So virtuell wird das Cockpit der neuen Mercedes E-Klasse

Den 11. Januar 2016 sollten sich Mercedes-Fans schon einmal dick im Kalender anstreichen. An diesem Tag wird auf der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit die neue E-Klasse vorgestellt. Einen exklusiven Blick in das Cockpit der Baureihe 213 konnten wir schon jetzt werfen.

Grenz-Gänger
Für das Innenraum-Design zeichnet Hartmut Sinkwitz verantwortlich, der beim Gedanken an die nächste E-Klasse ins Schwärmen kommt. Die sei ,ein Luxusfahrzeug unterhalb des Luxussegments". Zugleich wolle man ,keinen Weg beschreiten, der ein Stück weit in die Beliebigkeit geht". Ein Seitenhieb auf die Mercedes-Formensprache zwischen 1995 und 2005? Von ,hot" und ,cool" spricht Sinkwitz mit Blick auf den neuen Wagen. Also eine lauwarme Mischung? Ich mache mir lieber selbst ein Bild von der 2016er E-Klasse. Lediglich leicht getarnt steht sie vor mir. Offizielle technische Daten gibt es noch nicht, aber mit gut 4,90 Meter reiht sie sich zwischen C- und S-Klasse ein. Und nicht nur in den Abmessungen: Optisch wirkt der Wagen (je nach Gusto) wie eine große C-Klasse oder eine kleine S-Klasse. Auf die Kanten des bisherigen Modells folgen Rundungen.

Volle Dröhnung
Entscheidend sind hier und heute erst einmal die inneren Werte. Der Kofferraum ist sehr geräumig, dort verbirgt sich bei der Wahl des High-End-Soundsystems von Burmester eine 25-Liter-Bassbox mit 400-Watt-Verstärker. Insgesamt 23 Lautsprecher, davon vier im Dach, beschallen die Insassen. Je nach Einstellung auch gezielt hinten links oder rechts. Dort ist viel Platz für die Beine vorhanden, die runde Dachform schränkt die Kopffreiheit nicht ein. Im Mittelpunkt steht aber der Fahrer. Beziehungsweise er sitzt, und zwar recht tief auf bequemen Sesseln. Wie in der C-Klasse umfasst bei den Versionen mit Automatikgetriebe eine nach oben ansteigende Mittelkonsole den Piloten. Wer es nicht ganz so eingemauert mag, muss zum Schaltgetriebe greifen, hier gliedert sich der Aufbau rechtwinkliger und weniger wuchtig.

Groß aufgespielt
Herzstück des E-Klasse-Cockpits sind zwei Displays. Jedes von ihnen weist eine Bilddiagonale von 12,3 Zoll (31,2 Zentimeter) und eine Auflösung von 1920 mal 720 Pixel auf. Kenner der Marke wissen: Das gibt es schon in der S-Klasse. Im E fehlt aber der optisch störende Kunststoffrahmen zwischen den Bildschirmen, alles sieht deutlich eleganter aus und erinnert an ein riesiges Smartphone. Umsonst gibt es diese Lösung nicht, die Basisausführung der neuen E-Klasse erhält zwei analoge Rundinstrumente in Tuben, zwischen denen sich ein Sieben-Zoll-Display befindet. Auf der rechten Seite kommt ein 8,4 Zoll großer Bildschirm zum Einsatz, die 12,3-Zoll-Variante ist optional erhältlich. Wer also der Kinoleinwand nicht traut, muss nach der Devise handeln: Weniger ist mehr. Immerhin: Vertraute Elemente wie der Tempomathebel am Lenkrad oder die elektrische Sitzverstellung in der Tür bleiben erhalten.

Optik nach Geschmack
Doch wer es klassisch mag, verpasst etwas: Auf dem Bildschirm vor dem Fahrer lassen sich drei Stile für die Instrumente wählen, von klassisch bis progressiv. Weitere Vorteile der volldigitalen Darstellung sind eine einfache Umschaltung auf Meilen pro Stunde (mph) und die Einblendung von anderen Informationen im Kreis des Drehzahlmessers, etwa der Navigationskarte. Auf dem rechten Bildschirm können auf einem Drittel der Fläche zusätzliche Informationen eingeblendet werden. Übrigens: Auch ein Head-up-Display ist künftig in der E-Klasse zu haben.

Immer schön sensibel
Und wie dirigiert man die Super-Leinwand? Auf einen Touchscreen hat Mercedes aus Gründen der Sicherheit verzichtet. Aus der C-Klasse ist das mausähnliche Touchpad auf der Mittelkonsole bekannt, hinzu kommen ein Drehrad und die Sprachsteuerung. Tasten ermöglichen den Direktzugriff in die Menüs für Navigation, Radio und Medien. Besonderer Clou sind aber die beiden berührungsempfindlichen Elemente im Lenkrad. Über sie steuert man den linken oder rechten Bildschirm. Wer jemals ein Blackberry-Smartphone besessen hat, kennt die Funktionsweise. Ich kann vertikal und horizontal mit dem Finger darüberwischen, und per zentralem Druck meine Wahl im laut Mercedes entschlackten Bordmenü bestätigen. Das Ganze soll sogar mit Handschuhen funktionieren, aber im ersten Test ist Fingerspitzengefühl gefragt. Die Reaktion auf meine Wischbewegungen könnte noch etwas zügiger ausfallen. Wie groß der Nutzen in der Praxis ist, muss ein Test im nächsten Jahr zeigen. Fest steht für mich aber schon jetzt: Die stets serienmäßige Mercedes-Lösung ist besser als die Gestensteuerung im neuen BMW 7er. Wer aber von anderen Marken und sogar vom Vorgängermodell in die kommende E-Klasse wechselt, muss sich erst daran gewöhnen. Das nötige Feingefühl für die Touchpads im Lenkrad will erlernt werden, zumal mit dicken und kräftigen Fingern.

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