VW-Skandal um manipulierte Motorsoftware

Das Ultimatum des Kraftfahrtbundesamts läuft bis zum 7. Oktober, doch schon am 30. September stellte der Volkswagen-Konzern erste Pläne zur Nachbesserung des Abgasverhaltens von Dieselfahrzeugen vor. Diese sind nötig, weil bestimmte Autos die angegebenen Abgasnormen nicht einhalten.

Käufer werden informiert
Im Detail wollen VW und die anderen betroffenen Konzernmarken (Audi, Skoda und Seat – Porsche ist angeblich nicht involviert) die technischen Lösungen und Maßnahmen dann im Laufe des Oktober präsentieren. Käufer der Fahrzeuge werden in den nächsten Wochen und Monaten darüber informiert, so VW. Alle betroffenen Konzernmarken wollen nationale Internetseiten schalten, wo sich Kunden über den aktuellen Stand der Dinge fortlaufend in Kenntnis setzen können.

Fünf Millionen VWs, 2,1 Millionen Audis
Von insgesamt elf Millionen Konzernfahrzeugen weltweit brauchen rund fünf Millionen Fahrzeuge der Marke Volkswagen Pkw eine Umrüstung. Nach Medienberichten geht es außerdem um 2,1 Millionen Audis, 1,8 VW-Nutzfahrzeuge, 1,2 Millionen Skodas und 700.000 Seat weltweit. Das Problem betrifft bestimmte Modelle mit Euro-5-Dieseln des Typs EA 189 (1.2 TDI, 1.6 TDI und 2.0 TDI) der Baujahre 2009 bis 2014, darunter den VW Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und die erste Generation des Tiguan. Aktuelle Neuwagen des Konzerns mit Euro-6-Motoren sind laut VW nicht betroffen. Außerdem legt der Konzern Wert auf die Feststellung, dass alle Fahrzeuge technisch sicher und fahrbereit sind.

Personelle Neuordnung
Personell und organisatorisch stellt sich der Konzern inzwischen neu auf. Neuer Porsche-Chef als Nachfolger von Matthias Müller wird Oliver Blume, bisher Produktionsvorstand. Neuer Skoda-Chef wird Bernhard Maier, bislang Vertriebschef bei Porsche, und Seat leitet künftig der bisherige Audi-Vertriebschef Luca de Meo. Bei Audi und VW bleibt an der Spitze alles beim Alten.

Anfangsverdacht gegen Winterkorn und andere
Außerdem kommt die juristische Aufarbeitung der Diesel-Affaire ins Rollen. So hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig zwar kein Ermittlungsverfahren gegen den bisherigen Konzernchef Martin Winterkorn eröffnet, wie es ursprünglich hieß. Doch es gibt einen Betrugsverdacht. Auch die Staatsanwaltschaft Ingolstadt prüft, ob sie Ermittlungen gegen Audi-Verantwortliche einleiten wird. Frühere Konzernmanager wie Bernhard Pischetsrieder und Wolfgang Bernhard sehen sich ebenfalls Vermutungen gegenüber, sie seien beteiligt gewesen. Dasselbe gilt für den früheren VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg, der inzwischen wie der heutige Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer bei VW beurlaubt ist. Wer die Entscheidung für die Zykluserkennung gefällt hat, steht aber noch nicht fest.

Prozesswelle in den USA steht bevor
Unterdessen rollt eine Prozesslawine auf VW zu. Unter anderem klagt ein texanischer Landkreis gegen die Firma, weil das County wegen der stickoxidhaltigen Abgase die Klimaschutzregeln nicht einhalten konnte. Dabei geht es ,nur" um rund 90 Millionen Euro, doch das dürfte erst der Anfang sein. Am Donnerstag (1. Oktober) erhob auch ein erster deutscher Aktienanleger eine Schadensersatzklage. Den Gesamtschaden beziffert die Landesbank Baden-Württemberg mit 47 Milliarden Euro, wobei der Imageeffekt noch gar nicht berücksichtigt ist.

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