Zukunftsplan wird jetzt bis 2020 ausgedehnt

Sie wird von den Fans der Marke mit Spannung erwartet: die neue Alfa Romeo Giulia. Im Juni 2015 erstmals in der 510 PS starken Topversion Quadrifoglio Verde gezeigt, sollte sie eigentlich schon zum Jahreswechsel auf den Markt kommen. Doch erst auf dem Genfer Salon (3. bis 13. März 2016) zeigt Alfa auch die Basisvarianten der Mittelklasse-Limousine. Der Marktstart verschiebt sich in den Sommer 2016. Grund dafür sind neue Pläne von Fiat-Chrysler-Konzernchef Sergio Marchionne. Er setzt auf die Marken Jeep und Ram, die von einer immer stärkeren Nachfrage nach SUVs und Geländewagen in den USA profitieren. Das passt zum gelernten Wirtschaftsprüfer Marchionne: Man sagt ihm nach, eher finanzielle als emotionale Aspekte im Blick zu haben.

In der Verlängerung
Ursprünglich waren zur Wiederbelebung der Marke Alfa Romeo acht neue Modelle bis zum Jahr 2018 vorgesehen. Jetzt wird das Zeitfenster gestreckt. 2016 startet die Giulia, 2016/17 folgt ein Mittelklasse-SUV. Eine Limousine oberhalb der Giulia als 166-Nachfolger, zwei weitere SUVs, ein Hatchback (der Giulietta-Ersatz) und zwei sogenannte ,Specialty"-Modelle werden nun auf die Jahre bis 2020 verteilt. Auch die Investitionen in Entwicklung und Herstellung der neuen Produkte werden laut Fiat-Chrysler (kurz FCA) reduziert. Bislang galt ein Finanzvolumen von fünf Milliarden Euro bis 2018 als gesetzt.

Probleme in China
Warum dieser Kursschwenk? Finanziell geht es FCA gut, die Gründe sind vielfältiger Natur. Im Bilanzbericht für 2015 ist hinsichtlich Alfa Romeo von ,Unsicherheiten in China" die Rede, die speziell Importfahrzeuge betreffen würden. Zusätzlich möchte man ein ordentliches globales Vertriebsnetzwerk aufbauen. Gerade in China existiert noch kein Händlernetz für Fahrzeuge von Alfa Romeo.

SUV-Boom in den USA
Vor allem aber konzentriert sich FCA stärker auf den US-Markt. Dort steigt die Nachfrage nach SUVs und Pick-ups kontinuierlich an: 37 Prozent der Neuzulassungen waren im Jahr 2015 SUVs und Geländewagen, während klassische Limousinen und Vans 46 Prozent ausmachen. 2009 lag ihr Anteil noch bei 56 Prozent. Das bekommen die Konzernmarken Jeep und Ram positiv zu spüren, ihre Produkte spülen unerwartet viel Geld in die FCA-Kasse. Weil sich speziell die US-Verkaufszahlen von Jeep positiver entwickeln als gedacht, fördert Sergio Marchionne diese Marke besonders. Bis Ende 2017 sind zwei komplette Neuentwicklungen geplant, ein Pick-up und der luxuriöse Grand Wagoneer. Letzterer wird gegen den Range Rover antreten. Im Gegenzug sollen zwei Mittelklasse-Limousinen, der Dodge Dart und das Schwestermodell Chrysler 200, sterben.

Mehr Fiat-Modelle in den Staaten?
So werden Produktionskapazitäten frei, denn neue Werke ,auf der grünen Wiese" soll es nicht geben. Als Ersatz könnte FCA die in den USA angebotenen Fiat-Modelle neben dem 124 Spider auch um den Tipo ergänzen. Beim Tipo handelt es sich um ein als Weltauto konzipiertes neues Modell der unteren Mittelklasse. Es kommt 2016 als Limousine, Fließheck und Kombi nach Europa. Auf dem US-Markt dürfte man es aber beim Stufenheck belassen. Während der Euro-Tipo in der Türkei vom Band läuft, könnte der US-Tipo im mexikanischen Werk Toluca entstehen. Dort baut FCA bereits die amerikanische Version des Fiat 500.

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