Skandal um manipulierte VW-Motorsoftware

Die Fahrzeuge mit der illegalen Motorsoftware werden offiziell über das Kraftfahrtbundesamt (KBA) zurückgerufen, wie verschiedene Tageszeitungen übereinstimmend und unter Berufung auf einen KBA-Sprecher melden. Nach den Artikeln geht es um 2,4 Millionen Autos. Woher die Abweichung zu den 2,8 Millionen deutschen Fahrzeugen stammt, die Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ins Spiel gebracht hat, ist noch nicht bekannt.

Ein freiwilliger Rückruf ist kein offizieller
VW wollte bisher die betroffenen Wagen im Laufe des Jahres 2016 von sich aus in die Werkstätten rufen. Ein ,richtiger" Rückruf im Sinne des deutschen Produktsicherheitsgesetzes ist das noch nicht. Bei einem offiziellen Rückruf wird der Fahrzeugbesitzer nicht von der Werkstatt, sondern vom KBA kontaktiert. Warum sich das KBA zu diesem Schritt entschloss, ist nicht bekannt.

Neue Schummeleien?
Außerdem hat VW zugegeben, dass noch mehr Autos von den Schummeleien betroffen sind als bisher zugegeben: Nach einem Bericht in ,The Detroit News" hat VW in den USA nicht nur im Produktionszeitraum von 2009 bis 2015 getrickst, sondern auch noch bei den 2016er-Modellen, die gerade in den Handel kommen. Es geht offenbar um eine Software (sozusagen Schummelsoftware Nr. 2), die den Katalysator schneller auf Betriebstemperatur bringt, sodass die Stickoxide bei einem Kaltstart schneller unschädlich gemacht werden. Ob die Technik illegal ist, werde noch von der EPA untersucht, heißt es in dem Artikel. Die betroffenen Autos liegen zunächst einmal auf Halde, bis die Frage geklärt ist. Dabei hatten sich die US-Händler gerade so auf die frische Ware gefreut – denn die Autos des Produktionsjahrs 2015 (mit Schummelsoftware Nummer 1) wurden von VW aus dem Verkauf entfernt.

Wettbewerbsrechtliche Ermittlungen in den USA
In den USA untersucht derweil auch die Wettbewerbsbehörde FTC (Federal Trade Commission), ob VW mit seiner Werbung für Dieselfahrzeuge die Kunden getäuscht hat. Die Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) und die texanische Staatsanwaltschaft ermitteln bereits. Der designierte Nordamerika-Chef Winfried Vahland braucht sich mit dem ganzen Schlamassel nicht mehr zu beschäftigen. Der ehemalige Skoda-Chef verlässt den Konzern wegen Unstimmigkeiten über die zu verfolgende Strategie, wie am gestrigen Mittwoch (14. Oktober) bekannt wurde. Wer den Posten übernimmt, blieb einstweilen unklar – wie so vieles in der ganzen Affäre. Damit wenigstens die Manager noch halbwegs durchblicken, versammelt Konzernchef Matthias Müller nun 400 Top-Entscheider in Leipzig um sich und informiert sie über den Rückruf, die Ermittlungen gegen VW und sein Sparprogramm.

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