Reifenmanagement, DRS und virtuelle Hamiltons

Mit Formel 1 2016 bringt das Entwicklerstudio Codemasters die aktuelle Formel-1-Saison auf die heimischen Spielkonsolen. Im Vergleich zur Vorgängerversion von 2015 soll sich einiges getan haben. Wir wollen uns davon selbst überzeugen und klemmen uns hinter das virtuelle Lenkrad.

Umfangreicher Karrieremodus
Der Einstieg in die Rennfahrer-Karriere des Spiels beginnt mit ein wenig Motorsport-Bürokratie: Man wählt einen Avatar, benennt ihn mit dem eigenen Namen, teilt ihm eine Startnummer und ein Helmdesign zu – dann kann es losgehen. Die Entwickler haben bei der 2016er-Version des Spiels großen Wert auf den Karrieremodus gelegt, dieser hat 2015 nämlich gefehlt. Bis zu zehn aufeinanderfolgende Saisons kann man nun spielen. Ob Sie beim Underdog-Team Manor oder direkt als Titelaspirant bei Mercedes anfangen, bleibt Ihnen überlassen. Mehr Spaß macht es jedoch, sich von unten nach oben durchzuarbeiten. Hilfe bekommt man dabei vom eigenen Agenten und vom Renn-Ingenieur. Ersterer verwaltet Vertragsangebote, Presse-Interviews und wirft einen Blick auf die Medien. Der Ingenieur sorgt mit speziellen Entwicklungsaufgaben für ein nettes Nebenprogramm vor den eigentlichen Rennen.

Lebendiges Spielerlebnis
Klickt man sich so durch das virtuelle Fahrerlager von Hockenheim, fallen immer wieder bekannte Gesichter auf. Bei Ferrari steht Teamchef Maurizio Arrivabene, bei RedBull der junge Max Verstappen: Der Detailgrad ist sehr hoch, das kommt dem Spielerlebnis zugute – noch bevor man das erste Mal im Auto sitzt. Wechsel in die Garage. Aus der Fahrerperspektive erlebt man das Gewusel in der Box: Mechaniker wechseln Reifen, draußen fährt die Konkurrenz vorbei. Zeit, endlich ein paar schnelle Runden zu drehen.

Nicht so einfach, wie es im Fernsehen aussieht
Eine Sache vorweg: Natürlich kann man F1 2016 auch mit dem Gamepad spielen, aber das machen Sie im realen Straßenverkehr ja auch nicht, oder? Im Rennsitz mit Lenkrad und Pedalen im Formel-1-Stil geht es auf die Strecke. Ich sitze im Ferrari SF16-H, dem Einsatzfahrzeug von Sebastian Vettel und Kimi Raikkönen. Der V6-Turbo mit Hybrid-Unterstützung beschleunigt die rote Göttin in der lang gezogenen Parabolika-Kurve auf weit über 300 km/h. Anbremsen auf die Haarnadel: Ohne ABS gar nicht so einfach, das innere Vorderrad steht, weißer Qualm steigt auf. Gleichzeitig will das Getriebe vom achten in den zweiten Gang geschaltet werden. Scheitelpunkt getroffen, voll aufs Gas – der SF16-H tanzt mit dem Heck. Lässt man die optionalen Fahrhilfen aus, ist F1 2016 überraschend anspruchsvoll und verlangt dem Spieler einiges ab.

Rennstrategie und Safety Car
Nach dem Qualifying finde ich mich auf dem 4. Startplatz wieder. Im Zeittraining muss nicht nur eine passable Rundenzeit herausgefahren, sondern auch eine Boxenstrategie für das Rennen erarbeitet werden. Das Aufgabenspektrum des Spielers beschränkt sich also nicht nur auf das bloße Fahren, sondern zeichnet den realen Ablauf eines Rennwochenendes der Formel 1 detailgetreu nach. Besonders hart wird es am Start, wo mit Kupplung und Gaspedal der richtige Moment für das Anfahren gefunden werden muss. In der erstmals in einem Formel-1-Spiel fahrbaren Einführungsrunde müssen außerdem die Reifen und Bremsen auf Temperatur gebracht werden, per Spracherkennung kann man sich mit dem Renningenieur austauschen – da kommt Anspannung auf. Während des Rennens kann nun außerdem wieder das Safety Car auf die Strecke oder eine ,Virtual Safety Car"-Phase ausgerufen werden.

Umfangreicher Spiel-Inhalt
Doch nicht nur die Features, die das Spielerlebnis so viel besser machen, sind neu. Auch beim Inhalt hat sich einiges getan. Neben den aktuellen Autos und Fahrern bekannter Teams sind erstmals auch der neue Haas-Rennstall aus den USA sowie die spektakuläre Stadt-Strecke in Aserbaidschans Hauptstadt Baku im Spiel vorhanden. Diese stellt den Spieler mit engen Kurven ohne Platz für Fehler und langen Vollgasgeraden vor eine echte Herausforderung und es macht einen Heidenspaß, die Strecke mit viel Feingefühl zu meistern.

Großer Fortschritt
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass F1 2016 im Vergleich zum Vorgängerspiel mehr als einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Der Inhalt ist umfangreicher, das Spielerlebnis lebendiger und das Fahren an sich verdammt anspruchsvoll, ohne dabei nicht nachvollziehbar zu sein. Wir freuen uns schon auf den 19. August 2016, dann kommt das Spiel nämlich für PS4, Xbox One und PC zu den Händlern. Wenn Sie schon immer mal Ihren inneren Vettel rauslassen wollten, haben Sie nun die beste Gelegenheit dazu.

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