So verwirrend wird die Formel 1

Die Formel 1, einst die ,Königsklasse" des Motorsports, fristet seit einigen Jahren ein Dasein als langweilige, nur von Geld beeinflusste Rennserie im Nachmittagsprogramm von RTL. In schöner Regelmäßigkeit streiten sich der Renten-überreife ,Zampano" Bernie Ecclestone und die Teamchefs über Regeln, Gelder und Fernsehverträge. Auch die erdrückende Dominanz des Mercedes-Teams macht die Rennen nicht spannender. Wir haben uns die bisher bekannten Neuerungen für 2016 einmal angeschaut und müssen leider sagen: Schlimmer geht immer!

Fünf verschiedene Reifenmischungen
Seit 2011 beliefert der italienische Reifenhersteller Pirelli als Alleinausrüster die Formel 1. Das Markenzeichen der Reifen: die verschiedenfarbigen Logos auf der Flanke. So sollen die Fans am Fernsehbildschirm leichter erkennen können, welche Reifenmischung gerade aufgezogen ist. Die vorprogrammierte Verwirrung wird sich 2016 noch ausweiten, wenn die mittlerweile fünfte Reifenmischung in der Formel 1 eingeführt wird. Die neue ultrasofte Mischung bekommt eine violette Kennung auf der Reifenflanke. Wir nehmen den neuen Reifen zum Anlass, die Reifenregeln der Formel 1 genauer zu erklären.

Pirelli und FIA bestimmen über Reifen
Für die Reifen beginnt das Rennwochenende bereits einige Wochen, bevor es auf die Strecke geht. Die Motorsportweltbehörde FIA legt zusammen mit Pirelli fest, welche drei der fünf Mischungen am betreffenden Rennwochenende benutzt werden dürfen. Die Teams wählen dann in einem bestimmten Zeitfenster, wie sie ihre zehn Reifensätze pro Fahrzeug zusammenstellen. Die Entscheidung wird der FIA mitgeteilt, die wiederum eine Bestellung an Pirelli schickt. Die jeweilige Reifenwahl bleibt bis zwei Wochen vor dem Rennen geheim. Zusätzlich zu den zehn selbst gewählten Sätzen legt Pirelli zwei verbindliche Sätze fest, die für das Rennen vorgesehen sind. Mindestens ein Satz davon muss verpflichtend gefahren werden. Ein weiterer Satz der weichsten Mischung für das betreffende Wochenende muss für den dritten Teil des Qualifyings aufgehoben werden. Insgesamt haben die Teams pro Fahrzeug also 13 Reifensätze zur Verfügung.

Reifen-Recycling
Um der ganzen Verwirrung, Geheimniskrämerei und Unselbstständigkeit die Krone aufzusetzen, schreibt Pirelli folgende Rückgabefristen für die Reifen vor: Einen Satz nach 40 Minuten des ersten freien Trainings, einen Satz danach. Einen Satz nach dem zweiten freien Training und einen Satz nach dem dritten freien Training. Dabei dürfen die vorher festgelegten Renn-Sätze im Training weder gefahren oder zurückgegeben noch der Quali-Satz vor dem dritten Qualifying gefahren werden. Blicken Sie noch durch? Es kommt noch besser: Wird dieser Satz dann allerdings im dritten Qualifying verwendet, muss dieser danach zurückgegeben werden und die Autos starten im Rennen mit den Reifen, auf denen sie im zweiten Qualifying die schnellste Zeit gefahren sind. Alle, die es nicht bis ins dritte Qualifying geschafft haben, dürfen im Rennen den Reifensatz verwenden, der im dritten Qualifying dann nicht mehr zum Einsatz kam.

Renault ist wieder in der Formel 1
Wem jetzt vor lauter Reifen noch nicht der Kopf schwirrt, für den haben wir noch ein paar weitere verwirrende Neuigkeiten, die auf das Namens-Gedächtnis abzielen. Zwischen 2002 und 2009 startete Renault mit einem eigenen Werksteam in der Formel 1. Zwei Weltmeistertitel in den Jahren 2005 und 2006 mit Fernando Alonso waren die Highlights. 2009 wurde das Team mit Sitz im englischen Enstone dann samt Kind und Kegel an Lotus verkauft. Die Motoren kamen weiterhin von Renault, die nebenbei auch RedBull – 2015 mehr oder weniger erfolgreich – mit Aggregaten belieferten. Im Laufe der Saison 2015 gerieten die Motoren in die Kritik von RedBull und das Lotus-Team in finanzielle Schwierigkeiten.

2016 heißt es ,RedBull-TAG-Heuer"
Für 2016 hat sich Renault wieder 100 Prozent am nun ehemaligen Lotus-Team gesichert und übernimmt auch alle 450 Mitarbeiter in Enstone. RedBull wird weiterhin mit Renault-Motoren an den Start gehen, die aber – um einer schlechten Presse für Renault im Misserfolgsfall vorzubeugen – unter dem Namen ,TAG Heuer" laufen werden. Solche Pseudonyme haben in der Formel 1 Tradition, so fuhr schon McLaren in den 80er-Jahren mit Porsche-Motoren unter dem TAG-Heuer-Label. Das RedBull-Schwesterteam Toro-Rosso wird 2016 mit Ferrari-Motoren an den Start gehen. Diese sind dann zwar auf dem 2015er-Stand, heißen dafür aber wenigstens Ferrari.

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