Ford Ka+: Der Neue ist 30 Zentimeter länger

Aus dem altbekannten Ford Ka wird künftig der Ka+. Das Pluszeichen soll ausdrücken: Der kleinste Ford bietet künftig mehr. Viel mehr sogar. Wir waren überrascht, wie viel mehr. Messepremiere hat das Auto wohl auf dem Pariser Salon (1. bis 16. Oktober 2016). Wir haben uns den Wagen aber schon jetzt an Ort und Stelle angesehen, nämlich im Ford-Designzentrum in Köln-Merkenich.

Eine Klasse höher als der Ka
So mancher Hersteller hübscht ein unscheinbares Facelift mit Zusätzen wie ,New" oder ,Nuova" auf. Nicht so beim Ka+: Es handelt sich nicht um ein Facelift, selbst Generationswechsel wäre noch zu kurz gegriffen, es geht um ein komplett neues Auto mit einem altbekannten Namen. Die jetzt auslaufende, zweite Ka-Generation basierte auf dem Fiat 500 und wurde wie der Fiat im polnischen Tychy produziert. Nach dem Auslaufen der Produktion hat man sich nun entschlossen, das Konzept komplett zu ändern: Der alte Ka war 3,62 Meter lang und gehörte zu den Kleinstwagen. Der Ka+ dagegen ist mit 3,93 Meter Länge ein waschechter Kleinwagen.

Mehr Türen, mehr Sitzplätze, mehr Länge
Auch wenn der Mann auf der Straße nicht so feinsinnig zwischen A- und B-Segment unterscheidet wie die Fachleute: 30 Zentimeter mehr Länge machen einen deutlichen Unterschied. Außerdem hat der Ka+ fünf statt drei Türen und auch fünf statt vier Sitzplätze. Das Auto wurde von Ford Südamerika federführend entwickelt und wird im indischen Sanand gefertigt. In Brasilien und Indien ist das Auto bereits auf dem Markt.

Ein ,Value Car" aus den Schwellenländern
Entwickelt in Südamerika, gefertigt in Indien: Wie der Ford Ecosport hat auch der neue Ka+ seine Wurzeln in den Schwellenländern. Beim Ecosport muteten Fahrwerk und Innenausstattung in Europa so unpassend an, dass Ford umgehend nachbessern musste. Um diesen Fehler beim Ka+ von vornherein zu vermeiden, wurde das Fahrwerk diesmal sofort den hiesigen Bedürfnissen angepasst. So liegt der Wagen einen Zentimeter tiefer und ist straffer gefedert. Außerdem wurde beim Geräuschniveau nachgebessert.

70 oder 85 PS
Bei den Motoren greift Ford allerdings nicht auf die in Europa gefertigten Dreizylinder zurück, sondern auf den 1,2-Liter-Vierzylinder, der wie der Rest des Autos in Indien gebaut wird. Er leistet je nach Version 70 oder 85 PS, das sind jeweils ein paar PS mehr als bei den entsprechenden Fiesta-Aggregaten. Eine 100 PS starke Sportvariante mit dem Turbo-Dreizylinder 1.0 EcoBoost, über den manche Medien spekulierten, wird es laut Ford nicht geben. Sowas würde natürlich nicht zur Positionierung als günstiges ,Value Car" passen. Genauso wenig wie eine Start-Stopp-Automatik, ein Navi, ein Anti-Kollisionssystem oder eine Automatik – all das wird im Ka+ nicht angeboten.

Kein Auto für die Hipster-Frau
Denn irgendwie muss sich der Ka+ ja vom nur vier Zentimeter längeren Fiesta abheben, mit dem er sich die ,B-Car"-Plattform und den Radstand teilt. Und so wird die Kundenschaft aufgeteilt: Wer beim Autokauf am liebsten Geld spart und auf viel Innenraum achtet, soll den Ka+ kaufen, wer sportliches Flair oder gute Ausstattung sucht, einen Fiesta. Leer aus geht die 25-jährige Frau, die einen schicken Winzling für die Stadt sucht, mit Zweifarblackierung, grünem Schlüssel, viel Chrom und Leder: Ein Äquivalent zum hippen Fiat 500 sucht man in Fords Modellpalette nach wie vor vergeblich. So schick wie ein Fiat 500 oder Opel Adam kommt der Ka+ nicht daher, aber das Design ist annehmbar. Natürlich hat das Auto den markentypischen ,Superman-Grill", wie ihn Joel Piaskovsky nennt, der Designchef von Ford Europa. Der Rest erinnert an den Mitsubishi Space Star.

Innen eher trist – aber auch ein paar gute Ideen
Innen gibt es viel Platz auf den Rücksitzen und eine geteilt umklappbare Rückbank. Das Kofferraumvolumen wird mit 270 Liter angegeben, der Maximalwert wird noch nicht genannt. Außerdem gibt es sehr gute Vordersitze und jede Menge Ablagen. Der Rest ist eher trist: Wie angesichts der Positionierung nicht anders zu erwarten, dominiert schwarzes Hartplastik. Die Mittelkonsole sieht aus wie beim Fiesta. Wer den bekannten Mäusekino-Monitor nicht mag, kann das – höchstwahrscheinlich größere – Display seines Handys nutzen. Dazu gibt es optional ein mit Deckel versehenes Fach zentral oben auf dem Armaturenbrett. Öffnet man den Deckel, findet man einen USB-Slot zum Aufladen. Und man kann das Handy quer in die Öffnung klemmen – sehr praktisch und in der kleinen Klasse die beste Alternative zu einem teuren Einbau-Navi.

Wirklich cool: Das Fach für den Ehering
Bestellbar ist der Ka+ ab Mitte Juni 2016, auf den Markt kommt er im dritten Quartal. Die Preise beginnen bei 9.990 Euro für die 70-PS-Version. An Bord sind elektrische Fensterheber vorn, elektrisch einstellbare Außenspiegel und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Für einen ausgewachsenen Kleinwagen ist das wirklich günstig, unter 10.000 Euro gibt es nur ganz wenige Vier-Meter-Autos. Als Konkurrenten nennt Ford den Kia Rio (dessen 84-PS-Basisversion ebenfalls ab 9.990 Euro zu haben ist) und den Dacia Sandero, den es bereits für unter 7.000 Euro gibt. Einen Fiesta mit 60 PS und drei Türen erhält man erst ab 12.500 Euro. Neben der Einstiegsversion gibt es nur eine weitere Version: den Ka+ Cool & Sound mit 85 PS, der praktischen Handy-Klemme und Klimaanlage für 11.400 Euro. Das mit Abstand coolste Detail am Ka+ haben wir noch gar nicht erwähnt: das Geheimfach. Es befindet sich an der Seite des Armaturenbretts, und wird nur bei geöffneter Tür sichtbar. Kleiner Tipp: Es ist ein idealer Platz für den Ehering beim Seitensprung-Date.

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Otto-Reihenmotor, Sauger, doppelte Nockenwellenverstellung Ti-VCT 
Zylinder
Hubraum in ccm 1.196 
Leistung in PS 70 
Leistung in kW 52 
bei U/min 4.000 
Drehmoment in Nm 105 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Fahrwerk
Radaufhängung vorn McPherson-Federbeine, Stabilisator 
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse 
Bremsen vorn belüftete Scheiben 
Bremsen hinten Trommeln 
Räder, Reifen vorn 15-Zoll-Stahlfelgen (optional Alu) mit Reifen 195/55 R15 
Räder, Reifen hinten wie vorne 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.929 
Breite in mm 1.695 
Höhe in mm 1.524 
Radstand in mm 2.489 
Leergewicht in kg 1.009 
Kofferraumvolumen in Liter 270 *) 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 159 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 15,3 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,0 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 6,6 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,0 
CO2-Emission in g/km 114 
Schadstoffklasse Euro 6 
Weitere Informationen
1/moreName elektromechanische Servolenkung 
2/moreName Wert enthält 13 Liter großes Staufach unter dem Ladeboden 


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