Auf diese alten Autos fahren die Deutschen ab

Nostalgie liegt im Trend, auch bei Autoliebhabern: Immer mehr Fahrzeuge mit H-Kennzeichen bevölkern deutsche Straßen und Garagen. Zum Jahreswechsel 2014/15 waren 310.694 Pkw mit einem H-Kennzeichen gemeldet, das ab einem Fahrzeugalter von 30 Jahren erteilt wird. Die Kfz-Steuer sinkt dann auf 191 Euro im Jahr, zudem hat man freie Einfahrt in Umweltzonen. Der H-Bestand ist damit binnen Jahresfrist um 11,3 Prozent gestiegen, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) im Auftrag des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) ermittelt hat.

Man kauft deutsch
Kaum überraschend ist die Herkunft der meisten Oldtimer: 205.657 Fahrzeuge stammen von deutschen Herstellern, was einem Anteil von 66,2 Prozent entspricht. Dahinter folgt Großbritannien mit 11,2 Prozent. Hier ist der Wert in den letzten Jahren gesunken, wohl auch, weil zwischen 1980 und 1985 keine wirklich begehrenswerten Oldtimer aus England kamen. Gestiegen ist der Anteil an US-Oldtimern, er beträgt nun 26.527 Autos respektive 8,5 Prozent. Eine Erklärung hierfür dürfte der Muscle-Car-Boom sein. Auf den weiteren Plätzen folgen Italien, Frankreich, Schweden, Japan und Russland. Knapp 2.000 Fahrzeuge aus der ehemaligen Sowjetunion tragen ein H-Kennzeichen.

Stern an der Spitze
Beliebteste Oldie-Marke ist Mercedes, die Schwaben sind mit sieben Modellreihen in den Top 15 vertreten. Auf 75.344 Fahrzeuge mit H-Kennzeichen bringt es Mercedes, dahinter folgt VW mit 58.229 Exemplaren. Den Löwenanteil macht hier der Käfer aus, aber auch der Golf ist langsam im Kommen. Hinter VW rangieren Porsche, Ford, Opel und BMW. Erste nicht-deutsche Marke ist Fiat mit 9.123 Autos, die ein H-Kennzeichen tragen. Allerdings ist dieser Wert mit Vorsicht zu genießen, denn für viele der kleinen 500er und 600er lohnt sich das H-Kennzeichen nicht.

Der Golf kommt
Das häufigste Auto mit H-Kennzeichen ist wie bislang der VW Käfer, dessen 30.676 Exemplare fast das Doppelte des Zweitplatzierten sind. Das ist der Mercedes W 123 mit 15.523 Fahrzeugen. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt bei ihm das Plus 32,6 Prozent, weil nun auch die letzten Baujahre des 123ers ein H-Kennzeichen bekommen. Wegen der gestiegenen Preise werden zudem immer mehr Fahrzeuge restauriert.

Oldtimer als Investment?
Generell lassen sich einige ,Trend-Typen" ausmachen, die durch Jubiläen oder Medienauftritte auch ins Visier von Investoren kommen. Während sich um den VW Golf inzwischen eine wachsende Liebhaberszene formiert (plus 50,4 Prozent), sind der VW Bus (plus 36,2 Prozent), der Porsche 911/912 (plus 17,7 Prozent) oder der Mercedes SL der Baureihe 107 (plus 13,8 Prozent) oft schon Spekulationsobjekte mit aberwitzigen Preisen geworden. Dass es auch bodenständig geht, zeigen Opel Kadett und Rekord. Hier wurden zwischen 17 und 20 Prozent mehr H-Kennzeichen ausgegeben. Matthias Wissmann, Präsident des VDA ist vom Oldtimer-Boom nicht überrascht: ,Die Faszination für Oldtimer in Deutschland ist groß. Sie sind Kulturgüter, die Liebhabern Freude machen und oft auch eine gute Wertanlage sind."

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