Der neue Jaguar XE soll die Premium-Mittelklasse aufmischen

1,7 Milliarden Euro für die Fertigungsanlagen. Ein Motorenwerk für 628 Millionen Euro. Für den nagelneuen XE hat Jaguar (respektive die Konzernmutter Tata) sich nicht lumpen lassen. Schon diese Dimensionen machen klar, dass man mit dem XE zum ganz großen Sprung ansetzen will.

Umdenken im Kopf
Und noch etwas verdeutlichen diese enormen Summen: Der XE ist eine komplette Jaguar-Eigenentwicklung. So wollen die Briten den zwischen 2001 und 2009 gebauten X-Type vergessen machen, der eigentlich nur ein noblerer Ford Mondeo war. Beim XE soll alles anders werden: Hinterradantrieb, Leichtbau, schnittige Linienführung und ein dynamisches Fahrwerk klingen vielversprechend. Apropos Design: Unverkennbar sind die Einflüsse des größeren XF, aber auch der E-Type diente Jaguar-Chefstylist Ian Callum als Inspiration.

Auf Klassenniveau
Wenden wir uns den harten Fakten zu: Mit 4,67 Meter ist der XE ein paar Zentimeter länger als ein 3er-BMW, aber geringfügig kürzer als die neue Mercedes C-Klasse. Bei der Breite bietet der Jaguar mit 1,85 Meter vier Zentimeter mehr. Die Karosserie besteht laut Hersteller zu 75 Prozent aus Aluminium-Werkstoffen, das XE-Leergewicht startet bei 1.474 Kilogramm. Der XE nutzt als erstes Modell die modular aufgebaute Fahrzeugarchitektur von Jaguar Land Rover.

Gute Produkt-Haftung
Beim Fahrwerk gibt es vorne eine Aluminium-Doppelquerlenker-Konstruktion, am anderen Ende soll eine Alu-Integral-Hinterachse für die versprochene Dynamik sorgen. Dazu gesellt sich eine elektromechanische Servolenkung. Neuartig ist die so genannte ,All Surface Progress Control", kurz ASPC. Sie soll wie ein auf niedrige Geschwindigkeiten eingestellter Tempomat arbeiten. Sogar auf extrem rutschigen Untergrund baut sie zwischen 3,6 und 30 km/h ohne Durchdrehen der Räder maximale Haftung auf, der Fahrer muss dafür kein Pedal betätigen.

Erste Hilfe
Natürlich ist es damit in Sachen Fahrhilfen noch längst nicht getan. Neu ist im XE zum Beispiel ein Laser-Head-up-Display, das eine schärfere Darstellung bieten soll. Über eine Stereo-Kamera an der Frontscheibe arbeitet der autonome City-Notbremsassistent. Und zwar nicht nur er, sondern auch die Verkehrszeichenerkennung und der Spurwechselwarner. Optional sind im XE zudem klassenübliche Helferlein wie ein adaptiver Tempomat, ein Totwinkelwarner oder Einparkassistenten für paralleles Parken und das Rangieren in Parkbuchten erhältlich.

Der lässt sich nicht lumpen
Im Innenraum trifft man auf einen acht Zoll großen Touchscreen, der auch auf einfache Spracheingabe reagiert. Zusätzlich lässt sich der Jaguar XE zum WLAN-Hotspot machen, Smartphone-User können diverse Funktionen aus der Ferne kontrollieren, etwa die Klimatisierung. Ziemlich heiß ist die vorläufige Topmotorisierung des XE: Den Dreiliter-Kompressor-V6 kennen Jaguar-Freunde aus dem F-Type. Auch im XE S leistet er 340 PS und 450 Newtonmeter, die den Wagen in 5,1 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Bei 250 km/h wird abgeregelt.

Drei-Liter-Auto mal anders
Das andere Ende der Motorenpalette markiert der Zweiliter-Vierzylinder-Diesel. Er ist wie die ebenfalls zwei Liter großen Benziner im XE ein Mitglied der modular aufgebauten Ingenium-Triebwerksfamilie. Beeindruckend sind die Papierwerte des 163 PS starken Selbstzünders. Obwohl er 380 Newtonmeter maximales Drehmoment bietet, soll er auf einen Durchschnittsverbrauch von 3,8 Liter kommen, was 99 Gramm CO2 bedeutet. Stärkere Diesel werden noch nachgereicht, ebenso zwei Leistungsstufen des Benziners. Details hierzu will Jaguar aber erst Anfang Oktober 2014 verraten. Fakt ist: Die Diesel erhalten ab Werk eine manuelle Sechsgang-Schaltung, die Benziner eine Achtgang-Automatik. Letztere wird wie beim XF über einen großen Drehschalter bedient, der beim Start herausfährt.

Geduld ist gefragt
Auch einen Basispreis lässt Jaguar schon durchsickern: Bei 36.500 Euro startet der 163-PS-Diesel. Anfang Oktober 2014 wird der Jaguar XE auf dem Automobilsalon in Paris vorgestellt, ab Sommer 2015 soll man den Wagen bei den deutschen Händlern bewundern können.

Lesen Sie auch:

Gallery: Masse und Klasse