Der Stadtbus der Zukunft fährt (fast) von selbst

Auch wenn das autonome Fahren derzeit in der Kritik steht, gehört ihm die Zukunft. Weniger Stress für den Fahrer und weniger Unfälle sind die Versprechen der Technik. Jetzt wagt sich Mercedes in einen Bereich, in dem die technischen Helferlein sehr viel Sinn machen: dem Linienbus-Verkehr. Die Studie ,Future Bus" hat nun in Amsterdam gezeigt, was sie kann.

Autonom über Land
Ganz überraschend kommt der selbstfahrende Bus nicht, schließlich ist Mercedes im Bus-Bereich ein großer Anbieter. Hinzu kommen beste Voraussetzungen für autonomes Fahren: Stets gleiche Strecken und festgelegte Haltestellen. Zur Vorführung der Technik des ,Future Bus" hat sich der Hersteller aber keine Innenstadtroute ausgesucht, sondern eine sogenannte BRT-Linie. BRT steht für ,Bus Rapid Transit" und ist (frei übersetzt) ein Mix aus Stadt- und Überlandstrecken mit eigener Busspur. Im konkreten Beispiel handelt es sich um ein knapp 20 Kilometer langes Teilstück der Verbindung zwischen Haarlem und dem Flughafen Amsterdam-Schiphol.

Besser als jeder Busfahrer?
Diese Strecke enthält elf Stopps, die Fahrtzeit beträgt etwa 30 Minuten. Je nach Tageszeit schwankt die Taktzeit zwischen sechs und zehn Minuten. Teils sind die Kurven sehr eng, zudem ist die Gegenfahrbahn baulich nicht getrennt. Abgerundet wird die Herausforderung für die Technik durch 22 Ampeln und drei Tunnel. An der ersten Haltestelle wechselt der Fahrer in den teilautomatisierten Modus, danach kann er das Lenkrad loslassen und die Füße von den Pedalen nehmen. Der Omnibus bewegt sich selbständig und beschleunigt auf bis zu 70 km/h. Er hält sich genau inmitten seiner 3,10 breiten Fahrspur und weicht höchstens 20 Zentimeter nach links oder rechts ab. Nähert sich eine Haltestelle, hält der Bus bei Bedarf vollautomatisch. Beim Stopp beträgt der Abstand zum Bordstein nur fünf Zentimeter. Durch Vernetzung mit den Ampeln kann deren Schaltung für eine ,grüne Welle" beeinflusst werden, gleichzeitig weiß der Bus, wann die Ampel umschaltet und kann dann ausrollen.

Noch nicht auf dem höchsten Level
Der Mercedes Future Bus befindet sich laut seinen Entwicklern auf der zweiten von insgesamt fünf Stufen auf dem Weg zum autonomen Fahren. Ihre Bezeichnung: Teilautomatisierung mit Spurhaltefunktion, Längsführung, Beschleunigung und Bremsmanövern durch Assistenzsysteme. Interessant beim letzten Punkt: Eine automatische Vollbremsung ist mit Rücksicht auf stehende oder nicht angeschnallte Fahrgäste nicht vorgesehen. Bei Bedarf muss also der Fahrer eingreifen.

Wann startet die Zukunft?
Technisch basiert der Zukunftsbus mit ,City Pilot" auf dem vor zwei Jahren vorgestellten Mercedes Actros mit ,Highway Pilot". Beim ,Future Bus" scannt ein knappes Dutzend Kameras die Fahrbahn, hinzu kommen Fern- und Nahverkehrsradarsysteme sowie GPS-Daten. Alle Daten vereinen sich zu einer exakten Positionierung des Busses. Grundlage für das rund zwölf Meter lange Fahrzeug ist die bekannte Citaro-Reihe. Innen ist der Bus je nach Verweildauer in drei Zonen mit Sitz- oder Stehplätzen aufgeteilt, hinzu kommen großflächige Monitore im mittleren Bereich des Fahrgastraums. Wann wird der ,Future Bus" in Serie gehen? Schon in absehbarer Zukunft, sagt Mercedes. Seit 2011 ist die zweite Citaro-Generation auf dem Markt, wahrscheinlich ist deshalb, dass die (teil)autonomen Systeme hier sukzessive einziehen werden.

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