Mercedes die GT-Kanzel etwas neumodisch nennt), eine ziemlich elegant auslaufende Fastback-Form und ein unanständig breiter Hintern – ja, so kann man einen Sportwagen durchaus mal zeichnen, auch wenn die Scheinwerfer für ein derartiges Geschoss ein bisschen zu sehr an die A-Klasse erinnern. Dafür freuen wir uns über 18 LEDs in den superschmalen Rückleuchten. Und die große Heckklappe samt der dahinter wartenden 350 Liter Kofferraumvolumen nehmen wir auch jubelnd zur Kenntnis. Die üblichen zwei Golfbags sind kein Problem, sagt Mercedes. Diverse Helme und Renn-Overalls wahrscheinlich auch nicht.

AMG GT wiegt 1.540 Kilo
Das ist gut, denn AMG hat alles dafür getan, dass sich der neue GT auch auf der Rennstrecke vernünftig anstellt. Im Prinzip basiert sein Chassis auf dem des SLS AMG, allerdings ist der GT 70 Millimeter kürzer. Unterbau und Karosserie sind komplett aus Aluminium und wiegen nur 231 Kilogramm. Alles in allem zeigt die Waage beim GT 1.540 Kilo an. Beim GT S sind es 1.570 Kilo. Zum Vergleich: Ein Porsche Carrera S wiegt knapp 1.400 Kilo. Dank Frontmittelmotor-Auslegung und einem Getriebe in Transaxle-Bauweise (vor der Hinterachse angeordnet) ergibt sich eine Gewichtsverteilung von 47 zu 53 Prozent. Das Auto erhält Doppelquerlenkerachsen vorne und hinten, ein mechanisches Sperrdifferenzial (im stärkeren Topmodell GT S arbeitet ein elektronisches Sperrdifferenzial) sowie eine sogenannte Triebstrang-Dämpfung. Trieb was? Ein speziell abgestimmter Dämpfer soll hier die Rollbewegungen des gesamten Antriebsstrangs reduzieren. Weniger Rollbewegungen bedeuten vor allem eine Steigerung der Agilität. Und das kann ja bekanntlich nie schaden.

Viel Wirbel um neuen Motor
Apropos Agilität. Am gespanntesten sind wir natürlich auf den Motor des AMG GT. Erstmals wird hier nämlich der funkelnagelneue 4,0-Liter-Biturbo-V8 zum Einsatz kommen. Passend zu den zwei Versionen des Affalterbacher Sportcoupés wird die neue Supermaschine in zwei Leistungsstufen angeboten. Im GT leistet das Aggregat 462 PS und 600 Newtonmeter, im GT S sind es brachiale 510 PS und 650 Newtonmeter. In 4,0 beziehungsweise 3,8 Sekunden geht es von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeiten liegen bei abgeregelten 304 und 310 km/h. Der intern M178 genannte V8 verfügt über Turbolader, die nicht außen an den Zylinderbänken, sondern innen im Zylinder-V liegen (das sogenannte ,heiße Innen-V"). Zudem stellt eine Trockensumpfschmierung die Ölversorgung auch bei hohen Querkräften sicher. Laut Mercedes soll der Motor eine Sauger-typische Leistungsabgabe bieten und den großvolumigen AMG-Maschinen der Vergangenheit auch in puncto ,koryphäenhafter Gänsehautsound" in nichts nachstehen. Die erste Klang-Kostprobe bei der heutigen statischen Präsentation untermauerte diese These eindrucksvoll. Der GT knallt, spratzt, röchelt und röhrt, dass es einem die Haare aufstellt.

AMG Dynamic Plus Paket
Für die Kraftübertragung sorgt im AMG GT ein optimiertes Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe mit den Schaltmodi Controlled Efficiency, Sport, Sport Plus, Individual und M (manueller Modus). Nur für den GT S gibt es darüber hinaus das manuelle Fahrprogramm ,Race", das Schaltgeschwindigkeit und Motorsound in allerhöchste Spaßregionen hebt. Ebenfalls dem GT S vorbehalten ist das optionale AMG Dynamic Plus Paket. Es beinhaltet dynamische Motor- und Getriebelager, die ihre Steifigkeit und damit die schwingenden Massen der Antriebseinheit stufenlos an die jeweilige Fahrsituation anpassen (weicher und komfortabler beim Bummeln, härter und damit agiler beim ambitionierteren Ritt). Ebenfalls dabei: eine straffere Fahrwerksauslegung, ein höherer Negativ-Sturz an der Vorderachse sowie eine sportlichere Lenkung. Außerdem gibt es in Verbindung mit dem Dynamic Plus Paket auch die Option auf Michelin Pilot Sport Cup 2 Semislick-Sportreifen.

Topmodell GT S mit mehr Performance-Ausstattung
Weitere Pluspunkte sammelt der stärkere GT S mit serienmäßigen adaptiven Dämpfern und einer Performance-Abgasanlage inklusive vollvariabel gesteuerter Abgasklappen (beides beim GT gegen Aufpreis). Dazu erhält der GT S größere Bremsen (390- statt 360-Millimeter-Scheiben vorne) und größere Räder (20 statt 19 Zoll hinten). Beide Versionen können auf Wunsch mit Keramik-Stoppern im 402-Millimeter-XXL-Format und leichteren Schmiederädern mit Zentralverschluss ausgerüstet werden.

V8-Form im Innenraum
Wir öffnen die große Tür und blicken auf ein unten abgeflachtes und ziemlich dickes Sportlenkrad mit hochwertigen Alu-Schaltpaddles. Sehr schick: Auf dem Display im Kombiinstrument fährt sofort ein animierter GT vor. Was in grauer Vorzeit mal als Mittelkonsole bezeichnet wurde, hört in diesem Fall auf den Namen AMG Drive Unit. Mit der Anordnung ihrer Bedienelemente soll sie passenderweise an acht Zylinder in V-Form erinnern. In der Drive Unit lassen sich alle Einstellungen bezüglich Fahrdynamik, Auspuff und Co. individuell verstellen. Über den vier Lüftungsdüsen befindet sich ein frei stehendes Display mit einer Bilddiagonale von sieben Zoll. In Verbindung mit dem Infotainment-System Comand Online sind es 8,4 Zoll. Die Sitzheizung, die Parktronic, die Warnblinkanlage und den ausfahrbaren Heckflügel bedient der Fahrer wie im Flugzeug über sich im Dachrahmen.

AMG GT mit 9,3 Liter Normverbrauch
Und auch wenn es bei all den leckeren Sportwagen-Goodies fast ein wenig langweilig erscheint, natürlich hat der AMG GT auch bei der Sicherheitsausstattung einiges zu bieten. Das komplette Fahrassistenz-Programm aus der S-Klasse gibt es auch im neuen Sternen-Sportler. Und wo wir gerade dabei sind: Mercedes gibt den Verbrauch des GT mit 9,3 Liter im Schnitt an, der GT S soll 9,4 Liter verbrauchen. Bestellbar sind beide Boliden ab 6. Oktober 2014. Preise stehen noch nicht fest.

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