Mercedes S-Klasse Coupé mit Swarovski-Kristallen und Neigetechnik

,Die Passagiere sitzen satter im Sitz," behauptet Mercedes vom neuen S-Klasse Coupé. Nun möchte man annehmen, dass die Passagiere eines so teuren Autos ohnehin keine Hungerleider sind. Die Stern-Lyriker meinen aber auch etwas anderes: Man soll dank neuem Hightech-Fahrwerk komfortabler fahren.

Neigetechnik wie bei der Deutschen Bahn
Das soll eine Neigetechnik wie bei den Zügen der Deutschen Bahn ermöglichen. Dazu baut Mercedes auf dem ABC-Fahrwerk des Vorgängermodells CL auf. Bei Active Body Control kann über eine Hydraulik die Federkraft an jedem Rad einzeln eingestellt werden, um zum Beispiel ein Wanken in der Kurve zu verhindern. Während dieses System auf diversen mechanischen Sensoren basierte, verfügt die neue S-Klasse über ein sehendes Fahrwerk: Bei ,Magic Body Control" mit ,Road Surface Scan" erkennt eine Stereokamera hinter der Frontscheibe Bodenunebenheiten, und das Fahrwerk stellt sich darauf ein. Das Coupé erweitert diese Lösung, um die Kurvenfahrt harmonischer zu machen. Mit der neuen Neigefunktion legt sich das Coupé in die Kurve. Also eine Funktion für sportliche Fahrer, die höhere Kurvengeschwindigkeiten erreichen möchten? Nein, Ziel ist laut Mercedes ein angenehmes Fahrerlebnis – also mehr Komfort, nicht mehr Sport. Mit maximal 2,5 Grad hält sich die Neigung aber auch in engen Grenzen, Motorradfahrer dürften da nur mit dem Kopf schütteln.

Motorsound je nach Laune
Auch beim Sound musste sich Mercedes zwischen Sport und Komfort entscheiden. Höllenlärm wie in der Formel 1 ist im neuen S-Klasse-Derivat natürlich tabu, Totenstille wie im Leseraum der Bibliothek wäre aber auch seltsam. Damit ein regelbares Geräuscherlebnis entsteht, hat sich Mercedes für eine klappengesteuerte Abgasanlage entschieden. Ist der Fahrer in Sportlaune, wählt er das entsprechende Fahrprogramm, und die Klappen im Auspuff öffnen sich schon bei geringer Drehzahl, was für kraftvollen Sound sorgt. In Komfortstimmung oder nach stundenlanger Autobahnfahrt entscheidet er sich fürs E-Programm, und es bleibt eher ruhig. So oder so: Beim Starten des Motors ertönt ein kraftvoller Sound.

Gerüstet für Unfälle und üble Gerüche
Wenn man auf seinem Weg vom Tellerwäscher zum Millionär in der Vorstandsetage angekommen ist, umgeben einen Assistenten bis zum Abwinken – sogar im Auto. Das S-Klasse Coupé lässt sich mit Elektronikhelfern von der Pre-Safe-Bremse bis hin zum adaptiven Fernlicht-Assistenten ausstatten. Wenn`s hilft, das teure Auto und die eigene Visage beulen- und kratzerlos zu halten, sind die paar tausend Euro Aufpreis wohl keine schlechte Investition. Aber wer denkt schon an Unfälle? Näher liegt der Gedanke an kleinere Malheurs. Damit man drinnen nicht an seinem eigenen Mief erstickt, kann man das Air-Balance-Paket ordern. Üble Vorstandsgerüche werden so per Beduftung und Ionisierung entschärft. Um peinliche Geräusche und belanglose Gespräche zu übertönen, gibt es auf Wunsch eines von zwei Surround-Soundsystemen von Burmester.

A-Klasse-Schnauze, aber mit Kristallen
Sportlichkeit und Komfort: Was normalerweise so gut zusammenpasst wie Rennradfahren und Ohrensessel, soll im S-Klasse Coupé zusammenfinden. Die Optik des Coupés ist jedenfalls gegenüber dem CL deutlich sportlicher geworden. Dies war schon auf der IAA 2013 zu erkennen. Bereits die dort gezeigte Studie sah aber auch von vorne eher wie eine A- als wie eine S-Klasse aus. Wem das zu gewöhnlich ist, der kann sein Ego mit Swarovski-Kristallen zum Strahlen bringen. Für einen kleinen Aufpreis erhält man 17 eckige Kristalle fürs Tagfahrlicht, 30 runde für den Blinker. Weniger positiv fürs Ego dürfte der Größenschwund beim S-Klasse Coupé sein: Mit 5,03 Meter ist es nicht länger, sondern ein paar Zentimeter kürzer als der CL. Teilweise ausgleichen lässt sich das, indem man einen besonders großen Stern für die Kofferraumklappe bestellt. Das lohnt sich besonders für Rückwärtsfahrer: Denn der Stern schwenkt aus, damit man draußen merkt, dass eine Rückfahrkamera eingebaut ist.

Sportliche Sitze fürs Ego
Innen sieht das Coupé ähnlich aus wie die Limousine. So gibt es neben dem großen Display vor dem Fahrer ein weiteres, auf das auch die Beifahrerin oder der Beifahrer blicken kann. Um Streit zu vermeiden, werden die Partner durch eine breite Mittelkonsole getrennt. Sportlich gibt sich das Coupé bei den Sitzen: Sie haben seitlich dicke Wülste, die für Seitenhalt sorgen. Auf die Inneneinrichtung fällt serienmäßig viel Licht: Ein Panoramadach nimmt zwei Drittel der Fläche ein. Es lässt sich per Knopfdruck durchsichtig oder dunkel schalten. Dazu wird an die Lichtventilschicht der Scheibe eine Spannung angelegt. Dadurch richten sich die Teilchen darin so aus, dass Licht die Scheibe durchdringen kann. Bei ausgesschalteter Spannung bleibt die Scheibe dunkel. Für die dunkle Jahreszeit gibt es serienmäßig eine Ambiente-Beleuchtung. Ihr Licht lässt sich mit sieben Modi der Stimmung anpassen. Optional gibt es ein Head-up-Display. Das Bild scheint in etwa zwei Meter Entfernung über der Motorhaube zu schweben. Auf einer Fläche von 21 mal sieben Zentimeter prunkt das System mit einer Auflösung von gerade mal 480 mal 240 Pixel. Zu wenig? Nun, das Bild ist deutlich weiter entfernt als bei Smartphones, daher zählen hier die Pixel pro Grad Betrachtungswinkel.

Keine Preise fürs Prekariat
Messepremiere hat das S-Klasse Coupé auf dem Genfer Autosalon (6. bis 16. März 2014), zu den Händlern kommt es in der zweiten Jahreshälfte 2014. Zunächst ist nur das S 500 Coupé mit 455 PS erhältlich, doch eine 600er-Version und die beiden Extremvarianten 63 AMG und 65 AMG dürften nachgeschoben werden. Die Preise wurden noch nicht mitgeteilt. Beim CL lagen sie zwischen rund 120.000 und 230.000 Euro, und damit deutlich über den Kosten einer S-Klasse. So klärt sich auch die Frage, warum das Coupé nicht mehr CL heißen durfte. Denn wenn die S-Klasse laut Mercedes das beste Automobil der Welt ist, was hätte dann der teurere CL sein sollen?

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