Adlige Vorbesitzer, exklusive Kleinserie, wenig Kilometer

Birmingham / Gaydon (Großbritannien), 10. November 2014 – Sie sind auf der Suche nach einem guten Gebrauchtwagen oder dem perfekten, dunkelgrünen Weihnachtsgeschenk? Dann hätten Sie am 15. November 2014 zur ,Lancaster Insurance Classic Motor Show" in Birmingham reisen sollen. Dort versteigerte ,Silverstone Auctions" mit einem Jaguar XJ220 ein Exponat der Automobilgeschichte, bei dem die gesamte Entstehungs- sowie die explizite Fahrzeughistorie ganz besonders sind.

Der Jaguar XJ220 entsteht
Die Geschichte der Großkatze beginnt wie ein Märchen der Gebrüder Grimm und reifte zur Kleinserie als Stammtischidee: Es war einmal der ehemalige Jaguar-Chefingenieur Jim Randle, der einen Weihnachtsurlaub in den 1980er-Jahren damit verbrachte, Zeichnungen von einem neuen Jaguar-Supersportler anzufertigen. Dabei träumte er von einem V12-Motor samt Allradantrieb, verpackt in einer flachen und windschnittigen Zweisitzer-Karosserie. Mit Arbeitskollegen setzte er sich anschließend im ,Saturday Club" zusammen (hier trafen sich Jaguar-Mitarbeiter an Wochenenden, um inoffizielle private Projekte miteinander zu besprechen), um die Idee weiter reifen zu lassen.

Das Konzept wird präsentiert
Auch die offizielle Seite Jaguars zeigte alsbald Interesse an dem Stammtisch-Projekt. Auf der Birmingham Motor Show 1988 wurde dann das erste Konzept des XJ220 vorgestellt. Randles Träume hatten sich erfüllt: Der Briten präsentierten einen Allrad-Supersportler, angetrieben von einem 6,2-Liter-V12 mit 537 PS. Obwohl nur 350 Fahrzeuge geplant waren, sich der Neupreis auf etwa 700.000 Euro belief und Jaguar eine Anzahlung von 75.000 Euro forderte, gingen innerhalb kürzester Zeit über 1.500 Bestellungen ein.

Der Rotstift wird angesetzt
Auf dem Weg zur Kleinserienreife setzte man allerdings den Rotstift an: Der V12 flog raus und wurde durch einen Biturbo-V6 mit 3,5 Liter Hubraum und 549 PS ersetzt. Der Allradantrieb verschwand und die Biturbo-Kraft floss fortan lediglich an die Hinterräder. Außerdem wurde das Chassis massiv verkürzt. Die resultierenden Fahrleistungen sind auch heute noch beachtlich: 3,7 Sekunden auf 100 km/h sowie 343 km/h Höchstgeschwindigkeit sind zwar keine schlechten Eckdaten, aber der XJ200 war nicht das 1988 versprochene Fahrzeug. So sprangen viele Kunden ab und von 350 geplanten Exemplaren wurden nur 275 Fahrzeuge umgesetzt.

Besitzerhistorie
Der Sultan von Brunei war einer der verbleibenden Käufer, die sich nicht beirren ließen und trotz der massiven Änderungen am Ausgangsfahrzeug zuschlugen. 1992 erhielt er neben Elton John als einer der ersten sein dunkelgrünes und handgearbeitetes Exemplar mit der Chassis-Nummer 220693. Im September 2002 ging der besagte Wagen zurück nach Großbritannien in die Hände eines Champagner-Händlers. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Supersportler erst 1.412 Meilen auf dem Tacho. Der Besitzer wechselte ein weiteres Mal und der Tacho zeigt heute, nach drei Besitzern und knapp 24 Jahren Autoleben, erst 5.562 Meilen an.

Die Versteigerung
Jetzt wechselte der besondere XJ220 ein drittes Mal den Besitzer. Die erwarteten Gebote hierfür lagen laut Auktionshaus zwischen 300.000 und 330.000 Euro. Am Ende fiel der Hammer bei einem Höchstgebot von 308.880 Euro. Ein Schnäppchen im Vergleich zu dem damals veranschlagten Neupreis. Aber das Beste an dem Wagen sind nicht nur der gute Preis, die lückenlose Scheckheftpflege, der königliche Vorbesitzer und die Exklusivität einer Kleinserie, nein, der XJ200 hat sogar noch TÜV bis Mitte August 2015 und die Steuern wurden auch bis Februar 2015 bezahlt. Ein perfekter Gebrauchter eben, allerdings sollte man nicht so genau auf die Verbrauchswerte achten. 1992 wurde ab Werk ein Durchschnitt von 18,3 Liter Superbenzin angegeben. Dem Käufer aus Singapur wird das aber sicherlich egal sein.

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