Neue Mercedes E-Klasse debütiert in Detroit

Nur, um das von vornherein klarzustellen: Bei der großen Mercedes-Weltpremiere auf der heute startenden North American International Auto Show (NAIAS 2016) handelt es sich tatsächlich um die neue E-Klasse. Keine Frage, man kann da mittlerweile ganz schön durcheinanderkommen. Hat man jetzt die S-Klasse in den Trockner gesteckt oder die C-Klasse zu gut gefüttert? Aber lassen wir das, denn ganz offensichtlich erfreut sich das aktuelle Mercedes-Design größter Beliebtheit und außerdem zieht die E-Klasse 2016 mit so vielen scharfen Waffen in den Business-Klassen-Kampf gegen BMW 5er und Audi A6, dass sie auch aussehen könnte wie ein vierrädriger Kartoffelsack – Erfolg hätte sie wohl trotzdem.

Ganz neuer Diesel
E-Klasse Nummer Zehn ist mit 4,92 Meter ganze 43 Millimeter länger als der Vorgänger. Der Radstand wächst gar um 65 Millimeter. Erwarten Sie im Fond also noch mehr große Freiheit als ohnehin schon. In puncto Effizienz setzt Daimler auf einen cW-Wert von bemerkenswerten 0,23. Nicht ganz unwichtig sind hier natürlich auch die Antriebe. Auf Motorenseite sieht es zum Marktstart im Frühjahr 2016 allerdings noch etwas mau aus. Los geht's nämlich mit gerade mal zwei Maschinen: Zum 2,0-Liter-Benziner mit 184 PS ( E 200) gesellt sich ein komplett neuer Diesel mit ebenfalls 2,0 Liter Kammervolumen, 195 PS und 400 Newtonmeter (E 220 d). Er löst endlich den etwas ,landwirtschaftlichen" 2,1-Liter-Selbstzünder ab, ist Teil einer neuen, modularen Motorenfamilie und soll mit nur 3,9 Liter im Schnitt auskommen. Beide Aggregate verfügen serienmäßig über eine Neungang-Automatik.

Plug-in-Hybrid folgt in Kürze
Kurz nach Markteinführung stehen dann der 350 d mit Sechszylinder-Diesel und 258 PS sowie der E 350 e Plug-in-Hybrid mit 279 PS und 600 Newtonmeter zur Verfügung. Der Hybrid setzt auf einen 2,0-Liter-Benziner sowie einen 82-PS-E-Motor und soll 30 Kilometer rein elektrisch fahren können. Es folgen auf Benzinerseite der E 400 4Matic mit 333-PS-Sechszylinder sowie ein weiterer Vierzylinder mit 245 PS. Außerdem wird der neue Diesel auch als 150-PS-Basisvariante kommen (jawohl, auch die neue E-Klasse soll den Status als Taxifahrers Liebling beibehalten). Zu einer heißen AMG-Version äußert sich der Daimler bisher nicht. Gehen Sie aber davon aus, dass es eine geben wird. Vermutlich mit Biturbo-V8, etwa 600 PS und stark rauchenden Hinterreifen. In Sachen Fahrkomfort vertraut die E-Klasse ab Werk übrigens weiterhin auf eine konventionelle Stahlfederung (in drei verschieden sportlichen Ausführungen). Auf Wunsch ist jedoch eine neue Mehrkammer-Luftfederung erhältlich.

Innen Oberklasse
Wichtiger als ,unter der Haube" ist bei der neuen Mercedes E-Klasse aber definitiv, was sich ,in der guten Stube" beziehungsweise ,im schlauen Köpfchen" abspielt. Bei Interieur, Vernetzung und Assistenzsystemen spielt der E nun eine bis drei Ligen höher. Das Innenraum-Ambiente riecht extrem nach S-Klasse. Das liegt vor allem an den beiden optionalen 12,3-Zoll-Displays, die oberhalb des Armaturenbretts thronen. Das eine ist ein konfigurierbarer Instrumententräger, das andere kümmert sich um Navi, Infotainment und Co. Die neueste Spielerei befindet sich allerdings am Lenkrad, das nun über berührungssensitive Taster verfügt. Das bedeutet: Das komplette Infotainment kann nun wie das eigene Smartphone mit Wischgesten gesteuert werden und zwar ohne die Hände vom Volant nehmen zu müssen.

Schlauer als die S-Klasse
Beim Thema Fahrhilfen und teilautonomes Fahren wird die große, mächtige S-Klasse jetzt ganz stark sein müssen, denn die neue E-Klasse ist hier erstmals deutlich besser. 13 Sensoren, fünf Radarsensoren, fünf Kameras und ein sehr schlauer Rechner bescheren der Stuttgarter Businessklasse gegen Aufpreis den Titel der ,intelligentesten Limousine ihrer Klasse". Neben dem Sicherheits-Standardprogramm um aktiven Bremsassistenten, Müdigkeitswarner und Co. wird die neue E-Klasse wohl autonomer fahren als irgendein Serienauto vor ihr.

Extrem autonom
Mit dem sogenannten Drive Pilot ist sie nun in der Lage, vorausfahrenden Fahrzeugen bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h zu folgen. Dabei übernimmt sie das Bremsen, das Beschleunigen und große Teile des Lenkens. Wie bei einer Art Schwarmintelligenz funktioniert das Ganze bis 130 km/h sogar ohne eindeutige Fahrbahnlinien. Das ist aber noch nicht alles, denn der E wird künftig auch selbst Spurwechsel durchführen, sich an Geschwindigkeitsbeschränkungen halten oder in plötzlich auftretenden Gefahrensituationen beim Ausweichen behilflich sein. Der erweiterte Bremsassistent soll zudem in der Lage sein, Unfälle bei Geschwindigkeiten bis hin zu 100 km/h komplett zu vermeiden.Laut Mercedes hat die E-Klasse sogar als erstes Serienauto die Lizenz für autonome Testfahrten im Staat Nevada erhalten.

Parken mit dem Handy
Die komfortable Seite des Technik-Overkills demonstriert die 2016er E-Klasse mit Funktionen wie dem komplett selbständigen Einparken (wie beim BMW 7er, aber auch in Längsparklücken) per Handy-App. Außerdem hält die sogenannte Car-to-X-Technologie Einzug, die Informationen mit anderen Fahrzeugen (anfangs wohl vornehmlich andere E-Klassen) austauscht, um vor Gefahren zu warnen. Sollte es tatsächlich zu einem Unfall kommen, bietet die E-Klasse auch hier die neueste Technik, um die Folgen so undramatisch wie möglich zu gestalten. Den Beltbag für die äußeren Fondpassagiere kennen wir bereits aus der S-Klasse. Neu ist jedoch, dass sich die näher zur Tür befindliche Sitzwange bei einem Seitenaufprall pyrotechnisch aufbläst und den Insassen so ein paar Zentimeter von der Gefahrenzone wegbefördert.

Bessere LED-Ausleuchtung
Zu guter Letzt sei noch das Licht erwähnt, welches für eine maximale Ausleuchtung künftig mit 84 statt 24 LEDs pro Scheinwerfer agiert. Jedes einzelne davon ist elektronisch ansteuerbar, was eine deutlich komplettere Fahrbahnausleuchtung garantieren soll, ohne den Gegenverkehr zu blenden.

Zu den Preisen der neuen E-Klasse hat sich Mercedes (wie zum Erscheinen des T-Modells) bisher nicht geäußert. Auch ohne die Kosten zu kennen, dürfen sich BMW 5er, Audi A6 oder Jaguar XF aber wohl recht warm anziehen.

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