50 Jahre Opel-Testcenter Dudenhofen

Vor etwas mehr als 50 Jahren – im April 1966 – eröffnete Opel in Rodgau-Dudenhofen sein sogenanntes ,Prüffeld". Das mittlerweile in ,Testcenter" umbenannte Areal ist Dreh- und Angelpunkt einer jeden Fahrzeugneuentwicklung der Rüsselsheimer. Zeit, einen Blick auf die bewegte Vergangenheit des Testgeländes zu werfen. Schmeißen wir die Zeitmaschine an!

Am Anfang stand ein Irrtum
Die ,Geburt" des Prüffelds in Dudenhofen verlief nicht ganz ohne Komplikationen. Geben Sie bei Google Maps doch mal ,Dudenhofen" ein, so wie ich es am Vorabend der Jubiläumsfeier getan habe. Höchstwahrscheinlich werden Sie in Dudenhofen in der Pfalz nahe Speyer herauskommen. Dort sollte ursprünglich auch das Prüfgelände von Opel entstehen. Ein Brief, der lediglich an den ,Bürgermeister zu Dudenhofen" adressiert war, landete auf Grund einer fehlenden Postleitzahl allerdings nicht in der Pfalz, sondern im Rhein-Main-Gebiet. Bürgermeister Ludwig Kratz ,Der Neunte" sah seine Chance, und machte Opel ein Angebot für den Kauf eines passenden Geländes. So entstand das Prüffeld schließlich in Rodgau-Dudenhofen und Bürgermeister ,LK9" – sein tatsächlicher Spitzname – wurde zum Helden seiner Amtszeit.

Testen unter realistischen Bedingungen
Bei der Eröffnung im April 1966 umfasst das Gelände rund 2,6 Quadratkilometer Fläche und 33 Kilometer Teststrecken. Darunter finden sich – auch heute noch – Nachbauten originaler Straßen wie die Treburerstraße am Opel-Werk in Rüsselsheim, das Mönchhof-Autobahndreieck, die Weisenauer Brücke in Mainz sowie die Rheinstraße – eine Kopfsteinpflasterstrecke aus der Mainzer-Nachkriegszeit. Übrigens: Die Strecken werden mit der Zeit immer wieder ausgebessert. Aber nicht, um sie im möglichst besten, sondern in einem ,gleichbleibend schlechten" Zustand zu halten. Nur so bleiben die Tests dort vergleichbar. Hinter dem Steuer eines Opel Ascona A von 1974 wird die Geschichte, die im Testcenter steckt fühlbar. Neben mir hält leise sirrend ein Entwicklungsträger des kommenden Ampera-e: Vergangenheit und Moderne gehen in Dudenhofen Hand in Hand und schließen sich keinesfalls aus.

5.000 Erdumrundungen in Dudenhofen
In den 80er-Jahren wird das Areal um eine 4,4 Kilometer lange ,Geräusch und Komfort"-Strecke erweitert, in den 90ern die große Hochgeschwindigkeits-Rundbahn umfassend erneuert. 2006 gibt es den ersten Allrad-Prüfstand auf dem Gelände, direkt daneben steht seitdem eine der modernsten Großtankstellen Europas: Aus 32 Zapfpistolen fließen 16 dort verschiedene Kraftstoffe. Und getankt wird hier jede Menge. Die Testfahrer, die in Dudenhofen sieben Tage die Woche rund um die Uhr in drei Schichten ihre Kilometer abspulen, verfahren neben enorm viel Benzin, Diesel oder Gas auch rund 500 Reifen im Monat. Pro Tag schaffen die Fahrer 40.000 Kilometer auf dem Gelände. Rechnet man diese Zahl einmal hoch, wurde allein in Dudenhofen seit der Eröffnung 1966 5.000 Mal die Erde umrundet – das sind rund 200 Millionen Kilometer!

250 km/h – freihändig
Am Beispiel des neuen Opel Astra erklären die Testfahrer, welches Programm ein Auto durchlaufen muss, bevor es in die Serie gehen darf. So entsprechen die rund 45.000 Kilometer, die der Astra in Dudenhofen abspulen musste, zirka zehn Jahren harter Alltagsbelastung – und das in nur 24 Wochen Testdauer. Besonders die Dauerläufe über Kopfsteinpflaster, Bergstrecken, verschiedene Straßenbeläge und auch über eine Splitt-Strecke setzen dem Auto zu. Ich sitze in einem vollverklebten Astra-Entwicklungsträger und spüre am eigenen Leib, wie es sein muss, jeden Tag acht Stunden über Kopfsteinpflaster zu rumpeln. So viel zum Traumjob Testfahrer! 2012 wurde die große Rundbahn, die sich wie ein Rahmen um das Gelände zieht, erneuert. Seitdem kann man dort mit 250 km/h durch die Steilkurven fahren, ohne die Hände am Steuer zu haben – querkraft-freies Fahren sei Dank. Aber nicht zuhause nachmachen!

Große Investitionen
Bis 2020 will Opel einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in das Testcenter Dudenhofen investieren. Projekte wie die 1,7 Kilometer lange Gerade – auf der dank einer Breite von bis zu 300 Metern problemlos eine Boeing 747 landen könnte – oder das große ,Skidpad" für Tests mit autonomen Fahrzeugen sind bereits fertiggestellt. Besonderes Augenmerk legen die Planer auf neue Gebäude, Prüfstände und Entwicklungszentren. 2020 sollen schließlich bis zu 700 Mitarbeiter in Dudenhofen arbeiten. 1966 waren es noch 150. Von der Test-Romantik der 60er bleiben also nur die tief im Wald versteckten Prototyp-Garagen bestehen, die neue Fahrzeuge vor neugierigen Blicken – und Tele-Objektiven – schützen. Und über allem wacht die älteste Kiefer Hessens, die in den letzten 50 ihrer insgesamt 275 Jahre hier schon einiges gesehen haben dürfte.

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