Opel Onstar: Schnelle Hilfe im Notfall und bei kleineren Malheurs

Als die Einladung zu Opels Onstar-Veranstaltung in die Redaktion flattert, sind wir erstmal skeptisch. WLAN-Hotspot im Auto, Concierge-Service, Handy-Fernbedienung und SOS-Button: Was soll daran neu sein? Hat nicht Peugeot seit Ewigkeiten einen Not-Knopf in seinen Autos, bietet BMW nicht auch telefonische Hilfen für den Autofahrer an? Und ein Handy als Fernbedienung für die Türverriegelung gibt es auch in der Mercedes C-Klasse, ein WLAN-Hotspot steht sogar in der Zubehörliste des Toyota Yaris. Was also hat Opel, was andere nicht haben? Wir haben uns vor Ort im englischen Onstar-Zentrum informiert.

In den USA seit langem erfolgreich
Wer Onstar bereits seit langem kennt, ist wahrscheinlich Amerikaner oder hat sich wie wir jahrelang auf US-Automessen herumgetrieben. Denn in den Staaten ist der Dienst in den Fahrzeugen von General Motors schon seit 19 Jahren verfügbar, und wird auch von über 50 Prozent der Eigentümer verwendet. Nun kommt Onstar auch nach Deutschland. Es ist in allen Opel-Modellen verfügbar, ab Ende 2015 sogar im Kleinstwagen Karl.

Die Onstar-Box und der Notfallservice
Um den Dienst nutzen zu können, braucht man eine Onstar-Box, die eine SIM-Karte und ein GPS-Modul enthält. Der Service ist bei den höheren Ausstattungen serienmäßig, bei den Einstiegsvarianten zahlt man 490 Euro für die Freischaltung. Um telefonisch Unterstützung zu erhalten, drückt man einen der Knöpfe am Dach. Mit dem SOS-Button holt man bei einem Unfall schnell Hilfe, aber auch, wenn zum Beispiel das Kind im Fond von einer Wespe in die Zunge gestochen wurde, oder wenn man Zeuge eines Crashs ist. Der Callcenter-Mitarbeiter fragt nach der Art des Unfalls und holt den Krankenwagen. Durch das GPS-Modul kann er den Sanitätern den genauen Standort des Fahrzeugs mitteilen. Melden die Sensoren des Fahrzeugs einen Unfall mit Airbagauslösung, wird automatisch eine Sprechverbindung hergestellt, und wenn niemand antwortet, schickt der Callcentermitarbeiter einen Hilfsdienst.

Auch für weniger dringende Fälle
Über einen zweiten Knopf kann man sich in weniger dringenden Fällen helfen lassen. Zum Beispiel, wenn irgendeine Warnlampe im Auto brennt, und man wissen möchte, ob man trotzdem weiterfahren kann. Oder wenn man eine Panne hat und den Abschleppdienst braucht. Oder weil man den nächsten McDonalds sucht und keine Lust hat, sich durch die Menüs des Navigationssystems zu wühlen. Der Servicemitarbeiter schickt auf Wunsch die gesuchte Retaurant-Adresse an das Navi im Auto und man kann sofort losfahren. Wenn das eigene Fahrzeug gestohlen wird, kann man mit einem Anruf im Callcenter eine Ortung durchführen lassen und das Ergebnis der Polizei melden. Es ist sogar möglich, ein Anlassen des Fahrzeugs zu unterbinden. Beides setzt allerdings voraus, dass man den Diebstahl der Polizei gemeldet hat. Die Verringerung der Fahrzeugleistung ist nur in den USA möglich – dies ist bei uns aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.

Ferndiagnose und Fernbedienung
Über den Servicebutton kann man auch eine Ferndiagnose durchführen lassen. Das Servicecenter kann leicht checken, ob das Öl gewechselt werden muss, wie der Tankwart behauptet. Man kann sich den Luftdruck aller vier Reifen ansagen lassen. Und monatlich geht automatisch eine E-Mail mit Informationen zur Fitness des Autos an die Werkstatt. Außerdem gehört eine Handy-App zu Onstar, mit der man eine Art Fernbedienung fürs eigene Fahrzeug erhält: Man kann das Fahrzeug ver- und entriegeln – zum Beispiel, wenn man sich nicht mehr sicher ist, ob man das Auto verschlossen hat. Man kann auch seinen Opel lokalisieren oder hupen lassen, weil man ihn auf dem riesigen Supermarktplatz nicht mehr findet. Oder Tankfüllstand und Reifendruck von jedem beliebigen Ort aus checken und vieles mehr.

Kein Concierge-Service
Was Onstar nicht bietet, ist ein richtiger Concierge-Service, also Dienstleistungen wie eine Zugfahrkarte zu besorgen oder Theaterkarten zu bestellen. Auch Empfehlungen über das beste Restaurant in der Nähe sind nicht möglich. Für diese Dienstleistungen fehlen Opel die Daten. Denn der Servicemitarbeiter darf aus rechtlichen Gründen nicht einfach Google Maps oder den Tripadvisor bemühen – die sind privaten Nutzern vorbehalten.

WLAN-Hotspot und Gratis-Internetverbindung
Neben den diversen Callcenter-Services und der App bekommt man noch einen WLAN-Hotspot, der es erlaubt, bis zu sieben Geräte im Auto mit dem Internet zu verbinden. Die europaweite LTE-Internetverbindung mit unbegrenztem Datenvolumen ist inklusive. Dabei wird eine besonders leistungsfähige Dachantenne eingesetzt, die deutlich bessere Übertragungsraten ermöglichen soll als mit dem Handy. Für die ersten zwölf Monate ist sowohl die Nutzung von Onstar als auch des Hotspots gratis. Danach verlangt Opel für Onstar eine Nutzungsgebühr von 99 Euro pro Jahr. Was die Internetverbindung kosten wird, ist noch nicht klar.

Das Besondere ist die Breite des Angebots
Was also ist das Besondere an Onstar? Die einzelnen Services sind bekannt, aber nur die Marke aus Rüsselsheim bietet das ganze beschriebene Leistungsspektrum für alle ihre Fahrzeuge an. Wünschenswert aus der Sicht des Autofahrers wäre eine Erweiterung um Concierge-Dienste, wie es sie bei anderen Marken gibt. Und vielleicht eine bessere Steuerung des Datenflusses. So kann man zum Beispiel bei den Connect-me-Services von Mercedes die einzelnen Funktionen per Webseite an- und abschalten – zum Beispiel, weil man nicht will, dass die Werkstatt bei jedem Problemchen anruft, weil man lieber zur billigeren Noname-Werkstatt geht. Ob die Nutzung des Hotspots interessant ist, hängt vom Preis ab: Wir würden für einen Internetzugang, der nur im Auto verfügbar ist, nicht gern soviel zahlen wie für den Handy-Zugang, der einem ständig zur Verfügung steht.

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