Skandal um Diesel-Emissionen

Um in der Dieselaffäre zu retten, was noch zu retten ist, geht VW in die Informationsoffensive. Mitarbeiter, betroffene Kommunen und Kunden werden verstärkt informiert, welche Folgen zu befürchten sind.

Müller bei Betriebsversammlung
So muss die Belegschaft beruhigt werden, die nun um ihre Arbeitsplätze fürchtet. Die Befürchtung ist: Die Konzernleitung könnte sinkende Gewinne, die sich ergeben, weil Geld in teure Rückrufaktionen und Schadensersatzleistungen fließt, durch eine Senkung der Personalkosten kompensieren. Deshalb findet am heutigen Dienstag in Wolfsburg eine Betriebsversammlung statt, auf der Konzernchef Matthias Müller zusammen mit dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh die Mitarbeiter informiert.

Kommunen zittern um ihre Steuereinnahmen
Auch etliche Kommunen sind hart von dem VW-Krise betroffen. Die Stadt Wolfsburg etwa hat schon bald nach Bekanntwerden der Vorwürfe mit einer Haushaltssperre und einem Einstellungsstopp reagiert – schließlich steuert VW das Gros der Gewerbesteuern bei. Auch Bundestagsabgeordnete von betroffenen Wahlkreisen wurden angeschrieben, wie das ,Handelsblatt" berichtet. Aus diesem Brief geht hervor, dass die meisten der elf Millionen betroffenen Autos – nämlich acht Millionen – in der Europäischen Union verkauft wurden.

Entschuldigung per Zeitungsanzeige
Schließlich entschuldigt sich der Konzern in ganzseitigen Print-Anzeigen bei den Kunden und informiert über die Webseiten der betroffenen Marken: VW, Audi, Skoda und Seat. Dort ist unter anderem zu lesen, welche Fahrgestellnummern betroffen sind und wie sich die Eigentümer betroffener Fahrzeuge verhalten sollen.

VW-Aktien fallen und fallen
Nicht so leicht beruhigen lassen sich offensichtlich die Aktionäre, jedenfalls sinkt der Kurs der VW-Aktien weiter. Standen die Vorzugsaktien vor der Krise bei 165 Euro, so erreichten sie am Montag mit 92 Euro ein Fünfjahrestief. Zu Jahresbeginn notierten die Aktien noch bei über 250 Euro.

EPA prüft jetzt auch die Diesel anderer Marken
Und auch die Behörden geben noch keine Ruhe. Die US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) erwägt laut verschiedenen Medienberichten, ob schärfere Abgasregeln für die ganze Branche nötig sind. Derzeit wird geprüft, ob auch andere Hersteller eine Zykluserkennung einsetzen. Auch Fahrzeuge von Volvo, Renault und Hyundai hätten auf der Straße höhere Abgaswerte gezeigt als auf dem Prüfstand.

VW hielt Geständnis zurück
Der Skandal hatte am 19. September mit der Mitteilung der EPA begonnen, dass VW-Diesel durch eine spezielle ,Zykluserkennung" auf dem Prüfstand niedrigere Stickoxid-Emissionen vortäuscht. Den Sachverhalt hatte VW aber offenbar gegenüber der EPA bereits Anfang September zugegeben, ohne die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Dies geschah erst, nachdem die EPA die Vorwürfe veröffentlicht hatte.

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