Mobilitätsassistent BMW Connected startet im August 2016

Wie alle Autohersteller versucht BMW derzeit eine Digitalisierungsstrategie auszuarbeiten, wobei eigentlich keiner weiß, was Digitalisierung eigentlich genau bedeutet. Jedenfalls was mit Smartphone, Cloud und so. Warum das für einen Fahrzeughersteller wichtig ist? Soll ein Auto nicht primär gut fahren? Schon. Aber Dieter May, der Digitalisierungs-Verantwortliche von BMW, zitiert eine McKinsey-Studie: 37 Prozent der Käufer von Mittelklasseautos würden die Marke wechseln, wenn nicht genug digitale Services angeboten werden. Das heißt: Es geht nicht mehr nur um die Autoquartett-Zahlen – PS, Beschleunigung und Spitze –, sondern immer mehr auch darum, wie gut das Auto mit dem Smartphone zusammenarbeitet.

Zur Verabredung mithilfe von Alexa und der Cloud
Bei BMW heißt das Ganze ,BMW Connected" und soll ein ,personalisierter, digitaler Mobilitätsassistent" sein. Das umfasst wesentlich mehr als nur eine App fürs Handy, obwohl diese und eine Cloud eine wichtige Rolle spielen. Als Beispiel haben die Entwickler ein Amazon Echo mitgebracht. Das ist ein zylindrischer Computer mit integriertem Lautsprecher und Internetverbindung, der in den USA bei Amazon der absolute Verkaufsrenner ist. Das 180 Dollar teure Gerät gehorcht auf Sprachkommandos wie: ,Alexa, play Adele from Spotify" (Alexa, spiele Adele von Spotify) oder ,Alexa, set a timer für 10 minutes" (Alexa, stelle den Wecker auf 10 Minuten) oder ,Alexa, find me a Chinese restaurant" (Alexa, such ein chinesisches Restaurant). BMW will das Gerät für fahrzeugspezifische Dinge nutzen: ,Alexa, ask BMW: What is my vehicle reach?" (Alexa, frag BMW: Was ist meine Restreichweite) oder ,Alexa, ask BMW: When should I leave for my next appointment?" (Alexa, frag BMW: Wann muss ich für meine Verabredung losfahren). Der Echo-Computer verbindet sich dann mit der Amazon-Cloud, die sich die Antworten wiederum aus der BMW-Cloud holt.

Automatische Übernahme von Terminen
Amazon Echo wird in Deutschland noch nicht angeboten, und es ist (auch wegen der Datenschutzfrage) noch unklar, ob es so einschlägt wie in den USA. Für alle, die keine Alexa zu Hause haben, gibt es eine App. Diese übernimmt zum Beispiel automatisch Termine aus dem iPhone-Kalender, wenn dort auch ein Ort eingetragen ist. Man erhält dann rechtzeitig vor der Verabredung eine Benachrichtigung, dass es Zeit ist, jetzt abzufahren – Echtzeit-Verkehsinformationen werden natürlich berücksichtigt. Setzt man sich ins Auto, wird automatisch der Zielort ins Navi übertragen. Wenn man wegen eines Staus länger braucht als erwartet, kann man eine Benachrichtigung an den Geschäftspartner schicken, dass man eine Viertelstunde später eintrifft. Ist man dann vor Ort, übernimmt die App auch die Fußgängernavigation vom Parkplatz bis zum Treffpunkt. Auch eine weitergehende intermodale Navigation ist denkbar, wie uns May sagte.

Start im August 2016
BMW Connected startet im August 2016. Die App ist kostenlos und kann in BMWs mit Navigationssystem benutzt werden. In den USA, wo das System bereits seit Ende März genutzt wird, hat man bereits viel Kundenfeedback gesammelt. Man brauche das, um zu verstehen, was die Leute haben wollen und was nicht, so May. Die Erkenntnisse werden laufend eingearbeitet, alle sechs Wochen gibt es ein Update. ,Wir arbeiten so schnell wie eine Internet-Firma", sagt May stolz, und erinnert daran, dass Autoentwickler sonst im Wasserfall-Modus arbeiten: Es wird so lange entwickelt, bis das Fahrzeug fertig ist und dann ändert sich jahrelang nichts mehr. Für einen Autohersteller sind die schnellen Aktualisierungen von Mays Team daher eine Revolution, die erstmal durchgesetzt werden muss. Aber bei BMW ist man Revolutionen ja inzwischen gewohnt – man denke nur an Carbon, den Frontantrieb und den Van mit Dreizylindermotor.

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