Ganz besonderes Audi-Debüt in der Eifel

Das Eifel Rallye Festival rund um Daun lockt jedes Jahr zehntausende Fans in die Nähe des Nürburgrings. Klassische Rallye-Fahrzeuge aus mehr als fünfzig Jahren Motorsport-Historie sorgen an zwei Tagen für viel Freude bei den begeisterten Zuschauern. 2016 schafften es die Organisatoren, 65 Gruppe-B-Autos in die Eifel zu holen – Rekord! Doch der heimliche Star des Festivals war ein anderes Fahrzeug. Haben Sie schon einmal was von der Gruppe-S gehört? Nein? Wir klären auf.

Die Gruppen B und S
In den 80er-Jahren war die Gruppe B die Königsklasse des Rallyesports. Hersteller wie Audi, Lancia, Ford oder Peugeot kämpften um den Weltmeistertitel. Am Steuer der mehr als 600 PS starken Allradmonster saßen Ausnahmefahrer wie Walter Röhrl, Miki Biasion oder Stig Blomqvist. Um vom kostenintensiven Wettrüsten innerhalb der Weltmeisterschaft abzurücken, entschied man sich bei Audi Mitte der 80er, ein Fahrzeug für eine neue Klasse zu entwickeln: die Gruppe S. Diese sollte 1987 die Gruppe B ablösen. Doch leider kam es in der Endphase der Gruppe B zu einigen tödlichen Unfällen, weshalb die Motorsport-Weltbehörde FIA die damals aktuelle Klasse und ihre Nachfolge-Kategorie einstampfte.

Geheimes Geister-Auto
Das Leben dieses Audi-Gruppe-S-Prototypen sollte eigentlich schon vor dem Ende der Gruppe B vorbei sein. Zwar startete die Entwicklung des neuen Fahrzeugs recht vielversprechend, nachdem der geheime Testträger aber plötzlich mit Foto in einer Tageszeitung auftauchte, weil angeblich einige Mechaniker mit dem Auto beim Bäcker waren, beschloss der damalige Audi-Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piëch, alle Exemplare zerstören zu lassen. Alle Autos? Nicht ganz. Piëch überwachte nur die Demontage der in Ingolstadt beheimateten Fahrzeuge. Ein weiteres Autos erblickte allerdings unbemerkt in Neckarsulm das Licht der Welt. Nach dem Ende der Gruppen B und S sowie der eigentlich vorgesehen Zerstörungen fristete der weiße Prototyp jahrelang ein Geister-Dasein. Wie Ferdinand Piëch reagierte, als er irgendwann erfuhr, dass noch ein Gruppe-S-Auto existiert, ist nicht überliefert.

Rallye-Premiere mit Walter Röhrl
Im Laufe der Zeit wanderte der Wagen dann schließlich in das Audi-Museum, zwölf geschobene Kilometer hatte der Testträger bis zum 22.7.2016 auf der Uhr. Dann war es endlich so weit. Im Rahmen des Rallye Festivals brachte Audi nicht nur zwei originale Werks-Quattro mit in die Eifel, sondern auch den weißen Prototypen. Im Gegensatz zu Opel und Toyota, die zwar auch ihre Gruppe-S-Autos im Gepäck hatten, diese aber nur ausstellten, durfte der Audi nach rund 30 Jahren erstmals Wertungsprüfungs-Kilometer sammeln. Am Steuer saß kein geringerer als der zweimalige Weltmeister Walter Röhrl: ,Es war ein grandioses Erlebnis, diesen einzigartigen Prototypen bei seiner weltweiten Premiere auf den Prüfungen des Eifel Rallye Festivals steuern zu dürfen." Im Heck des Autos sorgt ein 600-PS-Motor aus dem Audi S1 für mehr als ordentlichen Vortrieb des 750-Kilo-Wurfgeschosses. Eigentlich war für die Gruppe S ein Leistungslimit von 300 PS angedacht. Man hatte bei Audi vor 30 Jahren aber einfach keinen anderen Motor zur Hand, deswegen wurde das S1-Triebwerk verpflanzt – grandios. Wir hoffen nun auf weitere Auftritte des Autos und vielleicht versüßt uns Audi die Wartezeit ja mit einem schönen Onboard-Video.

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