Künftig sind nicht nur E-Autos sondern auch Mobilitätsdienste wichtig

Wie schon bei vielen Automessen in den Jahren zuvor lud die Volkswagen-Gruppe am Vorabend des ersten Pressetages der Automesse in Paris (1. bis 16. Oktober) zu einem Auftakt-Event. Doch dieses Mal war alles anders. Nicht 800 bis 1.000 Journalisten aus aller Welt wurden eingeladen, sondern ,nur" noch 500. Auch eine 50 Meter breite Videoleinwand gab es nicht, sondern nur ein Display von vielleicht zehn Meter Breite. Auch stellte nicht jeder Markenchef eine Produktneuheit vor, lediglich Konzernchef Matthias Müller und Chefdesigner Michael Mauer hielten eine Rede.

Der Wandel der Mobilität
Man sieht deutlich: Es wird gespart im Volkswagen-Konzern. Weniger Aufwand, weniger Kosten. Was den Konzern derzeit wohl am meisten beschäftigt, die Dieselproblematik, streifte Müller nur kurz. Der Kern seiner Ausführungen betraf den Wandel der Mobilität, der in Riesenschritten voranschreitet: ,Elektromobilität und Konnektivität werden zu `Game-Changern`", so der Konzernlenker.

Konzeptfahrzeug Volkswagen I.D.
So wurde am nächsten Tag auf der Messe das Konzeptfahrzeug I.D. von Volkswagen vorgestellt, das eine Reichweite von bis zu 600 Kilometer bieten soll. Und Porsche zeigte den Panamera 4 E-Hybrid, der erste von 17 neuen Plug-in-Hybriden, die der Konzern in den kommenden zwei Jahren auf den Markt bringen will.

Verbrenner noch 20 Jahre
Die klassischen Verbrennungsmotoren werden nach Ansicht von Müller zwar noch gut 20 Jahre lang eine tragende Rolle spielen. Doch schon jetzt müssten neue Mobilitätslösungen in Angriff genommen werden, um den Konzern gänzlich neu aufzustellen.

Neue Partnerschaften
Neue Partnerschaften mit jungen Unternehmen, Start-ups und Dienstleistern auf der ganzen Welt werden geschlossen. Man arbeite mit dem Partner Gett bereits an der Vermittlung von Fahrdiensten, Shuttle-Angeboten und Sharing-Konzepten für die urbane Mobilität. Denn künftig werde nicht mehr jeder ein eigenes Auto besitzen.

Mobilität als 13. Konzernmarke
Und so gab Müller bekannt, dass das Geschäftsfeld der Mobilität die 13. Marke des Konzerns wird. Der Sitz dieses Unternehmens werde in Berlin sein, wichtige Leute seien schon eingestellt, weitere Details werde es aber erst in einigen Wochen geben. Immerhin wolle man bis zum Jahr 2025 zu den drei führenden Anbietern von Mobilitätsdiensten weltweit gehören und in Europa zum Marktführer werden.

Gutes Design verkauft
Einen der wichtigsten Punkte hob sich Müller für den Schluss seiner Ausführungen auf: die Wichtigkeit des Designs. Und so nahm Konzern-Chefdesigner Michael Mauer den Faden auf. Er ist überzeugt davon, dass Design entscheidend dafür sein wird, welche Marken in Zukunft überleben werden.

Faszination Auto
Mauer glaubt zudem fest daran, dass das Auto seine Faszination nicht verlieren wird. Und wie geht Volkswagen die Sache an? Indem man sich auf drei Dinge konzentriert: Schönheit, Innovation und vor allem Emotion – was zu begrüßen wäre, denn aktuelle Elektroautos können ja nicht gerade mit Emotion überzeugen (der BMW i8 vielleicht mal ausgenommen).

Designer aus 45 Nationen
Immerhin hat der Volkswagen-Konzern zwölf eigenständige Designteams mit Mitarbeitern aus 45 Nationen, denen wird schon was einfallen. Mauer: ,Einige der jetzigen Fahrzeugkonzepte werden sich evolutionär weiterentwickeln, andere werden verschwinden, ganz neue werden zu Tage treten."

E-Autos bieten mehr Freiheiten
Mauer freut sich schon riesig auf das Elektro-Zeitalter: Wenn erst mal die klobigen Metallklötze von Verbrennungsmotoren und Getrieben wegfallen sowie die Auspuffe und der Tank werden sich ganz andere Freiheiten ergeben, ein Auto zu gestalten. Als Beispiel zeigte er eine Skizze von einem Fahrzeug-Innenraum, in dem ein Elternpaar hinten sitzt und das Kind vorne, damit es die beste Aussicht hat. Und wenn es ihm zu langweilig wird, verwandeln sich die umherfahrenden anderen Autos per Augmented Reality in Dinosaurier. Nun, das Beispiel war vielleicht ein wenig zu weit gegriffen, aber Designer (Chief Emotion Officers, wie Mauer sie nennt) müssen weiter denken.

Wandel braucht Zeit
Relativ altbacken wirkten dann allerdings die sechs Exponate, die nach Müllers und Mauers Vorträgen enthüllt wurden, denn die Stars der Messe, der VW I.D. und der neue Audi Q5 wurden erst am Tag nach dem VW-Abend, am ersten Pressetag, gezeigt. Ein Audi S5, ein Skoda Kodiaq, ein Seat Ateca (immerhin die etwas aufregendere Variante Xperience), ein Porsche Panamera Hybrid und na ja – auch bekannt, aber auf der Messe gar nicht vertreten – ein Lamborghini Centenario und eine Ducati 1299 Panigale mussten erst mal reichen. Der Konzern-Umbau geht halt nicht von heute auf morgen. Es gibt viel zu tun, packts an, Volkswagen.

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