Angestrahlt: Das Laser-Fernlicht von BMW

Spätestens seit dem Laserschwert der Jedi-Ritter steht der Laser hoch im Kurs. Alles, was damit zu tun hat, gilt als präzise, effektiv und modern. Gute Voraussetzungen für das Laserlicht im Automobilbau, das nun allmählich serienreif ist. Die Lösung von BMW haben wir bereits in einem Prototyp auf der Straße erprobt.

Tempo 250 bei Nacht
Eine Gewissensfrage vorab: Stellen Sie sich vor, es ist drei Uhr nachts, Sie müssen von Köln nach München, die Autobahn ist völlig leer. Sagen wir, den Sprit zahlt Ihr Chef und Sie sitzen in einem Porsche. Wie schnell fahren Sie? 160? 200? So schnell wie es geht? Im letzten Fall sind Sie auf jeden Fall zu schnell. Denn Xenon-Fernlicht reicht gerade mal 300 Meter weit. Wenn dann ein Laster quer steht, ist das Desaster vorprogrammiert: Sie können nicht ausweichen und zum Bremsen ist es zu spät. Die Faustformel aus dem Führerschein-Unterricht ergibt für eine Gefahrenbremsung aus 250 km/h schon über 300 Meter Bremsweg, und da ist die Schrecksekunde noch gar nicht eingerechnet. Das Ganze hat Folgen: Nur ein Drittel der Fahrstrecken werden bei Dunkelheit zurückgelegt, aber die Hälfte der schweren Unfälle passiert nachts. Nun kann man entweder langsamer fahren, oder man sorgt für besseres Licht – wie BMW es mit dem Laser-Fernlicht tut. Es reicht gleich 600 Meter weit.

Schonung des Gegenverkehrs
Um das neue Licht auszuprobieren, steige ich zu Thomas Hausmann ins Auto. Der BMW-Lichtexperte hat seinen 7er so abgestellt, dass das Laser-Fernlicht weit in eine schöne Platanen-Allee hineinleuchtet. ,Im endgültigen Fahrzeug wird das im Stand nicht funktionieren", sagt Hausmann – das Superlicht soll niemanden blenden. Auf der Landstraße verhindert das der bekannte ,blendfreie Fernlichtassistent". Als uns hinter einer Kurve ein Auto entgegenkommt, erlebe ich es: Automatisch wird das auf der Straße ankommende Licht zurückgenommen. Allerdings geschieht das erst, als das Auto gerade auf uns zu kommt und damit deutlich später, als ich es manuell getan hätte. Hausmann nickt: ,Das kommt daher, dass die Kamera hier" – er fasst nach oben zum Fuß des Innenspiegels – den Scheinwerfer noch nicht erfasst hatte." Es wird aber nicht einfach abgeblendet wie bei normalen Fernlichtassistenten, oder das Laserlicht im Bereich des Gegenverkehrs abgeschattet, sondern die Leuchteinheiten werden nach außen geschwenkt – bis zu 15 Grad von der Straße weg. Ausrichten lassen sich die Lichter ohnehin, um die Kurvenlichtfunktion zu erhalten.

In 600 Meter nur noch ein Lux
,Wir leuchten mit 340 Lux", sagt Hausmann, ,gesetzlich zugelassen sind 344 Lux". Heller geht's also nicht. Im Vergleich zur Straßenbeleuchtung – die wirft nur siebeneinhalb Lux auf die Straße – ist das gleißend hell. Aber die Sache hat einen Haken: Die 340 Lux werden 25 Meter vor dem Auto gemessen. Da die Leuchtstärke exponentiell mit der Entfernung abnimmt, wird aus unserem machomäßigen Lichtschwert mit zunehmendem Abstand ganz schnell eine müde Funzel. Hausmann weist mich auf ein Verkehrszeichen hin, das ungefähr 500 Meter entfernt ist: Im Laserlicht ist das reflektierende Schild noch zu erkennen, allerdings nur noch mit einem matten Leuchten. In 600 Meter kommt nur noch ein Lux an, gibt Hausmann zu.

Blaues Laserlicht wird zu weißem Fernlicht
Später erklärt mir der Experte das System nochmal im Detail. Jetzt, als Hausmann vor mir steht, fällt mir auf, wie gut er zu seinem Thema passt: Seine Augen leuchten ebenso blau wie das Licht, das der Galliumnitrid-Feststofflaser erzeugt. Die Strahlen von drei Laserdioden werden zu einem Strahl kombiniert, der dann auf ein winziges Stückchen gelben Phosphors trifft. Dieser wandelt das extrem reine Blaulicht in weißes Licht von etwa 5.500 Kelvin um – das Fernlicht. Es verbraucht trotz der enormen Leuchtweite 30 Prozent weniger Energie als Xenon-Fernlicht und braucht weniger Platz. Das System stammt von Osram, wie auch das Konkurrenzlicht von Audi. Auf den Markt kommt es mit dem BMW i8 im Herbst 2014, danach wird es bei der Oberklasse beginnend in weiteren Fahrzeugen auftauchen. Zum Preis schweigt sich BMW noch aus.

Gallery: Laser-Fernlicht von BMW