Audi entert die TCR-Rennklasse

"Im Motorsport kann man ein kleines Vermögen machen – wenn man vorher ein großes hatte." Dieser Leitspruch mag zwar für 90 Prozent der Akteure in weltweiten Rennserien zutreffen, für die Hersteller von Rennautos kehrt sie sich allerdings gerade um. Das Zauberwort heißt Kundensport. Werksseitig aufgebaute Fahrzeuge können von privaten Teams gekauft und vielfältig eingesetzt werden. Die Angebote reichen vom 30.000-Euro-Renault-Clio bis zum 500.000-Euro-GT3-Ferrari. Irgendwo dazwischen – eher am unteren Rand – wächst momentan eine recht neue Rennklasse heran, die für Kunden und Hersteller gleichermaßen attraktiv sein soll: die TCR. Für diese Klasse hat Audi nun auf dem Pariser Autosalon (1. bis 13. Oktober 2016) ein eigenes Rennauto vorgestellt.

Ein Seat im Audi-Kleid
Der RS 3 LMS folgt der Namens-Tradition seines großen Bruder R8 LMS. Passender wäre allerdings A3 LMS, denn der beflügelte Renner kommt – reglementbedingt – lediglich mit Frontantrieb um die Ecke. Unter der Haube verrichtet ein Zweiliter-TFSI mit 330 PS und 410 Newtonmeter seine Arbeit. Das gleiche Aggregat findet auch in den Konzern-TCR-Brüdern VW Golf GTI TCR und Seat Leon TCR Verwendung. Auch beim Getriebe und einigen Karosserie-Teilen wie dem Carbon-Splitter, dem Heckflügel oder den Seitenschwellern greift Audi ins Konzern-Regal der Motorsport-Abteilung. Der technische Vorteil gegenüber Golf und Leon könnte eventuell in der Limousinen-Form liegen, bei welcher der Heckspoiler günstiger angeströmt werden kann.

Rund 130.000 Euro
,Der TCR-Markt hat noch mehr Potenzial als jener in der GT3-Kategorie", sagt Chris Reinke, Leiter Audi Sport customer racing. ,2016 gab es bereits zehn TCR-Serien mit Rennen in 18 Ländern, und es kommen immer mehr Serien dazu. Mit der TCR-Version des RS 3 erreichen wir auch Länder, in denen es keine GT3-Rennen gibt." Die ersten RS 3 LMS sollen noch im Dezember 2016 ausgeliefert werden – rechtzeitig zum Saisonstart der wichtigsten TCR-Serien 2017. Für die volle TCR-Ladung inklusive sequenziellem Getriebe müssen Kunden rund 130.000 Euro bei Audi auf die Theke legen – plus Mehrwertsteuer versteht sich. Wie das zum TCR-Grundsatz passen soll, der einmal eine Preisobergrenze von 100.000 Euro vorsah, ist fragwürdig. Aber da ist Audi nicht allein. Auch die Mitbewerber von Seat, Honda und Co. sind schon lange über die magische Marke von 100.000 Euro hinausgeschossen. Breitensport? Wohl kaum.

Lesen Sie auch:

Bildergalerie: Der neue Audi RS 3 LMS