Mercedes zeigt den Urban eTruck als Weltpremiere

Ob das Franz Meersdonk aus der legendären Trucker-Fernsehserie ,Auf Achse" gefallen hätte? In Zukunft fahren Lastwagen nicht mehr nur mit 320 PS, wie es damals im Vorspann hieß, sondern auch komplett elektrisch. Wie das funktionieren soll, zeigt Mercedes jetzt mit einem Konzept-Lkw: dem Urban eTruck.

Sauber in die Stadt
Den Zielkonflikt des derzeitigen Güterverkehrs auf der Straße hat Mercedes schon länger vor Augen. Gerade in städtischen Ballungsräumen ist die Problemlage klar: Einerseits wollen Industrie, Handel und Gewerbe beliefert werden, andererseits werden immer neue Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung angedacht. Das beste Beispiel hat Mercedes direkt vor der Haustür: In Stuttgart kämpft man mit den Emissionen, inzwischen wird laut über eine blaue Plakette nachgedacht, um ältere Diesel auszusperren. Für den Hersteller lauter der ,Königsweg" daher lokal emissionsfreie Mobilität, also Elektrofahrzeuge.

Endlich macht der Elektro-Laster Sinn
Aber Elektro-Lastwagen? Mercedes gibt selbst zu, dass das lange Zeit nicht in Frage kam. Doch nun werden Batterie-Trucks wirtschaftlicher. Im Zeitraum zwischen 1997 und 2025 sollen die Kosten der Batterietechnik um 60 Prozent sinken, gleichzeitig steigt laut Mercedes die Leistung um 250 Prozent. Was kann also der Urban eTruck? Die Basis liefert ein schwerer dreiachsiger Verteiler-Lkw. An der Stelle des konventionellen Antriebsstrangs tritt eine elektrisch angetriebene Hinterachse mit Elektromotoren unmittelbar neben den Radnaben.

Kräftiges Drehmoment
Besagte Motoren leisten pro Stück 125 Kilowatt (gleich 170 PS), das maximale Drehmoment beträgt 2 x 500 Newtonmeter. Das Batteriepaket besteht aus drei Modulen mit Lithium-Ionen-Akkus, die Gesamtkapazität beträgt 212 Kilowattstunden. Zum Vergleich. Beim derzeit stärksten BMW i3 sind es rund 27 kWh. Im Fall des Mercedes Urban eTruck beträgt die Reichweite bis zu 200 Kilometer, was für eine übliche tägliche Verteilertour ausreicht. Die Batteriebestückung ist modular aufgebaut und kann so je nach Reichweitenbedarf erweitert oder verringert werden. Aufgeladen wird per CCS-Typ-2-Stecker, bei einer Ladeleistung von 100 kW sind vollständig leere Akkus in zwei bis drei Stunden wieder zu 100 Prozent gefüllt.

Der eCanter von Fuso kommt in Serie
Zwischen dem Urban eTruck und einem ,normalen" Lkw aus dem Mercedes-Angebot beträgt der Gewichtsunterschied 700 Kilogramm. Wann der Elektro-Laster in Serie geht, sagt Mercedes nicht. Im Bereich der leichten Lkw hingegen wird Ende September 2016 auf der Nutzfahrzeug-IAA ein Strom-Modell seine Premiere feiern. Der ,eCanter" von Mercedes-Tochter Fuso weist Batteriepakete auf, die links und rechts am Rahmen montiert sind. Ihre Gesamtkapazität: 48 Kilowattstunden. Der Elektromotor leistet 110 Kilowatt (entsprechend 150 PS), das maximale Drehmoment beträgt 650 Newtonmeter. Insgesamt kommt der eCanter mehr als 100 Kilometer weit. Per Schnellladung kann das Fahrzeug in einer Stunde zu 80 Prozent betankt werden. Entscheidend wird für Spediteure aber der Preis sein. Näheres hierzu will Mercedes erst auf der IAA verkünden.

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