Tschüß Cayenne: So irre kommt der Bentley Bentayga

Das ist er also, der Bentley Bentayga. Die königlichen Briten haben jetzt wirklich ein SUV. Und zwar mit ziemlicher Sicherheit das luxuriöseste und ausschweifendste, das die Welt je gesehen hat. Erstmals bestaunen können Sie den Über-Offroader auf der IAA in Frankfurt (17. bis 27. September 2015). Alles, was Sie zum Bahnen brechenden Bentayga wissen müssen, erfahren Sie hier.

Mit Überholprestige. Viel Überholprestige
Was das Design des Bentayga betrifft, ist sich Bentley sehr treu geblieben. Wäre man jemals auf die Idee gekommen, sich ein Bentley-SUV vorzustellen, dann hätte man es sich mit Sicherheit genau so vorgestellt. Das Gesicht und die hinteren Radhäuser schreien ,Continental GT" und es gibt das typische ,fliegende B" an Kotflügeln und als Signatur in den Rückleuchten. Dezent wird es die erlauchte Kundschaft nicht gewollt haben und dezent kriegt sie es auch nicht. Überholprestige dürfte in Massen vorhanden sein.

Sauschnell, nicht nur für ein SUV
Auch unter der Haube geht es wenig zurückhaltend zu. Zeitgemäß sparsame Diesel- oder Plug-in-Hybrid-Versionen sucht man (noch) vergebens. In nicht allzu ferner Zukunft soll sich das jedoch ändern. Einzige Bentayga-Option ist vorerst ein komplett neu entwickelter 6,0-Liter-W12 mit zwei brünftigen Turboladern. Er bringt es auf hanebüchene 608 PS und 900 Newtonmeter Drehmoment, die bereits ab 1.250 U/min zur Gänze anliegen. Über eine Achtgang-Automatik geht der ganze Wahnsinn an alle vier Räder und das in reichlich beeindruckender Manier: Der Bentley Bentayga knallt in 4,1 Sekunden auf 100 km/h und schafft 301 km/h Spitze. Wir hätten nicht gedacht, dass wir das mal schreiben müssten, aber damit gibt es jetzt ein SUV, das schneller ist als der Porsche Cayenne Turbo S. Den Vebrauch geben die Briten übrigens mit 12,8 Liter im Schnitt an. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 292 Gramm pro Kilometer und damit zwölf Prozent weniger als beim alten W12. Wir gehen davon aus, dass man nicht allzu schnell fahren sollte, um diesen Wert zu erreichen.

15 Kühe
Im Interieur des Bentley Bentayga erwartet den erfolgsverwöhnten Naturburschen wenig überraschend ein Level an Luxus und Verarbeitung, das nur sehr schwer zu toppen sein dürfte. 15 Kühe (oder besser ihre Häute) stecken in jedem Innenraum und 14 Stunden Arbeit gehen pro Auto nur für die Hölzer drauf. Die üppigen Sitze massieren, belüften und verstellen sich 22-fach. Hinten hat man die Wahl zwischen einer konventionellen Rückbank oder zwei Einzelsitzen. An die Kinder (viele Kinder) denkt Bentley ebenfalls. Denn in Kürze wird es den Bentayga auch als Siebensitzer geben. Der Kofferraum fast 590 Liter und hat optional ein ganz besonderes Schmankerl in petto. Den sogenannten ,Folding event seat", der den Kofferraumboden in eine Art Nobel-Ledersofa verwandelt. Eine große Box für den jederzeitigen, standesgemäßen Champagner-Empfang ist ebenfalls zu haben.

Luxus-Infotainment
Auch technologisch haut Bentley mit dem Bentayga ganz schön auf den Putz. Eher Standard erscheint der Acht-Zoll-Infotainment-Touchscreen vorne. Weniger Standard sind allerdings die zwei herausnehmbaren 4G-WiFi-10,2-Zoll-Tablets hinten sowie eine 3,5 Zoll große Touchscreen-Fernbedienung, um von der Rückbank aus Klima- und Audio-Angelegenheiten zu regeln. Zudem gibt es auf Wunsch eine Naim-1.950-Watt-Stereoanlage mit 18 Lautsprechern. In Sachen Assistenzsysteme bietet Bentleys Über-SUV unter anderem einen Bremsassistenten, einen Stauassistenten, einen Querverkehrswarner, einen Einparkassistenten und eine 360-Grad-Kamera. Bei den schieren Ausmaßen des Bentayga (5,14 Meter Länge; 2,00 Meter Breite) dürften Letztere zu den beliebtesten Features gehören.

Acht Fahrmodi
Ach ja, Offroad geht mit dem Bentayga natürlich auch. Und das vielleicht sogar professioneller, als es viele erwartet hätten. Mit einer Watttiefe von 500 Millimeter, einer Bodenfreiheit von immerhin 245 Millimeter und einer konfigurierbaren Bergabfahrhilfe sollte mehr drin sein als eine ungepflegte Schloßauffahrt. Mit dem optionalen ,Offroad-Pack" steigt die Anzahl der Fahrmodi auf fast schon unüberschaubare acht. Zu den üblichen Modi Comfort, Sport, Bentley und Custom, die sich um Dämpfung, Motor-Ansprechverhalten, Fahrhöhe, Rollneigung und Traktionskontrolle kümmern, gesellen sich dann noch die vier Programme Snow & Grass, Dirt & Gravel, Mud & Trail sowie Sand Dunes.

Erstmals mit elektrischer Wankstabilisierung
Damit sich über 2,4 Tonnen an zwölfzylindriger SUV-Schrankwand angemessen elegant durch die Kurve jagen lassen, hat Bentley ein reichlich komplexes ,Dynamic Ride System" entwickelt: Der Bentayga verfügt über Luftfederung eine neue elektromechanische Lenkung und eine elektronische 48-Volt-Wankstabilisierung (weltweit erstmals in einem Auto) für ,klassenbeste Werte bei Fahrkomfort, Lenkgefühl und Handling". Das neue System justiert die Steifigkeit in allen vier Ecken des Autos in Echzeit und versteift oder entspannt das Fahrwerk je nachdem, wie zügig man den Bentayga in die Biegung manövriert. Im besten Fall sollte das Auto also schön flach in die Kurve gehen, dabei aber so charmant federn, wie man es von einem Bentley gewohnt ist. Obwohl der Bentayga auf der MLB-Plattform des neuen Audi Q7 steht, ist er aber heftige 362 Kilo schwerer. Erwarten Sie also trotz des gehörigen Dynamik-Aufwands kein tänzelndes Sport-Wunder.

Ab Anfang 2016
So üppig wie alles an diesem Mega-SUV daherkommt fällt natürlich auch die Preisgestaltung aus. Der Bentley Bentayga wird Sie mindestens 200.000 Euro kosten und das vor einem ausgedehnten Besuch der Preisliste. Wie ausgedehnt dieser werden kann, zeigen Must-Have-Extras wie der herausnehmbare Champagner-Korb inklusive Kühlschrank und Kristallgläsern, ein Ablagefach speziell für Schwimmsachen oder die Mulliner ,Tourbillon by Breitling"-Uhr im Armaturenbrett, die von den Bewegungen des Bentayga automatisch aufgezogen wird. Für Entscheidungsfreudige gibt es darüber hinaus 90 Lackfarben, 15 Teppich-Arten, sieben Furniere und 15 Leder-Kombinationen. Die Auslieferung des Bentley Bentayga beginnt Anfang des Jahres 2016. der deutlich günstigere Diesel dürfte zeitnah folgen.

Lesen Sie auch:

Bildergalerie: Bentley SUVt wie noch nie