BMW 3er Facelift mit komplett neuen Motoren und Plug-in-Hybrid

Kinder, wie die Zeit vergeht! Der BMW 3er, die Propeller-Ikone, wird 40. Ja, wirklich. Und weil man zu einem runden Jubiläum ordentlich auf den Putz hauen muss, spendieren die Münchner ihrem liebsten Kind ein großes Facelift. Schließlich hat der aktuelle 3er (Codename F30) auch schon wieder dreieinhalb Jahre auf dem schönen Buckel. Gerade weil der Buckel (und auch der ganze Rest) so schön ist, kommt der Facelift-3er optisch mit Minimal-Schliff aus. Die neuen Front- und Heckschürzen wird man wohl nur auf den zweiten Blick erkennen. Dazu gibt es dezent geänderte Scheinwerfer (optional mit Voll-LED-Licht und kamerabasiertem Fernlichtassistent) sowie serienmäßig LED-Rückleuchten. Im Interieur ist es das gleiche Spiel: Ein paar zusätzliche Chrom-Akzente und Hochglanz-Oberflächen bringen etwas mehr Luxus-Flair in die 3er-Kanzel. Außerdem erleichtern neu platzierte Cupholder den Kampf gegen die Dehydrierung.

Antriebe kräftig überarbeitet
So weit, so unspektakulär. Aber wenn es passt, dann passt es halt. Das gilt ja eigentlich auch für die Antriebe des BMW-Bestsellers. Trotzdem hat man im Motoren- und Getriebebereich aber mal so richtig durchgelüftet. Sowohl die ZF-Achtgang-Automatik als auch das Sechsgang-Schaltgetriebe wurden überarbeitet. Die Automatik spricht jetzt mit dem Navigationssystem, was – zum Beispiel vor Kreuzungen oder Kreisverkehren – zu verbrauchsoptimierten Schaltzeitpunkten führen soll. Außerdem kann sie künftig segeln und im Sport-Plus-Modus auch Mehrfach-Folgeschaltungen nach unten durchführen. Handschalter-Fans (vor allem die, deren Hacke-Spitze-Technik noch ausbaufähig ist) freuen sich über die neue Zwischengas-Funktion beim Runterschalten.

Erstmals mit Dreizylinder
Wesentlich weitgreifender haben die Motorenwerke allerdings bei ihrer Kernkompetenz dazwischengehauen, denn unter der Haube bleibt wenig, wie es war. Alle Aggregate basieren jetzt auf BMWs neuentwickelter, modularer Motorenfamilie mit Einzelhubräumen von 500 Kubikzentimeter pro Zylinder. Den Einstieg markiert künftig der aus dem Mini und dem BMW 1er bekannte 1,5-Liter-Dreizylinder (Richtig gelesen: drei (!) Zylinder) als 318i mit 136 PS und 220 Newtonmeter. Er beschleunigt die Limousine in 8,9 Sekunden auf 100 km/h und schafft 210 km/h Spitze. Der Normverbrauch liegt im Bestfall bei 5,0 Liter und damit etwa 13 Prozent unter dem des bisherigen Vierzylinder-Basismodells 316i.

Neuer Sechszylinder im 340i
Mit Ausnahme des 431-PS-Sechszylinders im M3 sind auch alle weiteren Benziner komplette Neuentwicklungen. Der Zweiliter-Vierzylinder leistet im 320i 184 PS und 290 Newtonmeter und im 330i (löst den 328i ab ) 252 PS und 350 Newtonmeter. Ebenfalls ganz frisch ist der 3,0-Liter-Sechszylinder-Turbo mit 326 PS und 450 Newtonmeter im 340i. Er bringt 20 PS und 50 Newtonmeter mehr als der alte 335i, soll aber mit zehn Prozent weniger Kraftstoff auskommen. Von null auf 100 km/h vergehen mit Achtgang-Automatik nun noch 5,1 statt 5,5 Sekunden.

Neuer Spar-Diesel mit 3,8 Liter Verbrauch
Auf Dieselseite hat man den 116 PS starken 316d auf 3,9 Liter Normverbrauch gezwungen. Der 320d leistet nun 190 PS und 400 Newtonmeter. Er soll mit 4,0 Liter im Schnitt auskommen. Neuer Sparkönig wird der 163 PS starke 320d EfficientDynamics Edition, der dank einiger Sprit-Spar-Kniffe auf einen Verbrauch von 3,8 Liter und einen CO2-Ausstoß von 99 Gramm pro Kilometer kommen soll (der neue Jaguar XE mit identischen Werten lässt grüßen). Bei den vier weiteren Dieseln 318d, 325d, 330d sowie 335d bleibt wertemäßig alles beim Alten. Allradantrieb ist für die Modelle 320i, 330i, 340i, 320d und 330d optional zu haben. Beim monströs schiebenden Top-Diesel 335d mit 630 Newtonmeter ist er Serie.

Plug-in-Hybrid ab 2016
Freunde des alternativen Antriebs dürfen ab Anfang 2016 jubeln. Dann startet der erste BMW 3er mit Plug-in-Hybrid. Der 330e spannt den 184-PS-Vierzylinder des 320i mit einem 80-kW-Elektromotor zusammen und bringt es auf eine Systemleistung von 252 PS und 420 Newtonmeter. BMW verspricht einen Null-auf-100-km/h-Wert von 6,3 Sekunden sowie 225 km/h Spitze. Und das bei 2,1 Liter Verbrauch, 49 Gramm pro Kilometer CO2 und einer elektrischen Reichweite von 35 Kilometer. Sollte der 330e, wie eifrig gemunkelt wird, im Bereich um 40.000 Euro liegen, wäre er tatsächlich der von BMW propagierte ,Effizienz-Meilenstein".

Sportlichere Abstimmung
Wir wissen nicht, ob BMW den heißen Fahrdynamik-Atem des neuen Jaguar XE gespürt hat, auf jeden Fall wurde in München an Fahrwerk und Lenkung gefeilt, um den gelifteten 3er noch etwas zackiger um die Kurve jodeln zu lassen. Überarbeitete Dämpfer, ein strafferes Fahrwerkslayout sowie eine Neuabstimmung der elektromechanischen Lenkung sollen das Fahrgefühl schärfen, ohne Komforteinbußen zu verursachen. Das gilt für das Serienfahrwerk ebenso wie für das M-Sportfahrwerk und das adaptive Fahrwerk.

3er Facelift kann LTE
Und was macht der neue 3er in Sachen ,Connectivity"? Das große Navi ist jetzt schneller und lernfähig. Außerdem unterstützt es den Mobilfunkstandard LTE und protzt mit kostenlosen Kartenupdates für die ersten drei Jahre. Ebenfalls neu: das optionale, vollfarbige Head-up-Display sowie ein Parkassistent, der jetzt auch bei Quer-Parklücken hilft.

Markteinführung im Juli 2015
Optisch nur dezent aufgefrischt, wird der modellgepflegte BMW 3er also vor allem mit effizienteren und stärkeren Antrieben versuchen, sich gegen die Mercedes C-Klasse, den Ende 2015 erscheinenden Audi A4 sowie den neuen Jaguar XE zu behaupten. Ab 25. Juli 2015 wird der geliftete 3er als Limousine und Touring erhältlich sein. 3er GT sowie der 4er sollten relativ zeitnah folgen. Die Preise für den 3er starten bei 30.200 Euro für den dreizylindrigen 318i. Das sind 550 Euro mehr als für die bisherige Basis 316i. Der günstigste Diesel ist der 316d, der mit 32.600 Euro Grundpreis genau 750 Euro teurer wird. Der Touring-Aufschlag liegt bei 1.700 Euro. Zum Vergleich: Die günstigste Mercedes C-Klasse mit 129-PS-Benziner kostet mindestens 31.684 Euro, der Jaguar XE startet als 200-PS-Benziner bei 36.450 Euro.

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