CES 2016: VW zeigt Elektrovan und das neue Golf-Cockpit

Es beginnt mit einer ausführlichen Entschuldigung. Auf das derzeitige Diesel-Problem sei man wirklich nicht stolz, man arbeite Tag und Nacht an Lösungen, schon in Kürze sollen die ersten Reparaturmaßnahmen starten. Doch VW-Markenchef Herbert Diess ist natürlich nicht nur zur Elektronikmesse CES (6. bis 9. Januar 2016) nach Las Vegas gereist, um in seiner Keynote-Ansprache am Vorabend der Messe vor der US-Kundschaft zu Kreuze zu kriechen. Vielmehr gibt er einen Ausblick auf die Volkswagen-Modelle von morgen und übermorgen. Denn eins ist für Diess klar: Das Auto ist das wahre Mobilgerät.

Gesten-Golf kommt noch 2016
Plakativ ruft Diess eine Neuausrichtung der Marke aus: ,New Volkswagen". Ziele sind unter anderem eine bezahlbare Elektromobilität und eine gute Nutzerfreundlichkeit. Das klingt verdächtig nach Computer und Smartphone. Tatsächlich ist der Blick in die unmittelbare VW-Zukunft davon nicht weit entfernt. Auf die Bühne rollt der e-Golf Touch. Seine inneren Werte geben einen Ausblick auf das, was zahlungsfreudige Kunden ab Herbst 2016 im überarbeiteten VW Golf erwartet.

Neuer Bildschirm
Das sogenannte ,Active Info Display" anstelle der klassischen Instrumente kennt man bereits aus dem Passat. Neu ist ein hochauflösender 9,2-Zoll-Bildschirm in der Mittelkonsole. Er wird neben natürlicher Spracherkennung per Gestensteuerung bedient. Soll heißen: Man wischt vor dem Monitor herum, um beispielsweise Listen durchzugehen oder die Lautstärke zu regulieren. Für die wichtigsten Hauptzugriffe gibt es links neben dem Schirm aber noch berührungsempfindliche Tasten. Wie beim Smartphone eben, nur dass hier nicht direkt auf dem Touchscreen gewischt wird. Natürlich darf die Einbindung von Apps per Android Auto, Apple Car Play und MirrorLink nicht fehlen. Praktisch oder pikant? Das Auto meldet per App, wenn der Nachwuchs am Steuer zu schnell war, aber auch, wo der Wagen abgestellt wurde.

Bulli 2.0?
Als ,richtig großen Schritt" in die Zukunft versteht Diess den mit Hintersinn so getauften Budd-e. Der Elektroauto-Mix aus Kompaktvan und Kleinbus soll seinem Besitzer ein echter Kumpel sein, englisch ,buddy" genannt. Optisch erinnert der Budd-e ein wenig an den BMW i3 und amerikanische Ford-Modelle. Nett gemacht ist er trotzdem, nur fehlt es etwas an Emotionen, weshalb VW eine Brücke zum legendären Bulli, in den USA ,Microbus" genannt, schlägt. Allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass bei dem legendären Hippie-Transporter die Türen nicht per Handwisch öffneten und Tablets ein Fremdwort waren. Die sollen nämlich alle Insassen mitbringen, um dann in der Gruppe ihre gemeinsame Reiseroute zu erstellen. Quasi Hashtag statt Haschisch.

Energiewende aus dem Baukasten
Das ,wahrhaft soziale Auto" (Originalton Diess) öffnet seine Türen auch nach Sprachaufforderung und kann zudem Funktionen des eigenen Hauses kontrollieren. Sie wollen wissen, wer an der Tür geklingelt hat und ob noch genügend Bier im Kühlschrank ist? Budd-e weiß Bescheid, der Zusammenarbeit mit dem koreanischen Elektronikkonzern LG sei Dank. Als Fenster in das Jahr 2019 wird der Budd-e angesehen. Umso interessanter sind die technischen Eckdaten, die der neue modulare Elektrifizierungsbaukasten (kurz und knackig: MEB) ermöglicht. Im Fahrzeugboden angebrachte Batterien, die eine Reichweite von 533 Kilometern ermöglichen sollen. Und verbunden mit der Hoffnung, dass in einigen Jahren eine Ladung auf 80 Prozent in 15 Minuten möglich sein wird. Bis zu 180 km/h soll der 4,60 Meter lange Budd-e schnell sein. Diesel – was war das noch gleich?

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