Luxus, Hightech, Autonomie: So irre ist der Mercedes F 015 auf der CES 2015

Mit der Studie F 015 ,Luxury in Motion" will Mercedes auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas (6. bis 9. Januar 2015) demonstrieren, wie wir in gut 20 Jahren Auto fahren könnten. Wobei wir das mit dem Fahren, zumindest wenn es nach den Schwaben geht, wohl grundsätzlich überdenken müssen. Laut Mercedes ist die gewaltige Luxus-Limousinen-Studie F 015 nämlich nicht weniger als ,der Vorbote einer Mobilitätsrevolution". In Kurzform bedeutet das: Der Benz der Zukunft fährt autonom, mit Brennstoffzelle und verwandelt das Interieur wie wir es kennen in ein Hightech-Wohnzimmer der Luxusklasse.

Kommunizieren per LED
Wie gut das mit dem autonomen Fahren schon heute klappt, hat Mercedes mit dem S 500 Intelligent Drive und seinem Future Truck 2025 bereits bewiesen. Die CES-Studie F 015 geht nun einen Schritt weiter und verwandelt das Auto in einen privaten Rückzugsraum, in dem man seine Zeit nicht unbedingt am Steuer ,verschwenden" soll. Um zu arbeiten, sich multimedial zu amüsieren oder zu lümmeln wie in einer Lounge, braucht man vor allem Platz. Daher gönnt Mercedes seinem Forschungsfahrzeug gewaltige 5,22 Meter Länge, 2,02 Meter Breite und einen Mega-Radstand von 3,61 Meter. Neben den wie aus einem Stein gehauenen Linien des F 015 und seinen gewaltigen 26-Zoll-Rädern fallen vor allen Dingen die massiven LED-Leuchtmodule an Front und Heck ins Auge. Über sie kommuniziert der Zukunfts-Gleiter mit seiner Umwelt. So zeigt ein Display Fußgängern, dass das Auto sie gesehen hat. Ebenso kann der nachfolgende Verkehr gewarnt werden. Über die LED-Lichter wird auch signalisiert, in welchem Betriebsmodus sich der F 015 befindet – blau steht für autonomes Fahren, weiß zeigt, dass tatsächlich ein Mensch am Lenker sitzt. Über ein Laser-Projektionssystem kann das Fahrzeug sogar diverse Infos auf die Straße werfen. Virtuelle Zebrastreifen zum Beispiel, um Fußgängern zu signalisieren, dass sie gefahrlos queren können. Während der F 015 bremst, kann er so auch anzeigen, wo er zum Stehen kommen wird.

Steuerung über Augen, Gesten und Berührung
Noch extremer wird es im Interieur des futuristischen Mercedes-Konzeptes. Der Einstieg in den Palast aus Leder, Metall, Glas und Edelholz erfolgt über gegenläufig und bis zu 90 Grad öffnende Türen. Bei einem Crash blähen sich Elemente darin auf, um Energie zu absorbieren. Für mehr Stabilität verzahnen sich die Türen auch miteinander. Eine B-Säule gibt es nicht. Die Fülle an Raum (der F 015 hat fast 25 Zentimeter mehr Radstand als die neue Maybach S-Klasse) wird von vier drehbaren Lounge-Sesseln beansprucht, die eine Vis-à-Vis-Anordnung ermöglichen. Hat man tatsächlich einmal Lust, selber zu fahren, dreht man die Sessel einfach um. Das Lenkrad fährt dann automatisch aus dem Armaturenbrett. Neben den schicken Stühlen bleiben im Cockpit des F 015 aber vor allem die sechs Displays haften, die im Armaturenbrett, an Rück- und Seitenwänden sowie als Fondtisch installiert wurden. Hier werden Routenplanung, Musikauswahl, Kontakte, Spiele oder Videos angezeigt und über Gesten oder Berührungen gesteuert. Selbst die Fahrzeugumgebung, also das, was draußen passiert, gelangt so ins Auto. Möglich wird das durch diverse Stereokameras sowie Radar- und Ultraschallsensoren. Die Bedienung des Front-Displays erfolgt über eine Kombination aus Eye-Tracking und Gestensteuerung, sprich: Sie schauen das gewünschte Bedienfeld (Navi, Radio etc.) an, es erkennt Ihre Bedienabsicht und lässt Sie dann per Handbewegung interagieren. Eine spezielle App schickt den F 015 zudem selbständig auf Parkplatzsuche oder beordert ihn an den gewünschten Platz.

1.100 Kilometer Reichweite, null Emissionen
Befeuert wird der Mercedes F 015 von einem Elektroantrieb mit Brennstoffzelle. Zwei im Heck angeordnete E-Motoren leisten jeweils 136 PS und 200 Newtonmeter Drehmoment. Die Maximalleistung beträgt 272 PS, dauerhaft fährt die Studie mit 163 PS. Mercedes verspricht eine Gesamtreichweite von 1.100 Kilometern. 200 Kilometer können allein mit der Batterie gefahren werden, 900 Kilometer Reichweite bringt der Strom aus der Brennstoffzelle. Der Spurt von null auf 100 km/h soll 6,7 Sekunden dauern, die Höchstgeschwindigkeit beträgt elektronisch begrenzte 200 km/h. Auf einer Strecke von 100 Kilometer soll der F 015 umgerechnet 0,6 Kilo Wasserstoff verbrauchen. Das entspricht laut Mercedes in etwa einem Verbrauch von 2,0 Liter Diesel. Für eine bestmöglich geschützte Unterbringung des Antriebssystems setzt Mercedes bei der Karosserie seines Concept Cars auf einen neuen Materialmix aus carbonfaserverstärktem Kunsstoff (CFK), Aluminium und hochfesten Stählen. Neben einer höheren Festigkeit und besserer Crashsicherheit soll so auch das Gewicht der Rohkarosse im Vergleich zu heutigen Serienfahrzeugen um 40 Prozent sinken.

Noch in diesem Jahrzehnt autonom auf der Autobahn
Dass Mercedes die Studie F 015 als Teil seiner ,Vision2030+" sieht, zeigt, dass wir auf die teils futuristischen Lösungen dieses Forschungsfahrzeugs wohl noch ein wenig werden warten müssen. Einzelne Technologie-Bausteine des CES-Konzepts dürften aber schneller als gedacht den Weg in die Serie finden. So sagt Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber: ,Ich bin absolut zuversichtlich, dass wir unseren Kunden noch in diesem Jahrzehnt Themen wie komplett automatisches Einparken oder automatisches Fahren auf der Autobahn anbieten können."

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