Erste Mitfahrt im neuen Porsche Panamera

Der Porsche Panamera ist die schnellste Limousine der Welt. Wer das behauptet? Porsche. Wie kommen die darauf? Nun, die zweite Generation des Luxusliners umrundete die legendäre Nürburgring-Nordschleife in nur 7 Minuten und 38 Sekunden. Zum Vergleich: Noch vor wenigen Jahren benötigte der Porsche 997 GT3 7 Minuten und 40 Sekunden für den 20,832 Kilometer langen Eifelkurs. Noch vor der offiziellen Fahrpräsentation lud der Zuffenhausener Sportwagenhersteller an den Lausitzring nahe Dresden zu einem Technik-Workshop. Zwar durfte ich noch nicht selber hinters Steuer, dafür kann ich nun ausgiebig über alle technischen und optischen Neuerungen berichten. Und davon gibt es mehr, als man vielleicht vermuten könnte. Achja, eine kurze Mitfahrt gab es dann auch noch.

Optisch näher am 911er
Wurde der erste Panamera noch oft als das hässlichste der Stuttgarter Entlein belächelt oder sogar verschrien, geht das Erscheinungsbild mit der zweiten Generation nun deutlich stärker in Richtung Sportwagen. Eine flachere Dachlinie, ein längerer Radstand sowie ein ,elferischeres" Heck verwandeln den neuen Panamera in eine gleichermaßen schicke wie sportliche Limousine mit ausgeprägter Porsche-DNA. Im Karosseriebau setzt Porsche nun auf einen Vorderwagen, der komplett aus Aluminium besteht. Auch die Seitenwände und das Dach sind aus dem leichten Material gefertigt. So können in diesen Bereichen rund 14 Kilogramm Gewicht eingespart werden. Weitere acht Kilo sparen jeweils die beiden neuen Vordersitze. Eine echte Innovation hat Porsche mit den Türen geschaffen, die in jedem Öffnungswinkel arretieren und so ein ungewolltes Aufschwingen durch Wind oder am Berg verhindern – sehr praktisch. Der ausfahrbare Heckspoiler kann wie schon beim Vorgänger bei Bedarf seine Fläche vergrößern, tut das nun aber in einem noch größeren Umfang.

Porsche-Interieur der Zukunft
Im Innenraum hat sich ebenfalls einiges getan. Das neue ,Porsche Advanced Cockpit" nimmt mit einem großen 12,3-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole und zwei 7-Zoll-Displays links und rechts vom zentralen Drehzahlmesser eine wichtige Position im Panamera ein. Der große Bildschirm mit Näherungssensor arbeitet mit sogenannten ,Black Panel"-Flächen, die wie das Display eines Smartphones funktionieren – Zoomen und Schieben inklusive. Ein kapazitives Tastenfeld unterhalb des großen Bildschirms steuert unter anderem die Lüftungsdüsen, die nun völlig ohne Knöpfe auskommen. Generell wurde die Anzahl der Tasten im Innenraum deutlich verringert. Das 12,3-Zoll-Display lässt sich in seiner Aufteilung und der Belegung mit diversen Apps frei konfigurieren und so auf jeden Fahrer zuschneiden. Über einen WLAN-Hotspot lassen sich bis zu fünf Geräte mit dem Fahrzeug koppeln, eine LTE-Antenne in der Mittelkonsole sorgt für besseren Empfang beim Telefonieren. Vom überholten Infotainment-System des Vorgängers keine Spur mehr: Der Panamera hat in diesem Bereich einen großen Schritt nach vorne gemacht. Ebenfalls neu an Bord ist ein Nachtsichtassistent, der Tiere ab der Größe eines Fuchses erkennt und den Fahrer warnt, sollte sich eine Kollision anbahnen.

Matrix-LED und ,InnoDrive" sind intelligent
Die Nacht zum Tag machen die neuen Matrix-LED-Scheinwerfer, die – ist das Fernlicht aktiviert – mit 96 LED-Einheiten den Weg beleuchten. Dabei werden unter anderem entgegenkommende Fahrzeuge ausgeblendet und überbelichtete Straßenschilder durch eine Kamera-Erkennung entblendet. Als Weiterentwicklung des Abstandsregeltempomaten ,Adaptive Cruise Control" geht das sogenannte ,InnoDrive" im neuen Panamera an den Start. Dabei wird mit Hilfe von Fahrzeugsensoren und prädikativen Streckendaten von einem Algorithmus zweimal in der Sekunde errechnet, wie die optimale Fahrstrategie für den niedrigsten Verbrauch aussieht. Dabei beschleunigt und verlangsamt das Auto selbstständig. Das System kann bis zu drei Kilometer vorausplanen und ist auf Landstraßen sowie auf Autobahnen ausgelegt.

Nur noch Turbos und ein bärenstarker Diesel
Auch bei den Antrieben gibt es Neues zu berichten. Wie schon bei Boxster, Cayman und 911 ist der Panamera in der nächsten Generation nur noch mit aufgeladenen Motoren zu haben. Die Basis stellt der 4S mit einem 2,9-Liter-V6-Biturbo dar, der 440 PS leistet und 550 Newtonmeter Drehmoment bereitstellt. Im 4S-Diesel arbeitet ein 4,0-Liter-V8-Biturbo, der im Grundsatz von Audi stammt. Mit 422 PS und gewaltigen 850 Newtonmeter Drehmoment dürfte auch dieser Motor für mehr als ordentlichen Vortrieb sorgen. Das Top-Aggregat werkelt im Panamera Turbo: Vier Liter Hubraum in einem Biturbo-V8 sorgen für 550 PS und 770 Newtonmeter. Das sind 30 PS und 70 Newtonmeter mehr als beim Vorgänger. Der Verbrauch soll im Durchschnitt um 1,1 Liter sinken. Erstmals wandern die beiden Turbolader dabei in das sogenannte ,heiße V" im Inneren des Motors und sitzen direkt auf den Krümmern. Die Luftzufuhr wird bankseitig realisiert und erstmals kommt eine Zylinderabschaltung zum Einsatz. Der Block ist rund 15 Prozent leichter als noch im Vorgänger und wurde zur besseren Haltbarkeit mit beschichteten Zylinderlaufbahnen ausgestattet. Dadurch ergeben sich ein minimaler Verschleiß, ein niedriger Ölverbrauch und eine hohe Robustheit. Der Panamera Turbo sprintet dank Allradantrieb und PDK in 3,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Nur zur Erinnerung: Wir sprechen von einer vollwertigen Luxus-Limousine mit einem Gewicht von knapp zwei Tonnen.

Komplett neues PDK-Getriebe
Die wichtigste Änderung beim Antrieb ist allerdings das vollkommen neue PDK-Getriebe. Mit nun acht statt bisher sieben Gängen – sechs vollwertige plus zwei Overdrives – soll die Gangspreizung noch besser für Komfort und Topspeed geeignet sein. Dabei setzt Porsche auf zwei Nasskupplungen und erstmals auf ein ,Full Shift by Wire"-System. Dank der Auslegung als Vier-Wellen-Getriebe können die Gänge sechs und acht sowie fünf und sieben zusammengelegt werden, was das PDK um rund 14 Zentimeter in der Länge schrumpfen lässt. Dadurch kann in der Zukunft eine längenneutrale Hybridisierung realisiert werden. Darüber hinaus soll die zweite Generation des PDK um satte 28 Prozent effektiver sein als das bisher verbaute Getriebe.

Adaptive Luftfederung und ,4D Chassis-Control"
Mit einem längeren Radstand und breiteren Reifen soll der neue Panamera fahrdynamisch eine Evolution des Vorgängers darstellen. Das Fahrwerk im Turbo arbeitet mit einer adaptiven Dreikammer-Luftfederung und neuen Einrohr-Dämpfern. Die Hinterachse wurde komplett neu entwickelt und ist als Vierlenker-Achse ausgelegt. Die Fahrwerks-Änderungen sollen die Spreizung zwischen Performance und Komfort noch weiter vorantreiben. Optional ist erstmals im Panamera eine Hinterachslenkung an Bord. Das Dreikammer-System der Luftfederung stellt drei Federraten pro Achsen bereit, die abhängig von Fahrmodus und Situation dynamisch geschaltet werden. Die minimale Federrate liegt bei 14 Newton pro Millimeter im Komfort-Modus, die maximale bei 36 Newton pro Millimeter im Sport-Plus-Modus. Mit einem Luftvolumen von 4,1 Liter sind die Einrohr-Dämpfer 60 Prozent größer als noch im Vorgänger. Neu ist die elektromechanische Lenkung, die für eine gute Rückmeldung und einen hohen Lenkkomfort sorgen soll. Die Hinterachs-Lenkung, die auch in diversen 911-Modellen zu finden ist, verkürzt oder verlängert den Radstand je nach Situation virtuell und sorgt so je nach Bedarf für mehr Handlichkeit oder Stabilität. Alle Fahrwerks-Komponenten werden von der sogenannten ,4D-Chassis-Control" vernetzt, die laut Porsche die ,idealen Voraussetzungen für den weiteren Weg zum intelligenten Fahrwerk" schafft.

Kurzer Mitfahrt-Eindruck
So, genug der grauen Theorie. Zwar ließ Porsche mich noch nicht selbst ans Steuer – der Termin für die Fahrpräsentation ist erst Ende August – eine Mitfahrt auf dem Eurospeedway Lausitzring war aber trotzdem drin. Mit dem Panamera Turbo samt optionaler Zehn-Kolben-Carbon-Keramik-Bremse ging es einige Runden über den Rundkurs. Wie es sich anfühlte: beeindruckend. Wenn auch der Unterschied zum Vorgänger vom Beifahrersitz schwer zu erfühlen ist, konnte der Panamera schon einmal zeigen, warum er die schnellste Limousine der Welt und auf jeden Fall ein echter Porsche ist. Ein hervorragend abgestimmtes Fahrwerk, brutale Bremsen und ein enorm durchzugsstarker Motor: Ich kann es kaum erwarten, selbst hinter das Lenkrad zu dürfen und sowohl Performance als auch Komfort erfahren zu können.

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