Drive Me: Volvo startet Großversuch zum autonomen Fahren

Wenn es stimmt, dass Autofahren bei Vielen inzwischen weniger gefragt ist als Smartphone und Facebook, dann könnte das autonome Fahren kommen. Denn wer den virtuellen Raum bevorzugt, der bearbeitet im Auto lieber Facebook-Einträge, als das Steuer zu umklammern und durch den Feierabendverkehr zu manövrieren. Volvo will beim autonomen Fahren offenbar ganz vorne mit dabei sein. Die Firma plant nun einen groß angelegten Versuch auf öffentlichen Straßen.

,Drive Me" rund um Göteborg
Volvo bezeichnet das Unternehmen als das ,weltweit erste groß angelegte Pilotprojekt zum autonomen Fahren". Dabei werden 100 selbstfahrende Volvo-Fahrzeuge unter Alltagsbedingungen auf öffentlichen Straßen rund um das schwedische Göteborg unterwegs sein. ,Drive Me" ist eine Gemeinschaftsinitiative von Volvo, der schwedischen Verkehrsbehörde, des Wissenschaftsparks Lindholmen sowie der Stadt Göteborg. Unterstützt wird das Projekt von der schwedischen Regierung.

Ziel: Null Verkehrstote
Ziel des Projekts ist es, die gesellschaftlichen Vorteile des autonomen Fahrens zu demonstrieren sowie Schweden und Volvo als Vorreiter zu positionieren. ,Autonom fahrende Autos sind integraler Bestandteil des gemeinsamen Ziels von Volvo und der schwedischen Regierung, die Zahl der Verkehrstoten auf null zu reduzieren. Dieses öffentliche Pilotprojekt markiert dabei einen wichtigen Schritt nach vorn", erklärt Volvo-Chef Håkan Samuelsson. ,Wir gewinnen Einblicke in die technischen Herausforderungen und erhalten gleichzeitig wertvolles Feedback von echten Kunden, die die Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen testen."

50 Modellkilometer
Das ,Drive Me"-Projekt startet 2014, die ersten Fahrzeuge sollen aber erst 2017 auf die Straßen von Göteborg rollen. Die selbstfahrenden Fahrzeuge werden auf ausgewählten Strecken in und um Göteborg mit insgesamt rund 50 Kilometer Länge unterwegs sein. Dabei handelt es sich um typische Pendlerstrecken, einschließlich Autobahnen und Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen. Zum Projekt gehören auch Tests mit vollautomatischem Parken, ohne dass ein Fahrer im Auto sitzt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um neue Modelle, die auf der kommenden skalierbaren Produkt-Architektur (SPA) von Volvo basieren. SPA ist auf neue Assistenz- und Sicherheitssysteme ausgelegt – bis hin zum autonomen Fahren. Auf dieser Plattform basiert auch das Volvo Concept Coupé, das im September 2013 auf der IAA gezeigt wurde. Das erste Serienmodell auf SPA-Basis wird jedoch der kommende XC90 sein, der 2014 vorgestellt wird. Das Auto soll unter anderem im Stau dem Vordermann folgen, ohne dass der Fahrer lenken, Gas geben oder bremsen muss. Auch das Einparken soll ohne menschliches Zutun vor sich gehen.

Entspannen statt Autofahren
,Autonome Fahrzeuge und eine intelligente Infrastruktur sind weitere Schritte auf dem Weg zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr und zum Schutz der Umwelt. Für Schweden wird dies zudem neue Jobs und neue Möglichkeiten bringen", sagt die schwedische Infrastrukturministerin Catharina Elmsäter-Svärd. Auch für den Einzelnen können sich Vorteile ergeben. So kann man aktiv fahren, wenn man es will. Unter geeigneten Umständen kann man das Fahren aber auch dem Auto überlassen und stattdessen über Tablet oder Smartphone kommunizieren oder einfach entspannen, so Volvo. Entspannen statt Autofahren also – eine bemerkenswerte Idee für einen Autohersteller.

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