Leichter, stärker, agiler und mit Wahnsinns-Abtrieb

Mit dem streng auf 799 Exemplare limitierten F12tdf will Ferrari an die Tour de France für Automobile erinnern, einem von 1899 bis 1986 ausgetragenen Langstreckenrennen. Ganz besonders stolz ist man in Maranello auf den 250 GT Berlinetta von 1956, der gleich viermal in Folge gewann. Der F12tdf (die kleinen Buchstaben stehen für Tour de France) soll nun das besondere Flair des Siegerwagens wieder aufleben lassen.

2,9 Sekunden auf Tempo Hundert
Die Grundlage des rabiaten F12tdf bildet der F12berlinetta, dessen V12-Sauger nochmals kräftig Dampf gemacht wird. Nach der Kur powert er mit 780 statt 740 PS, das maximale Drehmoment steigt von 690 auf stolze 705 Newtonmeter bei 6.750 Umdrehungen. 80 Prozent davon sollen schon bei 2.500 Touren anliegen. Ebenfalls geändert wird das F1-Doppelkupplungsgetriebe: Aufgrund einer verringerten Gangspreizung schaltet die Box fixer hoch und nochmals schneller runter. Und weil wir einmal bei ,schneller" sind: Der F12tdf sprintet in 2,9 Sekunden auf Tempo Hundert, in 7,9 Sekunden auf 200 km/h und schafft über 340 km/h Spitze. Da kann der Serienbruder mit 3,1 Sekunden und glatt 340 km/h nur hinterherschauen.

Mächtig abgespeckt
Dank radikaler Änderungen an Karosserie und Technik hat das Editionsmodell nun ein Trockengewicht von 1.415 Kilogramm – das sind 110 Kilo weniger als beim F12berlinetta. Die Arbeiten an der Außenhaut sollten aber auch die Aerodynamik nochmals schärfen. Die neue Frontschürze sieht nicht nur martialischer aus, sondern hat nun im unteren Bereich einen neuen Splitter bekommen. Auch die Bestandteile der sogenannten Aerobridge – das ist ein Lufttunnel, der von der Fronthaube über die Flanken zum Heck verläuft – wurde neu aus Carbon geformt. Selbst der Heckspoiler musste unters Messer: Er ist jetzt 60 Millimeter länger und 30 Millimeter. An der geänderter Heckpartie kommt ein neuer Diffusor zum Einsatz, der über drei aktive Flaps verfügt. Durch alle Modifikationen hat sich der Abtrieb laut Ferrari um 87 Prozent verbessert – er beträgt nun 230 Kilogramm bei 200 km/h. Das sind immense 107 Kilogramm mehr als beim Serienmodell.

Mitlenkende Hinterachse
Breitere Reifen (275er statt 255er) auf größeren Felgen an der Vorderachse erhöhen die Querbeschleunigung. Da diese Maßnahme allerdings auch das Übersteuern fördert, haben die Ingenieure eine mitlenkende Hinterachse entwickelt. Das System, das hier erstmals in einem Ferrari eingesetzt wird, berechnet aus Lenkwinkel, Lenkradbewegung und Geschwindigkeit den optimalen Radwinkel für schnell gefahrene Kurven. Das bringt den Italiener nicht nur agiler ums Eck, sondern verbessert auch die Spurstabilität bei hohem Speed.

Premiere am 8. November 2015
Was die Puristen freuen wird: Innen ist der F12tdf recht spartanisch möbliert. Die Instrumenten-Umrandungen und die Türverkleidungen bestehen aus Carbon, das Handschuhfach musste Kniepolstern weichen. Dass auch hier die Weight Watchers das Sagen hatten, zeigen die Materialien: Statt Leder gibt es Alcantara, das dünne Sportgestühl ist mit einem technischen Gewebe bezogen und im Fußraum findet sich nacktes Aluminium anstelle eines Teppichbodens. Es bleibt die Frage nach dem Preis des Wagens. Die wird vom Hersteller erst am 8. November 2015 beantwortet, wenn das Auto beim ,Finali Mondiali" der Ferrari Challenge in Mugello offiziell vorgestellt wird. Ein kleiner Anhaltspunkt: Der F12berlinetta kostet 268.400 Euro. Der F12tdf dürfte ein ganzes Stück teurer sein.

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