Skoda stellt die dritte Generation des Superb vor

Streng genommen müsste Skodas Flaggschiff eigentlich ,Nádherný" heissen. Das bedeutet nämlich ,Superb" auf tschechisch. Aber erstens ist der Modellname Superb ein Klassiker aus den 1930er-Jahren und zweitens würde die Übersetzung kaum zur Klarheit passen, mit der die dritte Generation ab Juni 2015 antritt.

Mit feinem Schliff
Schon auf den ersten Blick fallen die gestrafften, scharfen Linien des neuen Skoda Superb auf. Damit reiht er sich in die aktuellen Auflagen von Octavia und Fabia ein, deren kantiges Design ebenfalls auf optische Mätzchen verzichtet. Unverkennbares Vorbild für den Superb war die 2014 in Genf gezeigte Studie VisionC. Von ihr übernimmt der große Tscheche die eckigen Scheinwerfer, den breiten Kühlergrill und die markante Linienführung der Seitenfenster. Als Abschluss gibt es ähnlich wie bei der Octavia Limousine eine Art Finne. Der vordere Fahrzeugüberhang wurde um sechs Zentimeter verkürzt, zugleich wächst die Spur.

Überall zugelegt
Herausragendes Merkmal des Skoda Superb war bislang das üppige Platzangebot. Hier setzt die dritte Generation noch einen drauf, möglich macht das der modulare Querbaukasten (MQB) des Volkswagens-Konzerns. Die Länge wächst um knapp drei Zentimeter auf jetzt 4,87 Meter, die Breite legt um rund fünf Zentimeter auf 1,86 Meter zu. In der Höhe fällt der Zuwachs nur minimal aus. Nicht so beim Radstand, der um acht Zentimeter auf 2,84 Meter steigt. Damit übertrifft der Superb seinen Konzernbruder VW Passat deutlich, der als Limousine 4,77 Meter lang ist und einen Radstand von 2,79 Meter aufweist.

Sitz-Riese
Schon im aktuellen Skoda Superb ließ es sich im Fond vortrefflich lümmeln, die Neuauflage wird zum Chauffeursauto. Sowohl die Kopffreiheit als auch die Ellenbogenbreite steigen, die hintere Kniefreiheit wird vom Werk mit 15,7 Zentimeter angegeben. Ein Extra, das man eher aus der Mercedes S-Klasse kennt, ist der elektrisch vom Fond verstellbare Beifahrersitz. Er kann längs verschoben werden, Höhe und Neigungswinkel sind justierbar. Für zusätzlichen Komfort soll das komplett neue Fahrwerk mit Mehrlenker-Hinterachse sorgen.

Nur noch eine Klappe
Wahrhaft gigantisch geht es im neuen Superb aber nicht nur in der zweiten Reihe zu. In den Kofferraum passen künftig 625 Liter Gepäck, bei umgeklappter Rücksitzbank sind es 1.760 Liter. Die Öffnung der Heckklappe ist 1,17 Meter lang und 1,08 Meter breit. Nicht nur das prädestiniert den Superb für den Möbelhaus-Besuch: Wird die Lehne des Beifahrersitzes umgeklappt, passen bis zu 3,10 Meter lange Gegenstände ins Fahrzeug. Apropos Klappe: Die bisherige Superb-Lösung, bei der je nach Knopfdruck ein kleinerer Deckel oder die gesamte Klappe öffnete, ist Vergangenheit. Die Limousine weist nun einzig und allein eine große Fließheck-Klappe auf. Sie öffnet und schließt auf Wunsch elektrisch, optional gibt es ein System, welches per Fußbewegung unter dem hinteren Stoßfänger den Kofferraum öffnet. Wem das gigantische Gepäckabteil der Superb Limousine nicht reicht, der muss sich gedulden, denn es wird auch wieder einen Kombi geben.

Modernes Infotainment
Da wir gerade bei den Optionen sind: Die Anzahl der möglichen Extras ist enorm. Im Angebot sind eine Sitzheizung vorne und hinten, eine beheizbare Frontscheibe, ein Parklenk-Assistent für Längs- und Querlücken, eine Dreizonen-Klimaautomatik, eine adaptives Fahrwerksregelung, eine Rückfahrkamera oder auch ein LTE-Internetzugang. Das größte Radio-Navigationssystem weist einen Acht-Zoll-Touchscreen auf. Schon das zweitniedrigste Radio ermöglicht die Vernetzung mit dem Smartphone und die Bedienung ausgewählter Apps über den Bildschirm im Auto.

Segen im Regen
Ein Superb-Detail ist seit der ersten Neuauflage von 2001 das Regenschirmfach in der linken Hintertür. Nun gibt es zwei Regenschirme, die jeweils in den Vordertüren stecken. Abtropfendes Wasser fließt über eine integrierte Ableitung ab. Inwiefern diese Nettigkeit zum Serienumfang gehören wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht klar.

Viel Hilfe
Selbstverständlich fehlen auch Assistenzsysteme nicht: Zu erwähnen sind hier der Abstandsregeltempomat, ein Spurhalteassistent, ein System, welches den Superb autonom im Stau bewegt, sowie eine Verkehrszeichenerkennung und ein Totwinkelwarner. Die Scheinwerfer arbeiten mit Halogen- oder Bi-Xenontechnik, am Heck kommen immer LED-Leuchten zum Einsatz.

Von sparsam bis schnell
Das Motorenangebot besteht im neuen Superb zunächst aus fünf Benzinern und drei Dieseln, allesamt mit Turbotechnik und Start-Stopp. Die Benziner leisten zwischen 125 und 280 PS, die Diesel-Palette reicht von 120 bis 190 PS. Als sogenannte Greenline-Variante soll der kleinste Selbstzünder ab Ende 2015 mit nur 3,7 Liter Sprit auskommen und 95 Gramm CO2 emittieren. Die Normalversion kommt mit 3,9 Liter aus. Am anderen Ende der Fahnenstange ersetzt der 2.0 TSI mit 280 PS den bisherigen 3,6-Liter-V6, der es auf 260 PS brachte. Das neue Topaggregat wird immer mit Sechsgang-DSG und Allradantrieb ausgeliefert. In 5,8 Sekunden werden 100 km/h erreicht, bei 250 Sachen wird abgeregelt. Wer nicht 280 PS braucht, aber ein DSG, bekommt den Automatik-Ersatz für alle Motorisierungen mit Ausnahme des Basis-Benziners. Allrad gibt es außerhalb des stärksten Motors in Verbindung mit dem 150 PS starken 1.4 TSI sowie den Zweiliter-TDI-Aggregaten mit 150 und 190 PS.

Was ihr wollt
Zu den Preisen der neuen Superb Limousine äußert sich Skoda noch nicht, bislang starten sie bei 24.290 Euro. Sehr wahrscheinlich wird man knapp unterhalb der 25.000-Euro-Schallgrenze beginnen. Hinsichtlich der Serienausstattung gibt es vorerst nur Informationen, was in allen EU-Ländern inklusive sein soll. Die Basisversion namens Active bietet eine manuelle Klimaanlage, vier elektrische Fensterheber, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel und 16-Zoll-Stahlräder. Darüber rangiert der Superb Ambition: Hier gibt es eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, 16-Zoll-Alus, Regen- und Lichtsensor sowie ein Radio mit farbigem Fünf-Zoll-Touchscreen. Spitzenmodell ist der Superb Laurin & Klement, benannt nach den Skoda-Gründungsvätern. Inklusive sind dann 18-Zoll-Felgen, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Klavierlack-Leisten, Ledersitze und das adaptive Fahrwerk.

Der beste Skoda aller Zeiten?
Zur zweiten Superb-Generation griffen bislang 560.000 Kunden weltweit, allein in China waren es 200.000. Diese Zahlen könnten sich erhöhen, auch in Deutschland, wo dem VW Passat ein harter Konkurrent aus dem eigenen Konzern begegnet. Noch liegt der VW hierzulande im Verhältnis 5 zu 1 vorne. Aber Skoda-Chef Winfried Vahland gibt sich mit Blick auf den Superb sehr selbstbewusst: ,Das neue Modell ist der beste Skoda aller Zeiten und markiert den Beginn einer neuen Ära." Auf tschechisch würde man wohl ,prvotridnì" sagen: erstklassig.

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