Wow, ist das modern: Mercedes Vision Tokyo

Immer mehr Designstudien sind eher Wohnzimmer als Autos im vertrauten Sinn. Das Rezept: Man nehme eine Van-artige Karosserie und zimmere ein paar Liegestühle oder dergleichen hinein. Der Hersteller will uns damit sagen: Autos fahren bald autonom, und wir forschen daran. Die neueste Kreation heißt Vision Tokyo und steht – richtig geraten: auf der Tokyo Motor Show (30. Oktober bis 8. November 2015) am Mercedes-Stand.

Drei Unterschiede zum F 015
Die Studie sieht dem im Januar 2015 von der US-Elektronikmesse CES präsentierten Mercedes F 015 Luxury in Motion ähnlich. Doch es gibt Unterschiede: Erstens ist die Tokio-Version mit 4,80 Meter rund 20 Zentimeter kürzer. Zweitens gibt es innovative Türen und drittens haben sich die Innenarchitekten von Mercedes eine andere Einrichtung einfallen lassen.

So groß wie ein Ford S-Max
Die Abmessungen der neuen Studie – sie ist 4,80 Meter lang, 2,10 Meter breit und 1,60 Meter hoch – entsprechen denen eines Mittelklasse-Vans à la Renault Espace oder Ford S-Max. Das Ganze könnte also ein großer Bruder der B-Klasse werden, ein Van-Ableger der C-Klasse. Die Passagiere steigen über eine nach oben aufgleitende Tür ein. Wohlgemerkt: Es ist keine Flügeltür, sondern sie schiebt sich über das Dach. Innen zieht sich eine Sitzbank wie in der heimischen Wohnküche an der Wand entlang. Sie bietet bis zu fünf Insassen Platz.

Halbtransparente Seitenscheiben
Um innen eine heimelige Atmosphäre zu erzeugen, sind die Seitenscheiben nur teilweise transparent: Sie wurden im Siebdruckverfahren in Wagenfarbe bedruckt. Das soll auch für genügend Licht im Innenraum und einen freien Blick nach draußen sorgen. Die Scheiben an Front und Heck sind jedoch transparent, damit der Fahrer gut sieht. Denn die Studie kann nicht nur autonom fahren, sie lässt sich auch von Hand steuern. Dazu wird vorne ein Jump-Seat aus der Couch herausgeklappt, das Lenkrad fährt aus der Bordwand aus.

Ein Feld, das einst ein Grill war
Angetrieben wird das Auto natürlich elektrisch. Der moderne Antrieb wird durch blau leuchtende Flächen und Linien verdeutlicht – in dieser Farbe leuchten die riesigen 26-Zoll-Felgen, aber auch die Seitenschweller und ein Heckelement sowie das ,Feld an der Front" – so nennt Mercedes das, was bei einem normalen Auto der Grill ist. Auf diesem Feld können unterschiedliche Leuchtfunktionen dargestellt werden. Läuft zum Beispiel Musik im Fahrzeug, visualisiert das Display das Klangbild. Die Heckscheibe wird von roten LED-Klötzchen umrandet, was für optische Tiefe sorgt.

Strom durch Aufladen oder aus Brennstoffzellen
Den Elektro-Antrieb übernimmt die Tokio-Studie vom F 015 Luxury in Motion: Der Strom wird entweder per Kabel von einer Ladestation bezogen oder an Bord von Brennstoffzellen erzeugt. Rund 190 Kilometer können mit einer Batterieladung gefahren werden, danach wird der Wasserstoff aus den mitgeführten Carbon-Druckflaschen genutzt. So ergibt sich eine üppige Gesamtreichweite von 980 Kilometer.

Ein Begleiter für die Generation Z
Aus dem Brennstoffzellensystem ergibt sich schon, dass das Auto etwas für die fernere Zukunft ist – schätzungsweise die 2030er-Jahre. Dann ist auch die anvisierte Zielgruppe erwachsen, die Generation Z. Ihr gehört an, wer zwischen 1995 und 2010 geboren ist. Für diese Digital Natives ist ein Smartphone wichtiger als das Auto, oder wie Mercedes lieber sagt: Für sie ist das Auto ein digitaler Begleiter. Um ein guter Gefährte zu sein, lernt die Tokio-Studie dazu: Das Auto kann mit jeder Fahrt die Wünsche und Vorlieben seiner Insassen besser vorausahnen. Mit dieser Aufgabe kennen sich die Mercedes-Designer aus, denn das ist die Hauptaufgabe beim Planen einer serienfernen Studie: unsere Wünsche und Vorlieben vorausahnen.

Lesen Sie auch:

Wow, ist das modern