Veyron-Nachfolger Chiron mit 1.500 PS

Fast elf Jahre ist es nun her, dass Bugatti mit dem Veyron den Rekord für das schnellste Serienfahrzeug der Welt einfahren konnte. Mit 407 km/h löste der damals neue Veyron den McLaren F1 ab. Nun zeigen die Franzosen auf dem Genfer Autosalon (3. bis 13. März 2016) den lang ersehnten Nachfolger. Dieser hört auf den Namen Chiron, wird noch stärker und fährt noch schneller.

W16-Motor mit vier Turbos
Herzstück des Chiron ist ein W16-Motor mit acht Liter Hubraum und vier Turboladern. Diese werden erstmals mit einer sogenannten Registeraufladung eingesetzt. Dabei werden bis 3.800 U/min erst zwei, über dieser Drehzahl dann alle vier Turbolader genutzt, wodurch ein Turboloch verhindert werden soll. Der Chiron kommt auf 1.500 PS und 1.600 Newtonmeter – Superlative, die das ,Hypercar" in 2,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h sprinten lassen. An dieser Fabelzeit ist auch der permanente Allradantrieb mit Längssperre vorne und Quersperre hinten beteiligt, der an ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist. Die Abgase des 16-Zylinders werden von einer Titan-Abgasanlage durch sechs Katalysatoren – die Hauptkats sind dabei sechs Mal so groß wie in einem Mittelklassewagen – in den Endschalldämpfer geleitet. Von dort aus gelangen sie über vier Endrohre am Heck und zwei Endrohre an der Unterseite des Chiron ins Freie.

Carbon-Monocoque
Das Chassis des neuen Bugatti besteht aus einem Carbon-Monocoque und einem ebenfalls aus Kohlefaser gefertigten Hinterwagen. Auch der Unterboden ist aus dem leichten Werkstoff. So konnten allein in diesen Bereichen 16 Kilogramm gegenüber dem Veyron eingespart werden. Die Torsions- und Biegesteifigkeit soll sich dank Carbon-Einsatz auf dem Level von LMP1-Rennwagen befinden. Neben dem Chassis ist auch die Karosserie vollständig aus Kohlefaser. Das Highlight ist dabei das Seitenteil, welches von der A-Säule bis zum Heck aus nur einem Bauteil besteht.

Adaptives Fahrwerk mit fünf Fahrmodi
Beim Fahrwerk setzt Bugatti im Chiron erstmals auf ein adaptives System mit fünf Fahrprogrammen: ,Lift", ,EB-Auto", ,Autobahn", ,Handling" und ,Top Speed". Die ersten vier Modi sind in der Höchstgeschwindigkeit auf 380 km/h begrenzt, mit einem sogenannten ,Speed Key", wie er auch schon im Veyron zum Einsatz kam, kann der ,Top Speed"-Modus und die damit verbundene Höchstgeschwindigkeit von 420 km/h freigeschaltet werden. Die Fahrprogramme variieren je nach Modus die elektronisch geregelten Dämpfer, die Servolenkung, den Allradantrieb mit ,Easy to drift"-Funktion, das Hinterachs-Differenzial, die Aerodynamik-Steuerung sowie die Stabilitäts- und Bremssteuerung. Die Radaufhängung des Chiron ist mit direkt verschraubten Fahrwerksbuchsen versehen, was das Fahrzeug noch direkter machen soll. Neu entwickelte Michelin-Reifen in den Größen 285/30 R 20 an der Vorder- und 355/25 R 21 an der Hinterachse sollen selbst bei 420 km/h für ein sicheres Fahrverhalten sorgen.

Bremstechnik aus dem Rennsport
Die Bremssättel sind komplette Neuentwicklungen und jeweils aus einem Aluteil gefräst. An der Vorderachse drücken acht Titankolben die Bremsbeläge auf Carbon-Keramik-Bremsscheiben, die im Vergleich zum Veyron 20 Millimeter im Durchmesser und zwei Millimeter in der Breite zugelegt haben. An der Hinterachse arbeiten sechs Titankolben. Das Besondere: Die Kolben verfügen über unterschiedliche Durchmesser, um einen gleichmäßigen Anpressdruck auf die Scheibe zu generieren und ungleichmäßigen Verschleiß zu verhindern.

Aktive und passive Aerodynamik
Die Aerodynamik des Chiron besteht aus passiven und aktiven Elementen. Am Unterboden wird die Luft beispielsweise mit schienenförmigen Luftleitteilen in die Richtung der sogenannten NACA-Einlässe geleitet, die die Luft für eine bessere Kühlung des Antriebsstrangs kanalisieren. Die aktive Aerodynamik findet sich in den Frontdiffusoren, der hydraulischen Diffusorklappe am Heck sowie beim Heckspoiler mit Air-Brake-Funktion und Fahrmodi-basierter Neigung wieder.

Exterieur von der Historie inspiriert
Beim Exterieur stand laut Bugatti das Motto ,Form follows Performance" im Vordergrund. Trotzdem ist den Designern ein sehr ansehnliches Fahrzeug gelungen. Inspiration für den Chiron war der Bugatti Typ 57SC Atlantic, dessen Mittelfinne sich auch am neuen Fahrzeug wiederfindet. Besonders auffällig ist die 2,80 Meter lange C-Spange, die sich über Tür und Seitenteil zieht und aus einer speziellen Alu-Legierung besteht. Am Heck setzt Bugatti auf die sogenannte ,SBBR"-Leuchte, welche Schluss-, Brems-, Blink- und Rücklicht in einem 1,60 Meter breiten Lichtband vereint. Auch die Zweifarbigkeit ist ein typisches Bugatti-Merkmal, bestellten doch über 50 Prozent der Veyron-Käufer ihr Fahrzeug zweifarbig. Die Scheinwerfer im Acht-Augen-Design sind lediglich 90 Millimeter hoch und geben dem Chiron ein eigenes Gesicht, das viel ,biestiger" daherkommt, als das des Veyron.

Licht und Luxus im Cockpit
Im Interieur setzt sich die C-Spange als ,Raumtrenner" fort. Allerdings fungiert das Design-Element hier auch noch als dimmbares Lichtband. Der Wählhebel des Doppelkupplungsgetriebes ist aus einem vollen Alu-Block gefräst, der analoge Tacho reicht bis zur 500-km/h-Grenze und ist von drei digitalen Displays umgeben. Das Lenkrad ist wahlweise komplett mit Leder bezogen oder als Leder-Carbon-Mix erhältlich. Für den restlichen Innenraum bietet Bugatti 31 Leder- und acht Alcantara-Farben sowie drei verschiedene Sitztypen an.

Über zwei Millionen Euro
Die Produktion soll im September 2016 anlaufen. Der neue Chiron wird auf lediglich 500 Exemplare limitiert sein und 2,4 Millionen Euro kosten. Und obwohl das Auto jetzt erst vorgestellt wird, liegt für ein Drittel der Fahrzeuge bereits eine Vorbestellung bei Bugatti.

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