Daimler präsentiert die Mercedes-Maybach S-Klasse in LA

Luxus, Status, Exklusivität und vielleicht ein bisschen Protz und Angeberei? Das sind bedeutungsvolle Worte, die zumindest in Deutschland eher mit Argwohn als mit Bewunderung betrachtet werden. Hier wird frei nach dem Motto ,ich habe zwar Geld und Macht, aber ich zeige das besser nicht", gelebt. Etwas anders läuft das in Russland, China oder den USA. Nicht verwunderlich, dass die Daimler AG die Weltpremiere der neuen Mercedes-Maybach S-Klasse zuerst auf der chinesischen ,Auto Guangzhou" abhält, um sie anschließend auf der Auto Show (21. bis 30. November 2014) in Los Angeles zu präsentieren.

Eine eigene ,Sub-Marke"
Eine große Sache, in zweierlei Hinsicht: Erstens ist Mercedes-Maybach keine schnöde Ausstattungslinie, sondern – wie Mercedes-AMG – eine eigenständige ,Sub-Marke" des Unternehmens, unter der zukünftig Fahrzeuge von Mercedes mit exklusiven Eigenschaften der einstigen Luxus-Marke Maybach angeboten werden sollen. Zweitens ist das neue Flaggschiff noch einmal um rund 20 Zentimeter länger als die Standard-S-Klassen-Langversion. Damit wächst der Kahn auf stolze 5,45 Meter Gesamtlänge.

Auffällig unauffällig, das Schiff
Wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist die neue Seitenlinie: Die großen Fondtüren wurden, trotz des Längenzuwachses, um knapp sieben Zentimeter gekürzt. Sie besitzen kein Dreiecksfenster mehr, da diese in die C-Säule verlegt wurden. Weitere Merkmale sind der am Heck befindliche Maybach-Schriftzug sowie die 20-Zoll-Schmiederäder. Und ansonsten? Da gibt sich das Schiff auffällig unauffällig. Eine veränderte Kühlerverkleidung samt großen Öffnungen und drei Doppellamellen in Chrom mit vertikalen Zierstäben sowie zwei im Stoßfänger integrierte Endrohrblenden aus Chrom, das war`s. Eben doch ein bisschen deutsches Understatement, das da im Außenbereich mitschwingt. Wären da nicht die großflächig glänzenden Felgen, die ein bisschen an das prollige AMG-Schick der Neunziger erinnern würden.

Technikbomber und Wellness-Tempel
Im Innenraum muss man sich wie in einer edlen Lederhandtasche fühlen. Nahezu jede Oberfläche wurde mit gestepptem Nappa-Leder überzogen. Aber der Business-Dampfer ist auch ein Technikbomber von morgen mit den Annehmlichkeiten eines Wellness-Tempels zugleich. Eine aufwendige Geräuschdämmung verbannt alle störenden Geräusche nach draußen und soll die Limousine zu dem leisesten Automobilinnenraum verhelfen. Die Klimaautomatik mit einer individuellen Zone für jeden der vier Sitze versprüht optional Parfüm über ein Beduftungssystem. Im Fond können es sich die Passagiere auf Sesseln mit serienmäßiger Liege- und optionaler Hot-Stone-Massage-Funktion bequem machen, während sie Champagner aus den handgefertigten Kelchen trinken. Hat man trotzdem noch Wünsche an den Chauffeur (der ausnahmsweise nicht im Lieferumfang enthalten ist), wird das Gesprochene automatisch aufgenommen und mit einer leicht erhöhten Lautstärke über die Musikanlage bei den Vordersitzen wiedergegeben.

Einmal alles, aber sicher
Der Blumenstrauß an Sicherheitssystemen (alle aufzuzählen, würde hier wohl den Rahmen sprengen) soll zwar das Gröbste an potenziellen Unfallgefahren ausmerzen, kommt es aber doch zu einem heftigeren Zusammenstoß, bläst sich in nahezu jedem Winkel des Fahrzeugs ein Luftsack auf. Jeder Winkel ist dabei keineswegs übertrieben: Selbst die Anschnallgurte, die den Passagieren elektrisch angereicht werden, sind mit einem Airbag versehen. Sie entfalten sich bei einem Crash auf die fast dreifache Breite. So kann die Unfallkraft auf einer größeren Fläche absorbiert werden.

S 500 und S 600
Auch wenn den eigentlichen Besitzer und Fond-Reisenden die Motor- und Leistungsdaten seiner Büro-Sänfte weitaus weniger interessieren dürften, als die neuen Quartalszahlen von Großkonzern-XY: Der Chauffeur braucht ja schließlich was, mit dem er schnell und effizient zuarbeiten kann. Der Käufer hat für den Arbeitnehmer hinterm Steuer die Wahl zwischen zwei Ausführungen. Das Topmodell Mercedes-Maybach S 600 mit 6,0-Liter-V12, 530 PS und 830 Newtonmeter maximalem Drehmoment, das sich 11,7 Liter Super Plus auf der Standard-Distanz genehmigt. Nur 8,9 Liter Super-Kraftstoff fordert der kleinere S 500. Er generiert 455 PS und 700 Newtonmeter maximales Drehmoment aus einem 4,7-Liter-V8. Die Beschleunigungswerte und die Höchstgeschwindigkeiten sind identisch: 5,0 Sekunden bis 100 km/h und dann weiter, bis bei 250 km/h elektronisch Schluss gemacht wird.

Was soll`s denn werden?
Also V8 oder doch der V12? Wenn Motor, Preise (die übrigens noch nicht feststehen) und Verbrauch keine Rolle spielen, sollte man den Kaufentscheid vielleicht vom dazugehörigen Getriebe abhängig machen. Während es den Zwölfender im S 600 nur mit der Siebengang-Automatik geben wird, arbeitet im kleineren S 500 bereits der neue Neungang-Automat. Darüber hinaus lässt sich der S 500 ab Juni 2015 mit permanentem Allradantrieb ausrüsten. Gesetz dem Fall, der Termindruck erlaubt die zusätzlichen vier Monate Wartezeit, denn die beiden anderen Modelle sind bereits ab Februar 2015 bestellbar. Und wenn dann noch irgendetwas zum glücklich werden in der ersten oder vornehmlich in der zweiten Reihe fehlt, die Sub-Marke geht selbstverständlich auch auf individuelle Kundenwünsche ein.

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