Abgasaffäre: Pressekonferenz zum Stand der Dinge

In der Abgasaffäre des VW-Konzerns gibt es neue Erkenntnisse dazu, wie es zu den NOx-Schummeleien kam. Auf einer Pressekonferenz haben heute Aufsichtsratsschef Hans Dieter Pötsch und Vorstandschef Matthias Müller den Stand der Dinge in Sachen Dieselskandal erklärt. Die Sache mit den Stickoxiden ,stellt sich nicht als einmaliger Fehler, sondern als Fehlerkette dar, die nicht durchbrochen wurde."

SCR-Kat wurde nicht richtig eingesetzt
Laut VW habe man sich 2005 für eine große Dieseloffensive in den USA entschieden. Da kein Weg gefunden wurde, die strengen US-Normen ,im vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen" zu erfüllen, wurde die bekannte Schummel-Software mit Zykluserkennung eingesetzt – dieser Fehler Nummer eins war schon bekannt. Später kam es dann jedoch zu einem weiteren Fehler: ,Als dann im weiteren Verlauf ein effektives technisches Verfahren zur NOx-Reduktion zur Verfügung stand, wurde es nicht so genutzt, wie es möglich gewesen wäre. Die fragliche Software sorgte vielmehr dafür, dass das Reduktionsmittel ‚AdBlue' in unterschiedlich hoher Dosierung eingespritzt wurde." Das bedeutet: Auf dem Prüfstand wurde viel von dem Additiv eingespritzt, um die Stickoxid-Werte zu senken, auf der Straße aber wenig, damit nicht zu viel Adblue verbraucht wurde. Auf diese Weise wurde der Verbrauch des Mittels auf elegante, aber illegale und wenig umweltfreundliche Weise gesenkt.

Unsaubere Lösung des Adblue-Problems
Das angesprochene ,effektive Verfahren" ist offensichtlich der SCR-Katalysator mit Adblue-Einspritzung. Besonders schwere und starke Dieselfahrzeuge brauchen oft diese Kombination, um niedrige NOX-Werte zu erreichen. Das Problem: Ist der dazu benötigte Additiv-Tank klein, muss ständig nachgefüllt werden, ist er groß, erhöht sich das Gewicht des Fahrzeugs und damit sein Verbrauch. Die VW-Ingenieure nutzten offenbar die Zykluserkennung, um den Additiv-Verbrauch zu senken.

Die Datenmenge von 50 Millionen Büchern
Von dem Spezialaspekt Adblue abgesehen, boten die Erklärungen der beiden VW-Bosse wenig Neues. Der Konzern müsse seine Unternehmenskultur ändern, hieß es. Alle Prozesse stünden dabei auf dem Prüfstand. Zum Beispiel werde bei der Programmierung der Motorsoftware künftig strikt auf das Vier-Augen-Prinzip geachtet. Mitte 2016 wird außerdem eine ,Strategie 2025" zu den zentralen Zukunftsfragen vorgelegt. Interessant waren noch die Zahlen, die zeigen, wie aufwendig die Ermittlungen sind: Nicht weniger als 450 interne und externe Experten sind damit betraut. Sie sicherten eine Datenmenge von mehr als 100 Terabyte – das entspricht etwa 50 Millionen Büchern.

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